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26.06.2014

08:42 Uhr

Entspricht die Fahne so dem eigentlichen Original, wie es 1832 auf dem Hambacher Fest gezeigt wurde?

Entspricht die Fahne so dem eigentlichen Original, wie es 1832 auf dem Hambacher Fest gezeigt wurde?

DüsseldorfUngezählte Autos fahren derzeit mit Rückspiegel-Überziehern durch das Land: Schwarz-Rot-Gold aller Orten. Doch immer wieder finden sich auch Wagen, bei denen die Fahrer wohl hoppla-hopp geschmückt haben – und so zeigen sich die Spiegel in Gold-Rot-Schwarz (siehe oben).

Ein einfacher Schnappschuss eines solchen Maleurs – wie oben gezeigt – hat eine Diskussion unter den Facebook-Fans bei Handelsblatt Online ausgelöst: Entspricht die heute falsch herum anmutende Darstellung nicht dem Original wie es 1832 auf dem Hambacher Fest gezeigt wurde, dessen Teilnehmer eine nationale Einheit Deutschlands forderten?

Tatsächlich gibt es Indizien, die dafür sprechen. Denn eine kolorierte Zeichnung aus der Zeit ist eindeutig – und gleich mehrere Handelsblatt-Leser wiesen auf Facebook daraufhin. Das Motiv existiert in verschiedenen Kolorierungen und sieht so aus:

„Zug auf das Hambacher Schloss“: Historisches Museum der Pfalz, Speyer. (Foto: Peter Haag-Kirchner, CC BY-NC-ND)

„Zug auf das Hambacher Schloss“: Historisches Museum der Pfalz, Speyer. (Foto: Peter Haag-Kirchner, CC BY-NC-ND)


Kolorierte Variante. (Ausschnitt)

Kolorierte Variante. (Ausschnitt)


Auf den ersten Blick scheint es also eindeutig: Auf der ersten Veranstaltung, auf der in großem Maßstab die Farben der künftigen Bundesrepublik Deutschland gezeigt wurden, kamen sie in der umgekehrten Reihenfolge zum Einsatz. Aber ganz so einfach ist die Antwort dann doch nicht.

Warum, erklärt Ludger Tekampe, Sammlungsleiter des Historischen Museums der Pfalz Speyer. Zu den Beständen des Museums zählt eine Original-Fahne des Hambacher Fests, die eindeutig in der Reihenfolge Schwarz-Rot-Gold gezeigt worden sei. Tekampe erklärt:

  • „Der Künstler, der die Federlithografie „Zug auf das Schloss Hambach 1832“ angefertigt hat, ist (...) mit einiger Wahrscheinlichkeit (...) Erhard Josef Brenzinger (1804-1871), der wohl selbst auf dem Hambacher Fest war. Die Lithografie ist einfarbig 1832 als Beilage zu der in Karlsruhe von W. Hasper verlegten Zeitschrift „Der Zeitgeist“ (...) erschienen.“

Das Original, auf dem die obigen kolorierten Darstellungen beruhen, sieht also so aus:

Ludger Tekampe erklärt weiter:

  • „Kolorierte Einzelblätter wurden vielleicht auch einzeln vertrieben, die in der Sammlung des Historischen Museums der Pfalz befindliche Darstellung (Inventarnummer BS_0690; zu sehen in unserer Ständigen Sammlungsausstellung „Die Neuzeit“) ist als einziges altkoloriertes Blatt überliefert. Bei der zeitgenössischen Kolorierung, die nicht von Brenzinger selbst stammen muss, kann es zu Übertragungsfehlern beim Farbdreiklang gekommen sein.“

Es ist also möglich, dass die Fahnen auf dem Hambacher Fest schon die heute gängige Reihenfolge aufzeigten, nur bei der Kolorierung Fehler auftraten. Ein Indiz, dass dies nahelegt: Die in den Kolorierungen auf dem Turm des Schlosses wehende Fahne ist in der Reiung Rot-Gold-Schwarz dargestellt.

Das erhaltene Original, das heute auf dem Schloss ausgestellt ist, ist aber eindeutig in der Reihenfolge Schwarz-Rot-Gold gedacht gewesen. Denn es trägt im roten Streifen die Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“, die nur bei der heute gängigen Reihung lesbar ist – sonst stünde die Schrift auf dem Kopf. Alle vier von damals erhaltenen Fahnen tragen die Reihung Schwarz-Rot-Gold – auch wenn damals höchstwahrscheinlich andere Varianten gezeigt wurden. Im Stadtmuseum Neustadt am Fuße des Hambacher Schlosses wird die Fahne daher hier und da auch in umgekehrter Reihenfolge gezeigt.

Noch einmal Ludger Tekampe:

  • „Einer der Initiatoren des Hambacher Festes, Johann Georg August Wirth, spricht zudem in seiner Festbeschreibung „Das Nationalfest der Deutschen“ (Neustadt a.d.H. 1832) ausdrücklich von Schärpen in „schwarz, roth und gold“.“

Letztlich durchgesetzt hat sich die heute bekannte Variante spätestens zur Märzrevolution 1848.



„Das Hambacher Fest am 27. Mai 1832“ von Hans Mocznay stammt vermutlich aus dem Jahr 1948 und setzt auf andere Farben. Es basiert auf dem zeitgenössischen Stich. (Ausschnitt)

„Das Hambacher Fest am 27. Mai 1832“ von Hans Mocznay stammt vermutlich aus dem Jahr 1948 und setzt auf andere Farben. Es basiert auf dem zeitgenössischen Stich. (Ausschnitt)


Sonderbriefmarke zum 175-jährigen Jubiläum des Hambacher Fests 2007 basierend auf dem Ölgemälde.

Sonderbriefmarke zum 175-jährigen Jubiläum des Hambacher Fests 2007 basierend auf dem Ölgemälde.


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