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17.04.2017

18:28 Uhr

Virtuelle Realität

Aufbruch in neue Welten

VonJakob von Lindern

Egal ob Produktion, Logistik, Entwicklung: Virtuelle Realität hält Einzug in die Industrie. Den Herstellern eröffnet sich ein Milliardenmarkt. Bereits in den 90er-Jahren gab es Experimente zu Datenbrillen.

Gemeinsam mit der verwandten virtuellen Realität (VR) ist die Augmented Reality ein vielversprechender Zukunftstrend für Unternehmen. dpa - picture-alliance

Neue Sicht

Gemeinsam mit der verwandten virtuellen Realität (VR) ist die Augmented Reality ein vielversprechender Zukunftstrend für Unternehmen.

KölnSie haben ein hohes Nervpotenzial: Bedienungsanleitungen. Das gilt nicht nur beim Schrankaufbau daheim, sondern auch in Industriehallen. Ein Arbeiter, der eine Maschine mit einem Werkzeug ausrüstet, muss immer wieder nachschauen: Wie werden die Anschlüsse konfiguriert? Dann legt er die Anleitung beiseite und setzt die Anweisung um. Viel praktischer wäre es, würde der jeweilige Anschluss aufleuchten und genau anzeigen, was jetzt zu tun ist.

Der Elektrotechnik-Hersteller Weidmüller aus Detmold setzt aktuell genau das um – mit Hilfe einer Datenbrille. Blickt der Arbeiter durch sie auf die Maschine, wird ihm eingeblendet, welches Werkzeug er für den aktuellen Auftrag benötigt und wie er es einzusetzen hat. Auf einen Blick erkennt er dann, welche Schläuche er anbringen muss oder welche Füllstände niedrig sind. Die Anleitung ist detaillierter als früher, und man hat die Hände frei. „Damit gehen wir gerade in die Praxis“, sagt Patrick-Benjamin Bök, Leiter Global Factory Digitalization & Intelligence bei Weidmüller. „Das hilft den Kollegen sehr, es spart Zeit, und wir vermeiden Fehler.“

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

Die Anleitungen sind nicht der einzige Grund, warum Weidmüller sechs sogenannte Hololens-Datenbrillen von Microsoft gekauft hat und plant, bald noch viele nachzuordern. Sie werden auch bei Reparatur und Wartung eingesetzt, ebenfalls zur Schulung. In Zukunft sollen sie ganze Maschinenparks in leere Hallen projizieren. Immer geht es darum, die Realität mit digitalen Informationen oder Modellen anzureichern. Der Fachbegriff dafür heißt Augmented Reality (AR) – erweiterte Realität.

Gemeinsam mit der verwandten virtuellen Realität (VR) ist die Augmented Reality ein vielversprechender Zukunftstrend für Unternehmen. Während die virtuelle Realität bereits ein großes Thema im Marketing und bei Produktpräsentationen ist, gilt vielen Industriebetrieben die erweiterte Realität als große Chance, die sich gerade erst auftut.

Produktion, Logistik, Entwicklung – in immer mehr Bereiche hält die Technik Einzug. „Wir gehen von einem enormen Anstieg der Anwendungsfälle aus“, sagt Ulrich Bockholt, der am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung zu AR forscht. Rund 850 Millionen Euro werden deutsche Unternehmen bis 2020 in Lösungen für virtuelle und erweiterte Realität investieren, so eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte, des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik und des Branchenverbands Bitkom. Der weltweite Markt für VR und AR werde laut Goldman Sachs Research bis 2025 auf ein Volumen von 80 Milliarden Dollar wachsen. Andere Prognosen sind noch optimistischer.

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