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22.04.2022

10:42

Halbleiter Engpass

ASML: Europas wertvollster Tech-Konzern erwartet Endlosboom

Von: Joachim Hofer

Der Chipausrüster ASML kämpft mit der Auftragsflut und will die Kapazitäten daher massiv aufstocken. Allein funktioniert das aber nicht.

Chipmaschine von ASML: Die Niederländer wollen die Produktion stärker als bisher geplant ausbauen. ASML

ASML

Chipmaschine von ASML: Die Niederländer wollen die Produktion stärker als bisher geplant ausbauen.

München Aufträge ohne Ende: Der niederländische Chipausrüster ASML kann die Orderflut nicht mehr bewältigen. Daher plant der Maschinenbauer, seine Produktion noch stärker als bisher angekündigt auszubauen. Ein Selbstläufer werde das allerdings nicht, warnte Finanzchef Roger Dassen am Mittwoch. Die Frage sei: „Können wir das?“ Denn auch die Lieferanten müssten kräftig expandieren, betonte der Manager.

2025 wolle ASML 90 sogenannte EUV-Systeme produzieren, gut ein Viertel mehr als bisher vorgesehen, erläuterte Dassen. Die jeweils mehr als 100 Millionen Euro teuren Maschinen sind das Rückgrat der globalen Halbleiterfertigung.

Weltweit beherrscht nur ASML die EUV-Lithografie, das fortschrittlichste Produktionsverfahren der Chipbranche. EUV steht für extrem ultraviolettes Licht, mit dem die Halbleiter belichtet werden. Einzig diese Technologie ermöglicht es, Chips der modernsten Generation mit Strukturgrößen von unter sieben Nanometern zu produzieren.

ASML profitiert von der hohen Halbleiter-Nachfrage

Zu den wichtigsten Zulieferern von ASML gehören zwei schwäbische Konzerne: Zeiss und Trumpf. Sie liefern Kernkomponenten für die hochgezüchteten Systeme: Zeiss produziert Spiegel, Trumpf die Laser.

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    Wie kein anderer europäischer Konzern profitiert ASML vom gewaltigen Boom der Halbleiterindustrie. Die Niederländer haben Bestellungen für 29 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Im ersten Quartal kamen neue Aufträge über sieben Milliarden Euro dazu. „Die Nachfrage ist sehr, sehr stark“, unterstrich Finanzvorstand Dassen. Gebremst werde das gute Geschäft aber durch die knappen Produktionskapazitäten.

    Grafik

    In den ersten drei Monaten des Jahres ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zwar um rund ein Fünftel auf 3,5 Milliarden Euro gefallen. Das hat allerdings rein buchhalterische Gründe: Um die Maschinen schneller auszuliefern, erfolgen die finalen Tests und die Abnahme nun bei den Kunden vor Ort. Die Folge: Umsätze, die normalerweise im ersten Quartal verbucht worden wären, kommen jetzt später. Ebenso werden sich am Jahresende Umsätze ins Jahr 2023 verschieben.

    ASML will Umsatz um ein Fünftel steigern

    Der Gewinn hat sich mit 695 Millionen Euro mehr als halbiert, fiel aber höher aus als von Analysten erwartet. ASML kämpfe mit steigenden Löhnen, höheren Komponentenpreisen sowie steigenden Frachtraten, erläuterte Dassen.

    Für das gesamte Jahr bekräftigte ASML die Prognose: Der Umsatz soll um rund ein Fünftel steigen. Vergangenes Jahr waren die Erlöse sogar um ein Drittel in die Höhe geschossen. Zu den wichtigsten Kunden von ASML gehören die Chiphersteller Samsung und Intel sowie TSMC, der weltweit führende Auftragsfertiger.

    Einzig die Investoren haben zuletzt nicht mehr so recht an die Wachstumsstory geglaubt. Seit Herbst haben die Aktien knapp ein Viertel an Wert verloren. Gegenüber dem Frühjahr 2020 hat sich der Kurs indes fast verdoppelt. Im frühen Handel in Amsterdam am Mittwoch gewannen die Papiere mehr als vier Prozent auf fast 590 Euro.

    Mit einer Marktkapitalisierung von rund 237 Milliarden Euro ist ASML der wertvollste Tech-Konzern Europas. Zum Vergleich: Der Softwarehersteller SAP kommt auf rund 115 Milliarden Euro. Der Börsenwert des größten deutschen Chipkonzerns, Infineon, beträgt nicht einmal ein Fünftel von ASML.

    Dieser Artikel erschien zuerst am 20.04.2022 um 12:34 Uhr.

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