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01.03.2022

13:05

Impfstart in Deutschland

So kommen Sie an den Novavax-Impfstoff

Der neue Impfstoff Novavax beruht auf einem bewährtem Wirkverfahren. Er stößt daher auf weniger Skepsis als moderne mRNA-Vakzine. Was Sie zum Novavax-Impfstart wissen müssen.

Ein medizinischer Mitarbeiter bereitet eine Dosis für die Impfung mit dem Totimpfstoff Novavax vor. (Foto: dpa)

Novavax

Ein medizinischer Mitarbeiter bereitet eine Dosis für die Impfung mit dem Totimpfstoff Novavax vor. (Foto: dpa)

Düsseldorf Im Dezember 2021 hat der Protein-Impfstoff Novavax von der EU die Zulassung erhalten. In Deutschland haben die Bundesländer inzwischen damit begonnen, den Novavax-Impfstoff zu verabreichen. Vor allem Menschen mit Vorbehalten gegenüber den weit verbreiteten mRNA-Impfstoffen sollen eine Novavax-Impfung bekommen können.

Novavax ist der fünfte in der EU zugelassene Impfstoff, kommt allerdings mit deutlicher Verspätung. Produktionsprobleme verzögerten die Entwicklung und Zulassungsverfahren erheblich.

Doch wie und wann kommt man an eine Novavax-Impfung? Können Sie mit Novavax boostern? Wir geben die wichtigsten Antworten.

So funktioniert der Novavax-Impfstoff

Nuvaxovid, so die EU-Bezeichnung für den Impfstoff in der EU, besteht laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Der Körper erkennt das Protein als fremd und fährt das Immunsystem hoch – spezifische Antikörper und T-Zellen bilden sich.

Das wappnet vor einer echten Infektion. mRNA-Vakzine hingegen funktionieren anders. Körperzellen werden mithilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Novavax ist kein Corona-Totimpfstoff im engeren Sinne

Oft ist die Rede vom Corona-Totimpfstoff Novavax. Doch das ist nicht ganz korrekt. Totimpfstoffe enthalten dem Bundesforschungsministerium zufolge abgetötete, also nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger. Sie können auch nur Bestandteile oder einzelne Moleküle dieser Erreger enthalten.

Beispiele sind Impfstoffe gegen Hepatitis A und Influenza. Der Körper kann dabei den Totimpfstoff nicht vom Erreger unterscheiden und fährt eine gezielte Immunabwehr hoch, die vor einer echten Infektion schützt.

Allerdings wird der Begriff nicht einheitlich verwendet. Im engeren Sinne ist Novavax kein Totimpfstoff, da keine echten Virusteile im Impfstoff enthalten sind. Treffender sind die Bezeichnungen Proteinimpfstoff oder auch rekombinanter Proteinimpfstoff.

Wie gut wirkt der neue Impfstoff von Novavax?

Der Novavax-Impfstoff hat laut Zulassungsstudien eine Wirksamkeit von 90 Prozent bei Corona-Erkrankungen. Das bedeutet, in der geimpften Gruppe traten 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als in der ungeimpften Kontrollgruppe. Die Probanden erhielten zwei Dosen im Abstand von drei Wochen.

Allerdings beziehen sich die Ergebnisse hauptsächlich auf die Alpha-Variante, die in Deutschland so gut wie keine Rolle mehr spielt. Omikron dominiert seit Anfang 2022 die Corona-Infektionen. Novavax entwickelt nach eigenen Angaben bereits einen modifizierten Impfstoff, der auf die Omikron-Variante ausgerichtet ist.

Nebenwirkungen des Novavax-Impfstoffs

Für den neuen Impfstoff gibt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Risikobewertung ab: Novavax könne zu „lokalen und systemischen Impfreaktionen“ führen. Gemeint sind damit Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- sowie Muskel- und Gelenkschmerzen oder Müdigkeit, die bis zu wenigen Tagen anhalten können. Die Nebenwirkungen des neuen Mittels sind damit vergleichbar mit denen der bereits vorhandenen Corona-Impfstoffe, etwa Biontech und Moderna.

Ist Novavax für eine Booster-Impfung geeignet?

Derzeit empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) den Novavax-Impfstoff nur zur Grundimmunisierung. Zwei Dosen im Mindestabstand von drei Wochen würden für einen Impfschutz ausreichen, schreibt das Institut.

Es gibt aber bereits Hinweise, dass sich das neue Mittel auch als Booster eignet. Der Generalsekretär der Deutschen Immunologischen Gesellschaft, Carsten Watzl, sagte der Augsburger Allgemeinen Zeitung: „Bei den Booster-Impfungen ist Novavax laut einer britischen Studie nicht ganz so effektiv wie die mRNA-Impfstoffe, aber deutlich besser als Vektorimpfstoffe wie Astra-Zeneca oder Johnson&Johnson.“

Wann kommt Novavax in Deutschland?

Die erste Novavax-Lieferung ist Ende Februar in Deutschland eingetroffen. In den Kalenderwochen 9 (ab 28. Februar) und 10 (ab 6. März) rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit je 900.000 Einheiten, in der Kalenderwoche 11 sollen es 600.000 Dosen sein. Der Impfstoff soll demnach erst medizinischem Personal angeboten werden.

Insgesamt erwartet der Bund im ersten Quartal 2022, als bis Ende März, etwa vier Millionen Impfdosen. Im zweiten Quartal sollen es bis zu 30 Millionen Einheiten sein.

Wie groß ist das Interesse an Novavax?

Zur Nachfrage nach Novavax-Impfungen gibt es bereits einige Zahlen. Sie zeigen ein gemischtes, eher verhaltenes Interesse an dem neuen Impfstoff. Für Berlin meldete ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes einen „vielversprechenden Start“. In Hessen und Mecklenburg-Vorpommern hingegen lagen die Terminbuchungen weit unter den vorhandenen Kapazitäten.

Mehrere Landesbehörden rechnen aber damit, dass sich das Interesse durch gezielte Impfaktionen und Aufklärungskampagnen noch steigern lassen wird. Besonders die ab Mitte März geltende Impfpflicht in bestimmten Einrichtungen könnte viele Menschen nun zu einer Impfung bewegen, heißt es.

Wie Sie am besten an einen Impftermin kommen, sehen Sie hier in der Länder-Übersicht.

Novavax-Impfung: So planen die Bundesländer

  • Baden-Württemberg
    Laut Gesundheitsministerium soll der Impfstoff ab dem 25. März bereit stehen. Die Hälfte davon solle für medizinisches Personal reserviert werden, heißt es. Auf der Internetseite „Dranbleiben„ kann man sich über aktuelle Impftermine informieren. Die ersten Impfzentren bieten hier schon eine Impfung mit dem Novavax-Mittel an.
  • Bayern
    In Bayern soll der Novavax-Impfstoff ab der ersten Märzwoche zum Einsatz kommen. Zunächst sollen auch nur Beschäftigte in Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegebereichs mit dem Protein-Impfstoff geimpft werden. Wann Novavax für jeden zugänglich ist, steht noch nicht fest. Bis zu einer Entscheidung könnte es aber noch bis Ende März dauern.
  • Berlin
    In Berlin haben die Novavax-Impfungen am 28. März begonnen. Ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) berichtet von regem Interesse. Rund die Hälfte der 63.000 Impfdosen, die Berlin zunächst erhält, sollen in den städtischen Impfzentren in Tegel und Lichtenberg verimpft werden, die übrigen Dosen gehen an Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken.
  • Brandenburg
    In Brandenburg sollen ab heute die ersten Novavax-Impfungen möglich sein. Rund 42.000 Dosen stehen dem Gesundheitsministerium zufolge bereit, um in Krankenhäusern und Impfstellen verteilt zu werden.
  • Bremen
    Auch in Bremen können sich Menschen ab sofort mit dem Novavax-Impfstoff immunisieren lassen. Personal aus den medizinischen sowie pflegerischen Berufen hat Priorität, die Hälfte des Impfstoffes wird für diese Gruppe reserviert.
  • Hamburg
    In Hamburg können sich Interessierte seit dem 26. März mit dem Impfstoff von Novavax impfen lassen. Alle sollen sich uneingeschränkt für eine Impfung anmelden können, heißt es bei der Hamburger Sozialbehörde. Termine können online gebucht werden. Zudem soll es Impfaktionen ohne vorherige Terminvergabe geben.
  • Hessen
    Auch in Hessen werde „das von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht umfasste Personal“ vorrangig Novavax-Impftermine erhalten, teilte das Sozialministerium mit. Eine Impfung in Arztpraxen wird es aber vorerst nicht geben. Der Impfstart läuft unterschiedlich, eine Übersicht gibt es hier.
  • Mecklenburg-Vorpommern
    In Mecklenburg-Vorpommern steht der Novavax-Impfstoff seit Anfang März allen Menschen zur Verfügung, weil das Interesse des medizinischen Personals zunächst gering war. Der Impfstoff ist in den Impfstellen der Landkreise erhältlich.
  • Niedersachsen
    In Niedersachsen können sich Impfinteressierte telefonisch unter der 0800 9988665 für eine Warteliste anmelden. Zwischen dem 28. Februar und dem 2. März wird dem Impfstoff an die Impfzentren ausgeliefert – die Impfung kann dann sofort beginnen, heißt es auf der Internetseite des Sozialministeriums. Eine Priorisierung soll es nicht geben, dafür aber gezielte Impfaktionen ab dem 6. März.
  • Nordrhein-Westfalen
    Interessierte in Nordrhein-Westfalen können sich ab Ende Februar mit dem Novavax-Impfstoff impfen lassen. Über Terminvergaben und Impf-Orte informieren die Städte und Kreise, wie das Landesgesundheitsministerium schreibt. Der Impfstoff soll vorrangig an Menschen aus dem Gesundheitswesen oder jene mit einer Unverträglichkeit gegenüber mRNA-Impfstoffen verteilt werden.
  • Rheinland-Pfalz
    Menschen in Rheinland-Pfalz konnten sich bereits Ende Januar für eine Novavax-Impfung registrieren, seit dem 28. Februar werden erste Dosen verabreicht. Bisher geschieht das nur in den neuen Impfzentren des Landes, später soll die Impfung auch anderswo möglich sein.
  • Saarland
    Im Saarland können sich Menschen seit dem 26. Februar impfen lassen, und zwar nach einer Terminbuchung auf www.impfen-saarland.de. Über eine Priorisierung ist nichts bekannt. Die Impfungen sind bislang in den vier saarländischen Impfzentren möglich.
  • Sachsen
    In Sachsen wird der Novavax-Impfstoff zunächst nur an Beschäftigte im Gesundheitswesen abgegeben. Die Impfungen haben am 28. Februar begonnen, eine Terminreservierung ist dafür notwendig. Verimpft wird Novavax zunächst in einer Impfstelle pro Stadt und Landkreis, wie das sächsische Sozialministerium mitteilt.
  • Sachsen-Anhalt
    In Sachsen-Anhalt sind ab sofort Novavax-Impfungen möglich – allerdings nicht in allen Landkreisen. Einige Teile des Landes starten erst einige Tage später mit der Impfung. In der Stadt Magdeburg sind außerdem nur Impfungen für medizinisches Personal vorgesehen. In anderen Landesteilen gibt es diese Priorisierung nicht.
  • Schleswig-Holstein
    Schleswig-Holstein beginnt ab morgen mit Novavax-Impfungen. Zunächst sollen nur bestimmte Gruppen geimpft werden: Beschäftigte in Einrichtungen, die der Impfpflicht unterliegen und jene, die sich bisher aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen konnten.
  • Thüringen
    In Thüringen werden Menschen ab dem 28. Februar mit Novavax geimpft. Beschäftigte in Einrichtungen, die der Impfpflicht unterliegen, werden dabei priorisiert. Neben den Impfstellen des Landes bekommen dafür auch die Krankenhäuser rund 3.000 Impfdosen, um etwaige ungeimpfte Mitarbeiter zu impfen.

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Mit Agenturmaterial.

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