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16.10.2019

12:49

Fotografie

Smartphones bedrohen die letzte Bastion der Kamerahersteller

Von: Martin Kölling

Neueste Handys stoßen auch in den Sektor hochpreisiger Systemkameras vor. Hersteller wie Nikon und Sony setzen daher auf noch ausgefeiltere Modelle.

Im abgelaufenen Quartal sackte der Umsatz um 19 Prozent auf 205 Milliarden Yen ab. Reuters

Canon-Produkte in Yokohama

Im abgelaufenen Quartal sackte der Umsatz um 19 Prozent auf 205 Milliarden Yen ab.

Tokio Canon-Chef Fujio Mitarai ist nicht sentimental. Der Kameramarkt werde sich in den kommenden zwei Jahren nahezu halbieren, warnte er Anfang des Jahres in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Auch der Grund ist ihm klar: „Die Menschen fotografieren gewöhnlich mit Smartphones.“

Das ist zwar kein neuer Trend. Seitdem der Markt für Digitalkameras 2010 mit 121 Millionen Stück seinen Höhepunkt erreicht hat, geht es bergab. Smartphones ersetzten immer mehr die preiswerten Kompaktkameras. Aber jetzt stoßen sie auch in die letzte Bastion der traditionellen Kamerahersteller vor: hochpreisige Systemkameras, bei denen man die Objektive tauschen kann.

Dieses Segment wird von japanischen Herstellern wie Canon, Sony, Nikon, Fujifilm, Panasonic und Olympus dominiert. 2018 verkauften diese noch über zehn Millionen Exemplare. Aber nun sagt Mitarai voraus, dass der Markt auf fünf bis sechs Millionen Stück fallen wird. Auch die Marktforscher von Global Info Research erwarten, dass der Kameramarkt von 6,4 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 6,1 Milliarden im Jahr 2024 fallen wird.

Für die Hersteller bedeutet der Niedergang drei Dinge: Um sich stärker von Smartphones abzusetzen, konzentrieren sie sich erstens auf die fotografische Oberklasse, sogenannte Fullframe-Kameras. Deren Sensoren sind so groß wie die traditionellen Kleinbildfilme. Dies erlaubt Fotografen nicht nur, im Dunkeln bessere Bilder zu schießen, sondern dank der geringeren Tiefenschärfe auch den Hintergrund stärker verschwimmen und damit das Motiv hervortreten zulassen.

Zweitens setzen die Hersteller auf immer höhere Auflösung. Sonys vierte Generation der A7R-Serie steigerte die Zahl der Bildpunkte von 43 Millionen auf 61 Millionen Pixel. Drittens verschärft sich der Verdrängungswettbewerb. Viele kleinere Marken dürften nach Erwartung von Experten wie zuvor schon Samsung in diesem Bereich aufgeben.

„Die Spiegelreflex-Bastion fällt“, kommentierte Nomura-Analyst Tetsuya Wadaki die jüngste Bilanz von Canon. Im abgelaufenen Quartal sackte der Umsatz um 19 Prozent auf 205 Milliarden Yen (rund 1,7 Milliarden Euro) ab, der Gewinn um 68 Prozent auf zwölf Milliarden Yen. Nikon erging es ähnlich.

Eine Ausnahme ist Sony, das mit seinen spiegellosen Systemkameras als technologischer Trendsetter gilt. Dieses Jahr könnte der Herausforderer sogar Nikon als Nummer zwei hinter Canon entthronen. Zudem profitiert Sony als Marktführer von Bildsensoren vom Boom der Multikamera-Smartphones.

So sank zwar auch Sonys reiner Kameraumsatz, aber die Nachfrage nach Sensoren trieb den Quartalsumsatz der Imaging- und Sensing-Sparte um satte 14 Prozent auf 231 Milliarden Yen, der Gewinn sogar um 69 Prozent auf 49,5 Milliarden Yen. Eine Konsolidierung der Industrie dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein.

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