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16.05.2022

18:58

High Fidelity

Japanische Hifi-Marke Onkyo geht in die Insolvenz

Von: Martin Kölling

Die einstige Weltmarke Onkyo leidet unter der Abkehr der Musikfans von Kompaktanlagen. Der Abschied kommt mit Ansage, ist aber vielleicht noch nicht das Ende.

Mit der Pleite verabschiedet eine der letzten selbstgeführten japanischen Weltmarken des HiFi-Zeitalters aus der Eigenständigkeit. www.imago-images.de

CD-Player von Onkyo

Mit der Pleite verabschiedet eine der letzten selbstgeführten japanischen Weltmarken des HiFi-Zeitalters aus der Eigenständigkeit.

Tokio Die Homepage des japanischen Hifi-Herstellers Onkyo Home Entertainment ist fröhlich designt, schließlich soll sie zum Einkauf anregen. Doch seit Montag wird die Website von einem unerfreulichen Eintrag dominiert. Ein Gericht in Osaka habe am Freitag den Konkursantrag des Unternehmens angenommen, teilt das Unternehmen dort mit: „Diese Website wird vom Insolvenzverwalter von Onkyo Home Entertainment Co., Ltd. betrieben.“

Onkyo wegen 23 Millionen Euro Schulden in Insolvenz

Mit der Pleite verabschiedet sich eine der letzten selbst geführten japanischen Weltmarken des Hifi-Zeitalters wenigstens aus der Eigenständigkeit. Lange hatte Onkyo versucht, mit der Digitalisierung des Musikgenusses mitzuhalten. Doch das Kerngeschäft der Japaner, kompakte Stereoanlagen, schrumpfte mit dem Siegeszug von Streamingdiensten wie Spotify und der damit einhergehenden Abwanderung zu Smartphones und Smartspeakern, mit dem Internet vernetzten Lautsprechern von IT-Riesen wie Alphabet und Amazon.

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Wie schlecht es um die 1946 gegründete Marke steht, zeigen die Verbindlichkeiten, die zum Konkursantrag führten: Mit 3,1 Milliarden Yen (rund 23 Millionen Euro) wirkt der Schuldenberg nicht unüberwindbar. Doch nicht einmal für diese vergleichsweise geringe Summe fand sich ein Retter, zu ausgezehrt ist Onkyo nach Jahren der Sanierungsversuche.

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    Onkyo vor Insolvenz an Voxx und Sharp verkauft

    Anfang 2021 schien dieser Retter sogar gefunden: Durch Aktienoptionen in Höhe von 6,2 Milliarden Yen (etwa 46 Millionen Euro) für einen Private-Equity-Fonds von den Kaimaninseln wollte Onkyo frisches Kapital einholen. Doch die Investoren lösten nur wenige Optionen ein.

    Im August 2021 wurde das Unternehmen ordnungsgemäß von der Börse genommen, weil der Nettowert das zweite Jahr in Folge negativ war. Im September verkaufte Onkyo die Sparte für heimische audiovisuelle Anlagen für 30,8 Millionen Dollar an ein Joint Venture des US-Unternehmens Voxx International und des japanischen Elektronikkonzerns Sharp, der zum taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn gehört.

    Sharp und Voxx wollen Marke Onkyo weiterführen

    Auch das Kopfhörergeschäft wurde verkauft. Das Unternehmen versuchte noch, die Schulden durch andere Geschäfte und Lizenzeinnahmen aus den verkauften Sparten zu bedienen. Doch es reiche nicht, teilte das Unternehmen mit. Trotz der Bemühungen sei Onkyo „angesichts der gravierenden Cashflow-Schwierigkeiten nicht in der Lage, seine Schulden zu begleichen“.

    Es ist der letzte Akt eines langen Abschieds. Im Februar stellten bereits die Marketingtochter und die Auftragsfertigung die Arbeit ein und meldeten im März Konkurs an. Was das Ableben des Unternehmens für die Marke bedeutet, ist dabei noch nicht vollständig klar. Voxx International und Sharp wollen die Marke auf jeden Fall weiterführen.

    Sharps Joint-Venture-Partner ist die Premium Audio Company, eine 2020 von Voxx International gegründete Einheit. Das Unternehmen gleicht inzwischen einem globalen Who’s who gescheiterter Hifi-Marken. So addierten die Amerikaner den Deal mit Onkyo – und Onkyos Marken Pioneer und Integra – zur langen Liste anderer Namen wie Klipsch (USA), Jamo (Dänemark) und Teac (Japan).

    Die Mantelgesellschaft hat dabei den Vertrieb von Onkyo-Produkten übernommen, die Sharp in seiner malaysischen Fabrik produziert. Das letzte Wort hat der Konkursverwalter.

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