Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2022

13:57

Automatisierung

Kuka will langfristig Weltmarktführer werden

Von: Axel Höpner

Der Roboterhersteller hatte eine Innovationskrise. Doch nun gelingt es besser, neue Kundengruppen auch jenseits der Automobilindustrie zu erschließen.

Lange tat sich Kuka im Segment der kollaborierenden Roboter schwer. Nun soll der neue, leicht zu programmierende Cobot iisy den Durchbruch bringen. Kuka

Cobot von Kuka auf der Messe Automatica

Lange tat sich Kuka im Segment der kollaborierenden Roboter schwer. Nun soll der neue, leicht zu programmierende Cobot iisy den Durchbruch bringen.

München Für den Roboterhersteller Kuka ist der kleine Anlagenbauer Stela ein Erfolgsbeispiel. Stela hatte seinen ersten Schweißroboter vor mehr als 20 Jahren angeschafft, damals ein Fehlkauf. „Er stand ein paar Jahre rum, dann wurde er abgebaut“, sagt Thomas Laxhuber, heute Chef des Mittelständlers. Die Gründe: fehlende Wiederholgenauigkeit, die Umprogrammierung zu kompliziert, die Belegschaft skeptisch.

Doch noch vor dem 100-jährigen Firmenjubiläum hatte Stela einen neuen Anlauf gewagt und ein Modell von Kuka angeschafft. Die Programmierung muss hier kein Spezialist mehr übernehmen, das kann der beste Schweißer im Haus machen. Thomas Laxhuber, Enkel des Unternehmensgründers ist angesichts voller Auftragsbücher zufrieden: „Wir brauchen die Maschine, um die Produktion überhaupt zu schaffen.“

Kuka hatten lange die passenden Produkte gefehlt, um neue Kundengruppen zu erschließen – eine Innovationskrise. „Wir hatten nicht zielgerichtet genug investiert“, sagte CEO Peter Mohnen dem Handelsblatt. Die Roboter im Premium-Segment seien zu kompliziert gewesen, um mittelständische Kunden außerhalb der Autoindustrie zu gewinnen. Das habe man korrigiert und während der Pandemie insgesamt 25 neue Produkte und Varianten auf den Markt gebracht. „Jetzt wollen wir mittelfristig die Nummer zwei und langfristig Weltmarktführer werden.“

Aktuell liegt Kuka hinter Fanuc und ABB etwa gleichauf mit Yaskawa auf dem dritten Platz. Der Marktanteil bei Knickarmrobotern liegt laut Branchenschätzungen im niedrigen zweistelligen Bereich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    2020 waren die Umsätze von Kuka wegen Corona und hausgemachter Probleme stark gesunken, unter dem Strich stand ein Verlust von 95 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gelang die Wende. Die Erlöse stiegen um 28 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Zwar war die operative Marge mit 1,9 Prozent noch gering, doch schrieb das Augsburger Unternehmen wieder schwarze Zahlen.

    Der Trend setzt sich fort. Im ersten Quartal legten die Umsätze um 18 Prozent auf 853 Millionen Euro zu, der operative Gewinn verbesserte sich von acht auf 19 Millionen Euro. „Wir haben den Turnaround geschafft und wollen weiter deutlich Marktanteile gewinnen“, ist Mohnen überzeugt.

    Mehr Wachstum im Markt, mehr Konkurrenzdruck

    Der frühere Finanzvorstand hatte nach der Übernahme durch die chinesische Midea den Vorstandsvorsitz übernommen und das Innovationsmanagement neu aufgestellt. „Wir mussten schneller innovieren und die Kunden viel schneller in den Entwicklungsprozess einbinden“, sagt er.

    Ihn ärgert zum Beispiel, dass Kuka zwar relativ früh einen kollaborierenden Roboter auf den Markt brachte. Doch sei es nicht gelungen, große Stückzahlen abzusetzen. Zu teuer, zu schwer, zu kompliziert zu bedienen war der erste Wurf der Augsburger, der vor allem auf automatisierungserfahrene Großkunden mit komplexen Anforderungen zugeschnitten war.

    Cobot-Pionier Universal Robots hält heute 50 Prozent des Weltmarkts. Die Dänen haben gerade erst ein größeres Modell auf den Markt gebracht und machen damit den Herstellern von schweren Industrierobotern wie Kuka, ABB und Fanuc noch stärker Konkurrenz. „Für uns ist das ein enorm großer Schritt“, sagte Universal-Robots-Chef Kim Povlsen dem Handelsblatt.

    Grafik

    Das kann man als Kampfansage an die etablierte Konkurrenz verstehen. Das Cobot-Segment und die klassischen Industrieroboter wachsen zusammen. Universal Robots baut größere Cobots, ABB und Kuka wiederum drängen in das Geschäft mit den kleinen, kollaborierenden Robotern.

    Mohnen ist überzeugt, dass Kuka darin noch eine große Rolle spielen kann: „Wir werden aufholen.“ Kuka hat inzwischen den Leichtbauroboter Iisy auf den Markt gebracht. In den nächsten Jahren sollen, beginnend mit den Cobots, alle Modelle des Konzerns ein einheitliches Betriebssystem bekommen, die einfache Programmierung soll zum Standard werden.

    Das Marktumfeld ist derzeit trotz aller globalen Unsicherheiten günstig. Der weltweite Roboterabsatz stieg im vergangenen Jahr um 27 Prozent auf 487.000 Auslieferungen. „Es wird jetzt massiv in Automatisierung investiert“, sagt Susanne Bieller, Generalsekretärin des Weltbranchenverbands IFR.

    Die Robotik-Industrie profitiert von gleich mehreren Trends. Während der Corona-Pandemie half die Automatisierung vielen Unternehmen, die Produktion aufrechtzuerhalten. Wegen der Probleme in den Lieferketten wollen zudem viele Firmen die Produktion näher an die Heimat holen. Wegen des Fachkräftemangels und der hohen Lohnkosten wird das aber oft nur mit der Hilfe von Robotern gehen.

    Stela Laxhuber ist da ein gutes Beispiel. Der neue Roboter übernimmt das Schweißen der Ventilatorräder für Trocknungsanlagen, zum Beispiel für die Lebensmittel- und die Papierindustrie. „Die Arbeit muss sehr präzise erledigt werden, ist aber monoton; eine schlechte Kombination“, sagt Laxhuber. Qualifizierte Fachkräfte seien schwer zu finden. Und so erledigt jetzt der Roboter den Job in 50 Minuten. Das Schweißen per Hand dauerte zuvor fünf Stunden.

    Die Rolle Chinas

    Der erste Roboter von Stela musste für jeden Auftrag noch aufwendig aufs Neue angelernt werden. Nun war nur noch die Erstinstallation laut Laxhuber komplex. „Da gab es Blut, Schweiß und Tränen.“ Der Betrieb funktioniere nun reibungslos. Erfolge dieser Art nähren bei Kuka und der gesamten Robotik die Hoffnung auf die oft an der Komplexität gescheiterten Neugeschäfte außerhalb der Stammbranche Automobilindustrie.

    Das zweite große Wachstumsfeld ist trotz aller geopolitischen Spannungen China. Für Kuka ist die Volksrepublik in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Die Übernahme des Augsburger Unternehmens durch Midea vor sechs Jahren ist auf viel Kritik gestoßen. Eine Übernahme eines technologischen Schlüsselunternehmens durch einen chinesischen Investor wäre im derzeitigen Umfeld kaum vorstellbar.

    Grafik

    Mit Mideas Hilfe wollte Kuka auch seine Position auf dem chinesischen Markt verbessern, dem wichtigsten der Welt. Doch hier kam Kuka langsamer voran als geplant. Im vergangenen Jahr lagen die China-Umsätze bei rund 590 Millionen Euro. Bei der Übernahme hatte der damalige Kuka-Chef Till Reuter schon für 2020 Erlöse in Höhe von einer Milliarde in China in Aussicht gestellt.

    Doch selbst Midea-Werksleiter setzten nur ungern die teuren Kuka-Roboter ein. Während sich andere Unternehmen Gedanken über ein Klumpenrisiko China machen, sind ausgerechnet bei Kuka die China-Umsätze noch immer niedriger als die in den USA. „Im vergangenen Jahr hat uns Midea erstmals zu einem Boost in China verholfen“, erläutert Mohnen.

    Inzwischen hat Kuka Roboter auf dem Markt, die besser für die speziellen Bedürfnisse in China angepasst sind. So nutzen zum Beispiel Kunden in der Elektronikindustrie, die neu im Feld der Automatisierung sind, Kleinroboter wie den Delta. Auch Midea setzt jetzt verstärkt Kuka-Roboter in den eigenen Hausgeräte-Fabriken ein. Zudem profitiert Kuka vom Kunden- und Logistiknetzwerk des Eigentümers.

    Der Kuka-CEO sieht sein Unternehmen auf dem Weg an die Weltspitze. Kuka

    Peter Mohnen

    Der Kuka-CEO sieht sein Unternehmen auf dem Weg an die Weltspitze.

    In Augsburg sehen noch immer viele den Einfluss des chinesischen Eigentümers skeptisch. Der Durchgriff könnte noch stärker werden, wenn Midea die deutsche Tochter demnächst von der Börse nimmt. Operativ ändere sich für das Unternehmen dadurch nichts, betont Mohnen. Die Chinesen hatten im Zuge des Schrittes weitere Garantien zugesagt, an der Governance soll sich durch den Squeeze-out nichts ändern. So gibt es weiterhin unabhängige Vertreter im Aufsichtsrat.

    Zudem sollen bis Ende 2025 rund 800 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert werden, davon drei Viertel in Augsburg. Auch das neue Betriebssystem ist komplett in Deutschland entwickelt worden. So will Kuka sicherstellen, dass es im Kern ein deutsches Unternehmen bleibt.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×