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28.11.2018

13:24

Der Wissenschaftler hat die von ihm behaupteten Experimente an Ungeborenen gegen die massive Kritik seiner Fachkollegen verteidigt. action press

Genforscher He Jiankui in Hongkong

Der Wissenschaftler hat die von ihm behaupteten Experimente an Ungeborenen gegen die massive Kritik seiner Fachkollegen verteidigt.

Umstrittene Experimente

Forscher He verteidigt Gen-Manipulationen an Babys

Von: Thomas Trösch

Der Forscher He Jiankui muss nach seiner Behauptung von Genmanipulationen an Ungeborenen viel Kritik aushalten. Die weist der Chinese jedoch von sich.

BerlinDer chinesische Forscher He Jiankui sieht sich nach seiner Behauptung von Genmanipulationen an Ungeborenen massiver Kritik aus der internationalen Wissenschaftsgemeinde ausgesetzt. Auf einem Genomforscher-Kongress in Hongkong hat er an diesem Mittwoch seine Arbeit verteidigt.

Die Wissenschaft müsse mehr tun, um Menschen mit Krankheiten zu helfen, sagt He. In Hongkong stellte er sich der Kritik der aufgebrachten Forschergemeinde. Es war der erste Auftritt des bislang weitgehend unbekannten Genetikers, seit er am Montag mit einem auf Youtube veröffentlichten Video bei Wissenschaftlern und Ethikern für Entsetzen gesorgt hatte.

In dem Video hatte er die Geburt der ersten genmanipulierten Babys Lulu und Nana verkündet. Die im Embryonalstadium vorgenommenen Eingriffe mit der Genschere Crispr/Cas9 sollten die Kinder, deren Identität der Wissenschaftler geheim halten will, resistent gegen den Aids-Erreger HIV machen.

„He hat in einer großen Halle der Universität gesprochen, und die war bis auf den letzten Platz voll“, sagte der Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker, der an dem Kongress teilnahm, der Nachrichtenagentur dpa. „Er machte einen gut vorbereiteten Eindruck und trat sehr selbstbewusst auf.“

Bei dem Vortrag erklärte He, er habe acht kinderlose Paare aus gesunder Mutter und HIV-infiziertem Vater dazu gebracht, bei den Versuchen mitzumachen. Am Ende habe eines der Paare Zwillinge bekommen.

„Auf diesen speziellen Fall bin ich wirklich stolz“, sagte er. Derzeit sei noch eine weitere Freiwillige mit einem genetisch veränderten Baby schwanger, so der Forscher weiter.

Unverantwortlich und medizinisch unnötig

He betonte, er habe zuvor erfolgreich Versuche an Mäusen und Affen durchgeführt. Bei den menschlichen Embryonen hatte er nach eigenen Angaben den CCR5-Rezeptor von Zellen deaktiviert, das Haupteinfallstor für das HI-Virus.

„Millionen Menschen“ könne geholfen werden, wenn die Technologie schneller verfügbar gemacht wird, argumentierte He. Ihm gehe es nicht um die Schaffung von Designer-Babys, sondern um Heilung von Krankheiten.

Teilnehmer der Konferenz übten scharfe Kritik an ihrem Kollegen. „Die Stimmung war ausgesprochen negativ“, berichtete Winnacker. „Ich habe niemanden getroffen, der die Versuche von He gut findet.“

Der US-Virologe und Nobelpreisträger David Baltimore sagte, die Arbeit des Chinesen sei „unverantwortlich“ und „medizinisch nicht notwendig“. Der Fall zeige, dass „die Selbstregulierung der Wissenschaft“ gescheitert sei.

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Unterdessen erklärte auch Emmanuelle Charpentier, die maßgeblich an der Entwicklung der Genschere Crispr/Cas9 beteiligt war, sie sei „sehr besorgt“. „He Jiankui hat eindeutig eine rote Linie überschritten, vor allem, weil er bei seiner Forschung die Sorgen der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft in Bezug auf die Editierung menschlicher Keimbahnen ignoriert hat“, teilte die Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie mit.

Schon am Montag hatten sich die beiden anderen maßgeblichen Entwickler der Genschere, die US-Forscher Jennifer Doudna und Feng Zhang, distanziert. Andere Forscher warfen He in Hongkong vor, mit seinen „intransparenten“ Versuchen den Ruf der gesamten Genom-Forschung gefährdet zu haben.

Eine wissenschaftliche Überprüfung von Hes Behauptungen gibt es bisher nicht. Er habe die Studie einem Wissenschaftsjournal zur Prüfung vorgelegt, sagte der Forscher in Hongkong. Seine Universität habe davon keine Kenntnis gehabt. Weitere Angaben machte He nicht, bezeichnete seine Arbeit aber als eigenfinanziert.

Mit Agenturmaterial.

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