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28.10.2022

19:07

Amazon, Microsoft, Google

24 Prozent Wachstum: Cloud-Geschäft wird für die Tech-Konzerne zum Lichtblick in der Krise

Von: Christof Kerkmann, Thomas Jahn

Im wichtigen Geschäft mit der Cloud bleiben die Wachstumsraten auf hohem Niveau. Ein Ende des Auftragsbooms scheint nicht in Sicht.

Hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit erschweren den Verkauf von Software und Cloud-Diensten. dpa

Serverschrank

Hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit erschweren den Verkauf von Software und Cloud-Diensten.

Düsseldorf Für die großen US-Tech-Konzerne war es eine Woche des Schreckens. Hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit lassen nicht nur den Online-Werbemarkt und den PC-Absatz einbrechen, sondern erschweren auch den Verkauf von Software. Nach Bekanntgabe enttäuschender Quartalszahlen stürzten die Aktienkurse von Amazon, Microsoft und der Google-Mutter Alphabet zeitweise regelrecht ab; Hunderte Milliarden Dollar Börsenwert wurden vernichtet.

Doch gibt es einen Lichtblick für die Konzerne: die Cloud. Auf Basis der Geschäftszahlen für das dritte Quartal errechnete die Beratungsfirma Snyergy Research die Cloud-Umsätze auf insgesamt 57,5 Milliarden Dollar – 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Die drei Anbieter Amazon, Microsoft und Google dominieren dabei den Markt mit einem Anteil von 72 Prozent.

„Es spricht für das starke Wachstum von Cloud-Computing, wenn der Markt trotz Hindernissen so stark wächst“, sagt John Dinsdale, Chefanalyst von Synergy. Damit spielt der Experte auf den starken Dollar an. Die drei Konzerne agieren weltweit, müssen aber in Dollar bilanzieren. Aufgrund der starken Heimatwährung fallen Umsätze aus Europa oder Japan umgerechnet in Dollar geringer aus.

Amazon, Google und Microsoft profitieren von Milliardeninvestitionen

„Trotz aller Krisen erkennen wir nicht, dass die Aufträge im Cloud-Geschäft nachlassen“, sagt Gregor Pillen, Deutschlandchef von IBM, dem Handelsblatt.

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    Die Anbieter von Cloud-Diensten haben in den vergangenen Jahren üppige Wachstumsraten verzeichnet: Spätestens seit der Coronapandemie investieren viele Unternehmen massiv in die digitale Transformation. Ohne die Dienste, die per Knopfdruck und von überall aus verfügbar sind, geht es nicht.

    Grafik

    „Das Grundprinzip der Cloud ist eine höhere Effizienz“, sagt IBM-Deutschlandchef Pillen. „Die Hardware im Keller wird am Wochenende nicht genutzt. Mit der Cloud spart man Energie und kann Fachkräfte für andere Tätigkeiten einsetzen.“

    Amazon, Microsoft und Google bieten auf ihren Plattformen Speicherplatz, Rechenleistung und zahlreiche zusätzliche Dienste an, mit denen Kunden Apps steuern, Fabriken vernetzen und Daten mit Künstlicher Intelligenz analysieren können.

    Die drei Konzerne profitieren nach wie vor von den massiven Investitionen in die Digitalisierung. Die Dynamik hat in den letzten Monaten allerdings spürbar nachgelassen: Bei allen Unternehmen sind die Wachstumsraten niedriger als noch vor einem Jahr.

    So wuchs die Amazon-Sparte AWS um 27 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar – im Vorjahresquartal waren es noch 37 Prozent. „Die anhaltenden makroökonomischen Unsicherheiten haben dazu geführt, dass sich AWS-Kunden verstärkt auf die Kostenkontrolle konzentrieren“, sagte Amazon-Finanzchef Brian Olsavsky.

    Ähnlich bei Microsoft: Das Segment „Intelligent Cloud“ mit Produkten wie der Bürosoftware Office und der Plattform Azure wuchs um 20 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar, nach 31 Prozent vor einem Jahr. Und Google, die Nummer drei im Markt für Cloud-Infrastruktur, verlor mit einem Wachstum von 37 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar ebenfalls an Tempo.

    Cloud-Boom dürfte anhalten

    Auch bei etlichen Unternehmen, die Software über die Cloud anbieten, läuft das Geschäft schlechter als noch vor einigen Monaten. Salesforce etwa, Marktführer bei Lösungen für Vertrieb und Marketing, senkte den Ausblick, weil sich Vertragsverhandlungen mit den Kunden länger ziehen.

    Es ist allerdings eine Frage der Maßstäbe. In vielen Wirtschaftsbereichen würden sich Unternehmen über deutlich zweistellige Wachstumsraten freuen, zumal in einem Geschäft dieser Größe. Durch den außerordentlichen Boom der vergangenen zehn Jahre sind die Erwartungen an die Cloud-Dienstleister jedoch hochgesteckt.

    Kurzfristig mögen die Aktionäre enttäuscht sein, mittel- und langfristig dürften sie aber weiter vom Cloud-Boom profitieren. „Die IT-Ausgaben der Unternehmen sind rezessionssicher, da CEOs und CFOs die Ausgaben für digitale Geschäftsinitiativen erhöhen, statt die IT-Budgets zu kürzen“, sagt John-David Lovelock, Analyst beim Marktforscher Gartner.

    IBM-Deutschlandchef Pillen sieht aber eine Verlagerung: „In den Digitalbudgets der Unternehmen ist eine Umschichtung zu erkennen, Muss-Themen wie Compliance oder Cybersecurity bekommen mehr Aufmerksamkeit.“

    Auch im Fokus: mithilfe digitaler Technologien neue Produkte und Dienste einführen und die Effizienz steigern. Davon profitiert beispielsweise SAP. Die Betriebswirtschaftssoftware des Dax-Konzerns ermöglicht die Automatisierung von Prozessen.

    Der Verkauf großer IT-Projekte sei in der Krise zwar anspruchsvoll, sagte Vorstandschef Christian Klein dem Handelsblatt. „Unser Vorteil ist: Wir unterstützen die Kunden beim Umgang mit den dringendsten Anforderungen“ – etwa der Prozessautomatisierung. Das Cloud-Geschäft wuchs nicht zuletzt deswegen stärker als am Kapitalmarkt erwartet.

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