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05.08.2022

04:00

Autobauer

Tesla-Aktionäre stimmen für weiteren Aktiensplit – Elon Musk kündigt eine neue Fabrik an

Von: Felix Holtermann

Elon Musk lässt sich auf der Jahreshauptversammlung feiern. Ein Aktiensplit soll das Papier beliebter machen. Und noch 2022 soll der Standort einer neuen Fabrik enthüllt werden.

Die meisten angereisten Aktionäre gaben sich als ausgewiesene Fans des Unternehmens und des Tesla-Chefs zu erkennen. Screenshot Youtube

Elon Musk auf dem Podium

Die meisten angereisten Aktionäre gaben sich als ausgewiesene Fans des Unternehmens und des Tesla-Chefs zu erkennen.

New York Die Aktionäre des Autoherstellers Tesla haben den Weg freigemacht für den zweiten Aktiensplit innerhalb von rund zwei Jahren. Das ist das Ergebnis der vorläufigen Stimmenauszählung am Donnerstagabend Ortszeit.

Die Hauptversammlung fand auf dem Gelände der Gigafactory Texas statt, die im Frühjahr eröffnet worden ist. Die meisten Aktionäre stimmten digital ab, nur eine kleine Anzahl, ausgewählt im Losverfahren, war persönlich nach Austin gekommen.

Tesla plant einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3. Dieser soll Mitarbeitern und Kleinaktionären ein Investment erleichtern. Der Aktienkurs hat sich in den letzten zwei Jahren in etwa verdreifacht auf zuletzt 925 Dollar.

Die Wall Street reagierte im nachbörslichen Handel kaum auf die Entscheidung, die Aktie lag leicht im Plus. Die Entscheidung hat keine Auswirkungen auf den Marktwert des Konzerns. Neben Tesla haben 2022 bereits die Google-Mutter Alphabet und der Onlinehändler Amazon Aktiensplits angekündigt. Bei Tesla fand der letzte Split im vergangenen August statt.

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Standort erkennen

    Insgesamt standen 13 Entscheidungsvorlagen zur Abstimmung. Investoren forderten Tesla darin unter anderem auf, stärker gegen Diskriminierung und Rassismus im Konzern vorzugehen oder den Wasserverbrauch der Werke kritisch zu untersuchen. Der Vorstand empfahl bei allen von Aktionären eingebrachten Initiativen die Ablehnung – und setzte sich mit seinen Beschlussempfehlungen in der Abstimmung größtenteils durch.

    Zuletzt war der Konzern von kalifornischen und bundesstaatlichen Aufsichtsbehörden unter anderem wegen möglicher Diskriminierung und Belästigung in seinem Stammwerk in Fremont unter Beschuss geraten. Der Mitbegründer von Oracle, Larry Ellison, stellte sich nicht zur Wiederwahl, womit der Verwaltungsrat von acht auf sieben Mitglieder schrumpfen wird.

    Neue Fabrik angekündigt

    Die Versammlung fand, Tesla-typisch, in gelöster Atmosphäre statt. Die meisten angereisten Aktionäre gaben sich als ausgewiesene Fans des Unternehmens und seines Chefs, Elon Musk, zu erkennen. Kritische Stimmen waren nur vereinzelt zu hören. Musk erhielt bei seinem Vortrag regelmäßigen Beifall.

    Zur guten Stimmung mag auch der jüngste Kursanstieg bei Tesla beigetragen haben: Auf Monatssicht liegt die Aktie nach starken Quartalszahlen 32 Prozent im Plus – auch wenn seit Jahresbeginn immer noch ein Minus von 22 Prozent zu verzeichnen ist.

    Musk sorgte auf der Jahreshauptversammlung zudem mit neuen Plänen für Aufsehen. So kündigte Musk den Bau einer weiteren Fabrik an, deren Standort voraussichtlich zum Jahresende enthüllt werde. Das Stammwerk im kalifornischen Fremont platze aus allen Nähten.

    Zudem stellte er eine weitere Expansion in Aussicht. In einigen Jahren könnte Tesla zwölf Fabriken betreiben, erklärte Musk, was weitere neue Standorte nötig macht. Auch wolle man die Produktion weiter steigern. Aktuell sei man stolz, drei Millionen Teslas produziert zu haben. „Hättet ihr euch das vor zehn Jahren vorstellen können, als wir 3.000 Autos produziert hatten?“, fragte Musk. So werde es exponentiell weitergehen. In zehn Jahren sei es möglich, dass bei Tesla 100 Millionen Fahrzeuge vom Band gelaufen sind.

    Jedes Mal, wenn die anderen für Elektroautos werben, steigen unsere Bestellungen. Elon Musk über die Konkurrenz

    Vorbild für die neuen Fabriken ist das Werk in Shanghai: „Das Team dort macht eine großartige Arbeit“, lobte Musk. Aber auch in Texas und in Berlin arbeiteten die Angestellten hart. Vor allem in Austin verzögerte sich der Produktionshochlauf zuletzt erheblich.

    Neuigkeiten zum Supercharger genannten Ladenetz des Konzerns kündigte Musk ebenfalls an, ohne ins Detail zu gehen. An der Wall Street wird seit längerem spekuliert, dass Tesla sein Netz an Schnellladesäulen für andere Hersteller öffnen könnte. Weitere Ankündigungen würden auf dem anstehenden KI-Tag Ende September gemacht, so Musk.

    Auf die Konkurrenz erlaubte sich der Milliardär einige Seitenhiebe: „Jedes Mal, wenn die anderen für Elektroautos werben, steigen unsere Bestellungen“, scherzte er.

    Die kommende Rezession werde kurz ausfallen, prognostizierte Musk im Frage-und-Antwort-Teil der Hauptversammlung, und „vielleicht 18 Monate lang“ dauern. Die Inflation mache Preisanpassungen beim kommenden Cybertruck nötig, werde jedoch deutlich sinken, so seine Vermutung.

    Wenig Kritik bei den Themen Autopilot und Twitter

    Wenig Neues gab es beim wichtigen Thema Autopiloten. Musk wirkte selbst nicht mehr so, als meine er es ganz ernst, als er das vollständige autonome Fahren erneut „bis zum Ende des Jahres“ ankündigte. Der Milliardär hat das wiederholt versprochen, Tesla hat das Ziel jedoch regelmäßig verfehlt. Zuletzt verließ ein wichtiger Manager die Unternehmenssparte. Musk erklärte am Donnerstagabend, es werde bald weitere Updates für das System inklusive neuer Funktionen geben.

    Teslas Konzept für das autonome Fahren nutzt anders als die Konkurrenz keine Radar- und Lasersensoren, sondern ausschließlich Kameras. Deren Bilder werden durch KI ausgewertet. Dadurch spart Tesla zwar teure Lidar-Sensoren ein, Musk glaubt an den Ansatz. Doch bislang kann die KI die vielen Sensoren und Systeme der Konkurrenz nicht zuverlässig ersetzen. Auch der Aufsicht ist das Vorgehen ein Dorn im Auge.

    Eines der wichtigsten Themen der vergangene Monate, das den Tesla-Aktienkurs stark belastete hatte, spielte erstaunlicherweise kaum eine Rolle: die von Musk erst angekündigte und dann eingefrorene 44 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Twitter.

    Der Streit mit dem Kurzmitteilungsdienst weitet sich immer weiter aus: Während Musk den Kauf abblasen will, beharrt der Twitter-Vorstand auf dem Deal. Nun muss ein Gericht in Delaware entscheiden. Wie am Donnerstagabend durch einen Bericht des Magazins „Insider“ bekannt wurde, enthält eine von Musk eingereichte 164-seitige Gegenklage gegen Twitter zahlreiche Anschuldigungen gegen das Unternehmen, darunter falsche Angaben zur Zahl der Fake-Accounts.

    Ich nutze das Produkt sehr viel und ich hätte gewusst, was man verändern müsste. Elon Musk über Twitter

    Trotz der weiteren Eskalation des Rechtsstreits wurde der Twitter-Komplex am Donnerstagabend kaum thematisiert. Erst auf Investorennachfrage äußerte sich Musk: Twitter sei neben Tesla die einzige öffentlich gehandelte Firma, an der er beteiligt sei. „Ich nutze das Produkt sehr viel und ich hätte gewusst, was man verändern müsste.“

    Das Publikum antwortete – wie so oft – mit Beifall, statt mit kritischem Nachhaken. Ein Aktionär gab sich als „großer Fan“ zu erkennen und kritisierte die Medien für ihren Umgang mit Musk. Ein junger Soldat bot sich als „Space-Marine“ für Musks künftige Marsbasis an. Und ein anderer Anteilseigner richtete Grüße von seiner sechsjährigen Tochter aus, auch diese ein Musk-Fan: „Danke, dass du die Welt zu einem besseren Ort machst.“

    „Danke für eure Unterstützung. Ich glaube, Tesla wird die wertvollste Firma der Welt sein“, strahlte der Milliardär, bevor er von der Bühne verschwand. Mag der Gegenwind an der Wall Street auch noch so groß sein – auf den Beistand vieler Kleinaktionäre kann Musk weiterhin zählen.

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