Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

15.08.2022

18:54

Autoindustrie

Regierung verfolgt aggressiven Ausbauplan: Volkswagens Elektro-Pläne im indischen Markt

Von: Roman Tyborski

VW wird Elektro-SUVs des indischen Autoherstellers Mahindra mit Bauteilen aus der eigenen MEB-Plattform beliefern. Geprüft wird auch eine gemeinsame Zellfertigung in Indien.

Komponenten der ID-Reihe kommen auch in Fahrzeugen des indischen Herstellers Mahindra zum Einsatz. IMAGO/Kirchner-Media

VW-Produktion

Komponenten der ID-Reihe kommen auch in Fahrzeugen des indischen Herstellers Mahindra zum Einsatz.

Düsseldorf Volkswagen vertieft die Zusammenarbeit mit dem indischen Autohersteller Mahindra. In Großbritannien unterzeichneten die Unternehmen einen Vertrag, der vorsieht, dass Volkswagen Mahindras neue SUV-Reihe mit Elektrokomponenten beliefert.

Dazu zählen unter anderem der elektrische Antriebsstrang, das Batteriesystem und die Einheitsbatteriezelle, die in Volkswagens aktueller MEB-Baureihe zum Einsatz kommen. Zu den Fahrzeugen der Baureihe zählen unter anderem die vollelektrischen ID-Modelle.

Bis Ende 2022 soll das verbindliche Lieferabkommen finalisiert werden. Die ersten Komponenten sollen ab 2024 geliefert werden. Zu den Konditionen des Vertrags machen die Unternehmen keine Angaben.

Angestrebt werde ein Volumen von mehr als einer Million Einheiten über die Laufzeit einer Fahrzeuggeneration und die Belieferung von fünf elektrischen SUV-Modellen mit MEB-Komponenten, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Bereits im Mai hatten sich Volkswagen und Mahindra vertraglich geeinigt, eine Zusammenarbeit bei der Belieferung von MEB-Komponenten zu prüfen. Neben dem indischen Konzern setzt auch der US-Autobauer Ford auf Komponenten der MEB-Baureihe.

    Thomas Schmall, Technikvorstand bei Volkswagen und Chef der Komponentenabteilung, sieht große Chancen im indischen Markt: „Gemeinsam können Volkswagen und Mahindra maßgeblich zur Elektrifizierung Indiens beitragen, eines riesigen Automobilmarkts mit ambitionierten Klimaschutzzielen.“

    Zwar sehe es aktuell noch nicht danach aus, als würde die Elektrifizierung in Indien stark voranschreiten. Doch laut Schmall verfolgt die Regierung einen aggressiven Ausbauplan. So würden Prognosen zufolge ab 2030 jährlich rund vier Millionen Fahrzeuge in Indien zugelassen, etwa die Hälfte rein elektrisch.

    Die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Mahindra könnte weiter ausgebaut werden. Die Unternehmen prüfen langfristig die Ansiedlung einer Zellfertigung in Indien. Laut Schmall müsste dafür der Bedarf von mindestens 20 Gigawattstunden vorhanden sein, damit sich ein solches Zellwerk wirtschaftlich lohnt.

    Starke Abhängigkeit von China

    In Indien werden bislang jährlich rund drei Millionen Neufahrzeuge abgesetzt. Damit zählt der Subkontinent zu den fünf größten Automärkten der Welt. In einem weltweit rückläufigen Pkw-Absatzmarkt sind nur dort und in China die Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2022 gestiegen.

    Doch trotz dieser Entwicklung und der hohen Einwohnerzahl ist der indische Markt für die Autobranche bislang nicht mehr als ein Hoffnungswert. Im Gegensatz zu China, wo vor allem deutsche Autohersteller große Teile ihres Jahresumsatzes erwirtschaften, spielt Indien noch keine Rolle.

    Die starken China-Engagements von Volkswagen, Mercedes und BMW stehen allerdings nach der russischen Invasion in die Ukraine, den politischen Spannungen zwischen den USA und China sowie den Menschenrechtsverstößen im chinesischen Xinjiang in der Kritik und bergen langfristig wirtschaftliche Risiken.

    Die Autobauer sind langfristig darauf angewiesen, ihre Umsätze in anderen Märkten auszubauen. VW etwa versucht sich weiter am bisher nicht ausgereizten US-Markt. Das verstärkte Engagement in Indien dürfte dabei Teil der strategischen Überlegungen sein, speziell im asiatischen Markt die Abhängigkeit von China zu verringern. Bislang ist die Volksrepublik insgesamt alternativlos: Volkswagen verkauft rund 40 Prozent seiner weltweit produzierten Fahrzeuge dort.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×