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25.01.2022

04:16

Aaron Levie

Wie der CEO des Cloud-Konzerns Box eine aktivistische Attacke abwehrte

Von: Kevin Knitterscheidt

Der US-Investmentfonds Starboard forderte seine Absetzung – doch Box-Gründer Aaron Levie setzte sich durch. Heute steht das Unternehmen besser da denn je.

Wie Box-CEO Aaron Levie eine aktivistische Attacke abwehrte Bloomberg

Aaron Levie

Der Investmentfonds Starboard wollte den Vorstand neu besetzen – doch in einer Abstimmung unter den Aktionären setzte sich der Firmengründer und CEO durch.

San Francisco Wenn Aaron Levie das vergangene Jahr Revue passieren lässt, kann der Vorstandschef des US-Cloud-Konzerns Box auf einige Erfolge zurückblicken. So hat der Digitalisierungsschub infolge der Pandemie dem Unternehmen einen regelrechten Boom beschert: Um 14 Prozent haben die Umsätze im vergangenen dritten Quartal im Vorjahresvergleich zugelegt. Innerhalb von nur einem Jahr ist der Aktienkurs von Box um mehr als die Hälfte auf zuletzt knapp 25 US-Dollar je Anteil gestiegen.

„Wir sind mit unseren Ergebnissen sehr zufrieden“, sagt der Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Geschäft sei zuletzt wesentlich besser gelaufen als in vielen Jahren zuvor. Das habe mit großen Trends wie hybrider Arbeit und verstärkter Digitalisierung in vielen Unternehmen zu tun. „Wir bieten Lösungen an, wie Firmen ihre Informationen und Dokumente über die Cloud verfügbar machen können, um auf neue Arten und Weisen damit zu arbeiten.“

Levies größter Erfolg ist indes, dass er, der das Unternehmen vor fast 20 Jahren aus der Universität heraus gegründet hatte, immer noch auf dem Chefposten sitzt. Denn noch vor vier Monaten hatte der aktivistische US-Investmentfonds Starboard, der zu diesem Zeitpunkt knapp neun Prozent der Anteile gesichert hatte, die Absetzung des 36-Jährigen gefordert – und wollte den Vorstand mithilfe einer Abstimmung unter allen Aktionären durch eigene Kandidaten ersetzen.

Vorausgegangen war der Eskalation ein monatelanger Streit über die Profitabilität des Unternehmens, der recht harmlos begann – und in der Folge immer heftiger auch über öffentliche Briefe des Fonds ausgetragen wurde, bis es schließlich zum Bruch mit dem Management kam. Auch Levie kämpfte mit harten Bandagen – und veröffentlichte etwa die Quartalszahlen früher als geplant, um mit den guten Ergebnissen bei den anderen Aktionären für sich zu werben.

Box-Vorstand fühlt sich im Kurs bestätigt

Mit Erfolg: Die Wahl entschied das aktuelle Management im September schließlich für sich. Und zwar deutlich, wie der Manager betont. „Wir haben uns natürlich sehr über den Ausgang der Abstimmung gefreut“, so Levie. Viele Investoren seien wegen des öffentlichen Schlagabtauschs irritiert gewesen und hätten daher eine schnelle Lösung gefordert. „Wenn man sich unsere vergangenen Quartalszahlen anschaut, fühlen wir uns auch in unserem Kurs bestätigt.“

Der Fonds hingegen zog sich zurück – und begann, sich schrittweise von seinen Anteilen zu trennen. Dabei wies der Konzern in einer Erklärung nach der verlorenen Abstimmung allerdings auch darauf hin, dass institutionelle Stimmrechtsberater wie Glass, Lewis & Co. und Institutional Shareholder Services (ISS) das Engagement von Starboard durchaus positiv bewertet hätten. „Heute ist das Unternehmen deutlich profitabler als vor unserer Beteiligung.“

Auch Levie kann der Auseinandersetzung im Rückblick positive Seiten abgewinnen. So habe Starboard nach dem Einstieg vor mehr als zwei Jahren durchaus viele wertvolle Vorschläge gemacht, die auch umgesetzt wurden. „Differenzen hatten wir vor allem bei der M&A-Strategie und bestimmten Zielen für die Größe des Unternehmens.“ Dieser Streit ist nun zugunsten einer expansiveren Strategie entschieden.

Dabei war die Vehemenz der Einmischung in die Unternehmensführung für den Studienabbrecher auch eine ungewohnte Erfahrung. Denn die Geschichte von Box ist untrennbar mit der des Gründers verbunden. 2004 startete Levie den Dienst gemeinsam mit dem heutigen CFO Dylan Smith als Studienprojekt an der University of Southern California, die er im Jahr darauf verließ, um sich ganz der Unternehmensgründung zu widmen.

Marc Cuban und Salesforce zählen zu den Investoren

Box begann zunächst als Cloud-Speicher für Privatanwender, bei dem Nutzer ihre Dateien gegen eine Gebühr auf den Servern von Box ablegen konnten. Einer der ersten Investoren war der texanische Milliardär Mark Cuban, dem Levie und Smith unbekannterweise eine E-Mail schrieben, woraufhin Cuban 350.000 US-Dollar investierte. Auch die Venture-Capital-Fonds Andreessen Horowitz, Bessemer Venture Partners sowie der SAP-Rivale Salesforce zählen zu den Geldgebern.

Als der Markt in den Jahren ab 2009 mit Konkurrenten wie Dropbox und Wetransfer immer stärker umkämpft wurde, spezialisierte sich Box auf Firmenkunden – und arbeitete daran, Schnittstellen zu weitverbreiteter Business-Software etwa von SAP oder Salesforce zu entwickeln, um seine Cloud besser in die Systeme der Kunden integrieren zu können.

Anfang 2015 ging Box schließlich an die Börse und sammelte dabei 175 Millionen US-Dollar ein, bei einem Eröffnungskurs von 14 US-Dollar. Insgesamt wurde der Konzern dabei mit 1,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Heute kommt das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 3,7 Milliarden US-Dollar – ein Zuwachs von fast 130 Prozent.

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