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13.10.2022

06:20

Pixel Watch im Test

Googles erste Smartwatch – Solide Uhr ohne Herausstellungsmerkmal

Von: Stephan Scheuer

Erstmals entwickelt Google eine Antwort auf die Apple Watch. Das Handelsblatt hat die Pixel Watch vor dem heutigen Marktstart getestet.

Die erste Smartwatch von Google kostet zwischen 379 Euro und 429 Euro. Stephan Scheuer

Google Pixel Watch

Die erste Smartwatch von Google kostet zwischen 379 Euro und 429 Euro.

San Francisco Sieben Jahre hat es bei Google gedauert, ein Gegenmodell zur Apple Watch auf den Markt zu bringen. Das ändert sich mit dem heutigen Marktstart der Google Pixel Watch.

Die Uhr kommt in zwei Varianten auf den Markt: Ein Einstiegsmodell mit WLAN-Unterstützung und Bluetooth kostet 379 Euro. Eine erweiterte Variante mit LTE-Mobilfunk kostet 429 Euro. Sie sind ab dem heutigen Donnerstag in Deutschland im Handel erhältlich.

Vorab hatte ich die Möglichkeit, Googles erste Smartwatch eine Woche lang auszuprobieren. Die folgenden Dinge sind mir dabei aufgefallen.

Google Pixel Watch im Test: Handhabung

Die Pixel Watch hat ein angenehmes Design. Sie ist rund mit einer sehr weich abgerundeten Oberfläche. Damit ist sie klassischen Uhren sehr ähnlich. Für mich fühlte sie sich daher beim Tragen angenehm an und ich empfinde dieses Design dem rechteckigen Aufbau der smarten Uhren von Apple überlegen.

Ich verstehe nicht, warum Apple bis heute nicht eine Uhr herausgebracht hat, die sich an der bewährten, runden Form von Armbanduhren orientiert. In diesem Punkt würde ich die Pixel Watch der Apple Watch vorziehen.

Allerdings kommt das runde Design auch mit einem Preis: Das Display ist relativ klein. Gerade Text lässt sich nur innerhalb einer kleineren Fläche darstellen. Das fiel mir vor allem auf, wenn ich Nachrichten auf dem kleinen Display gelesen habe. Allerdings sind mir längere Texte auf jeder Smartwatch zu anstrengend zu lesen - egal ob rund oder eckig. Dafür ist das Amoled-Display mit 1000 nits so angenehm hell, dass ich auch bei Sonnenlicht bequem die Uhr nutzen konnte.

Google-Zwang: Pixel Watch kann nur mit Android-Smartphones verbunden werden

Leider hat Google in einem sehr wesentlichen Punkt Apple kopiert. Ähnlich wie beim iPhone-Konzern ist die Uhr von Google an die eigene Produktumgebung gebunden. Schon beim ersten Einschalten verlangt sie zwingend nach einem Smartphone mit dem Google-Betriebssystem Android, um betrieben werden zu können. Mit einem iPhone ist das Einrichten nicht möglich.

Das ist schade und auch ein Bruch mit der Tradition des Fitness-Spezialisten Fitbit, den Google im Jahr 2021 für 2,1 Milliarden Dollar gekauft hatte und dessen Leistungen zu großen Teilen mit in die Uhr eingeflossen ist. Fitbit-Tracker funktionierten traditionell über verschiedene Geräte hinweg - also sowohl mit Android- als auch mit Apple-Smartphones.

Mit der Google Pixel Watch ist das vorbei. Noch stellt Google zwar weiter unter der Marke Fitbit neue Geräte bereit. Es ist aber gut möglich, dass sich das Unternehmen künftig auf Produkte unter der Pixel-Marke konzentriert.

Google Pixel Watch: Fitness-Optionen

Die Fitness-Funktionen der Watch stammen vom Fitbit. Stephan Scheuer

Training mit der Pixel Watch

Die Fitness-Funktionen der Watch stammen vom Fitbit.

Das entscheidende Merkmal der Pixel Watch soll die Verbindung mit Funktionen von Fitbit sein. „Die Verbindung von Google und Fitbit gab es so noch nicht“, sagte mir vorab der zuständige Google-Manager Sandeep Waraich bei einer Produktpräsentation. Im Kauf einer jeden Pixel Watch ist zudem sechs Monate lang die Nutzung des Premium-Dienstes von Fitbit enthalten.

Google ist dabei, Fitbit mit den restlichen Systemen des Konzerns zusammenzuführen. Das Betriebssystem für smarte Uhren, Watch OS, hat Google in seiner neuesten Form gemeinsam mit dem Team von Fitbit sowie mit Samsung entwickelt. Wer eine moderne Smartwatch von Samsung kauft, erhält also ein sehr ähnliches Nutzungserlebnis wie mit der Pixel Watch.

In der Praxis gehen Google und Fitbit aber noch nicht reibungslos zusammen. Zum Einrichten der Uhr brauchte ich einen Google-Account. Um die Uhr dann auch für Sport nutzen zu können, war noch ein separater Fitbit-Account nötig. Zwar hat Google angekündigt, künftig Google-Accounts zur Pflicht auch für Fitbit-Geräte zu machen, so weit ist es aber heute noch nicht.

Sportarten wie Laufen, Fahrradfahren oder Inlineskaten musste ich jeweils über die Fitbit-App auf der Pixel Watch auswählen, damit das Tracking gestartet wurde. Mein Eindruck war, dass gerade beim Joggen das Tracken zuverlässig funktioniert hat. Die von der Pixel Watch gesammelten Fitnessdaten stimmten weitgehend mit dem Tracker überein, den ich bislang beim Joggen mitlaufen lasse.

Batterielaufzeit der Pixel Watch von Google

Der Akku der Smartwatch hält rund einen Tag. Stephan Scheuer

Pixel Watch

Der Akku der Smartwatch hält rund einen Tag.

Der Akku der Pixel Watch reicht für gut einen Tag. Oft waren zur Bettgehzeit noch Kapazitäten übrig - zwei Tage hätte die Watch jedoch nicht durchgehalten. Ähnlich wie die meisten Apple-Watch-Generationen muss die Pixel Watch wohl auch täglich geladen werden, damit sie zuverlässig ihre Dienste im Alltag leistet. Die Akkuleistung der Pixel Watch wird mit 294 mAh angegeben. Zum Vergleich: Der Wert für die Apple Watch 8 liegt bei 308 mAh.

Smartwatch von Google: Die Navigation der Pixel Watch

Eine Funktion, die mich besonders interessiert hatte, war die Navigation. Ich bin viel mit dem Fahrrad unterwegs. Google Maps gehört zu den soliden Kartenanbietern. Und Navigation ist eine der Leistungen, die Google besonders für seine Pixel Watch bewirbt.

Allerdings empfand ich die Uhr nicht als besonders große Hilfe beim Navigieren mit dem Fahrrad. Die Angaben zum Abbiegen sind oft zu ungenau, um zu wissen, in welche von zwei kleinen Straßen ich abbiegen muss. Zwar lässt sich auch eine Straßenkarte auf der Watch anzeigen, sie lässt sich aber kaum während der Fahrt studieren.

Sprachsteuerung überzeugt nicht

Leider bin ich nicht richtig mit der Sprachsteuerung der Pixel Watch klargekommen. Bislang ist meine persönliche Erfahrung, dass die Spracherkennung von Google der von Apple deutlich überlegen ist. Während ich bei Apple immer wieder auf große Missverständnisse stoße, ist die Spracherkennung bei Google so gut, dass ich mit dem neuen Smartphone Pixel 7 Pro problemlos Interviews in Echtzeit transkribieren lassen konnte.

Aber an der Pixel Watch bin ich gescheitert. Eine Eingabe, die mit dem Pixel-Smartphone problemlos verstanden wurde, führte bei der Pixel Watch immer wieder zu Fehlern. Bis zum Schluss konnte ich nicht herausfinden, woran es lag.

Google Pixel Watch im Test: Urteil

Die Pixel Watch ist aus meiner Sicht ein solides Gerät ohne klare Zielgruppe. Der Markt für smarte Uhren ist stark umkämpft. Apple verkauft so viele Geräte wie alle anderen Hersteller zusammen. Google muss sich von der Konkurrenz absetzen können. Doch dazu fehlt eine überzeugende Funktion. Die Google-Uhr kann alles, was die Konkurrenz auch bietet.

Sie ist aber in keinem Aspekt überragend. Und selbst beim Preis hat Apple mit dem Einstiegsmodell Watch SE ein Gerät ab 299 Euro im Angebot - also günstiger als die günstigste Variante der Pixel Watch. Ich fürchte, so wird Google kein Massenpublikum erreichen.

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