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31.10.2022

16:00

Automatisierung

Industrielles Metaverse: „Wir müssen die Maschinen viel schneller umprogrammieren“

Von: Axel Höpner

Die Gründer von SDA wollen die Produktivität in den Fabriken erhöhen und haben neue Geldgeber gefunden. Doch auch etablierte Spieler könnten in die Nische drängen.

SDA hat eine Plattform zwischen Fabrik und Cloud entwickelt, an die Maschinen und Applikationen der etablierten Anbieter andocken können. Software Defined Automation

Digitalisierte Fabrik

SDA hat eine Plattform zwischen Fabrik und Cloud entwickelt, an die Maschinen und Applikationen der etablierten Anbieter andocken können.

München Das industrielle Metaverse ist für viele Unternehmen gerade das große Zukunftsthema. Mit Hilfe von digitalen Zwillingen lassen sich etwa die Abläufe in den Fabriken virtuell abbilden und mit Hilfe von Simulationen optimieren. All die Erkenntnisse aus der Cloud dann rasch umzusetzen, ist jedoch oft schwierig.

„Bei einem kleinen Modellwechsel stehen Autofabriken noch immer zweieinhalb Tage still, bis alle Maschinen umprogrammiert sind“, sagt Josef Waltl, Chef und Mitgründer von Software Defined Automation (SDA). „Wir müssen die Maschinen viel schneller und zuverlässiger umprogrammieren.“

Oft seien noch immer Automatisierungstechniker – von denen es viel zu wenige gebe – mit Laptops in den Werkshallen unterwegs und führten Updates direkt am Schaltschrank durch. Auf der letzten Meile in den Fabriken gebe es noch immer hohen Digitalisierungsbedarf.

Henkel ist erster großer Pilotkunde von SDA

Um die Steuerungen der Maschinen rascher und einfacher konfigurieren zu können, hat SDA eine Plattform zwischen Fabrik und Cloud entwickelt, an die Maschinen und Applikationen der etablierten Anbieter andocken können. „Wir machen die Abläufe in automatisierten Fabriken komplett flexibel und in Minuten adaptierbar“, sagt Mitgründer Axel Scheurer.

Das Unternehmen nennt den Ansatz, mit dem es seine Lösungen vertreibt, „Industrial Control as a Service“. Die Kunden zahlen also eine regelmäßige Gebühr für die Nutzung. Mit dem Persil-Hersteller Henkel, der die Technologie in seinen Fabriken einsetzt, hat SDA einen ersten großen Pilotkunden gewonnen.

Nun haben sie auch in der ersten größeren Finanzierungsrunde Investoren überzeugt. Das Start-up aus Garching bei München sammelte zehn Millionen Dollar ein. Der Großteil davon stammt vom Leadinvestor Insight Partners. Mit dabei sind auch Baukunst VC, Fly Ventures und First Momentum, das auch schon bei einer kleineren Runde Ende des vergangenen Jahres investiert hatte.

Die SDA-Gründer haben jetzt auch in ihrer ersten größeren Finanzierungsrunde Investoren überzeugt. Software Defined Automation

Axel Scheurer (links) und Josef Waltl

Die SDA-Gründer haben jetzt auch in ihrer ersten größeren Finanzierungsrunde Investoren überzeugt.

Der potenzielle Markt ist groß, glauben die Gründer. „Wenn wir von allen Steuerungen auf der Welt nur ein halbes Prozent anbinden würden, hätten wir eine gute Chance auf die Milliardenbewertung eines Unicorns“, sagt Waltl. Mittelfristig seien Millionenumsätze das Ziel. Wenn man sich am Markt durchsetze, sei noch deutlich mehr drin. „Wir besetzen eine Nische, in der wir bislang allein sind.“ Das Kundeninteresse sei groß.

Die Produktivität in den Fabriken sei trotz des Siegeszugs des Internets der Dinge in den vergangenen Jahren längst nicht so stark gestiegen wie versprochen. „Es gibt ein Umsetzungsproblem auf den letzten Metern in der Fabrikhalle – und das wollen wir beheben“, sagt Waltl.

Dabei sieht sich das Unternehmen nicht als Konkurrenz zu Automatisierungsspezialisten wie Siemens oder Rockwell, sondern als Ergänzung. Bei der Digitalisierung der Industrie hat sich gezeigt, dass geschlossene Systeme nicht funktionierten. Und so kooperiert jeder mit jedem.

Allerdings ist noch nicht ausgemacht, wer sich am Ende die größten Teile der Wertschöpfung sichert. So könnte auch zum Beispiel Siemens Lösungen für die einfachere Maschinensteuerung auf den Markt bringen. Ziel der Industrie 4.0 sei es, möglichst kleine Stückzahlen automatisiert herzustellen, sagt ein hochrangiger Siemens-Manager. Dies erfordere eine einfache Umprogrammierbarkeit der Maschinen.

Gut möglich also, dass Siemens und andere Konkurrenten eigene Lösungen entwickeln. „Wir schätzen, dass wir technologisch etwa anderthalb Jahre Vorsprung in der Anbindung von Steuerungen verschiedener Anbieter haben“, sagt SDA-Mitgründer Waltl. Mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde solle die Technologie weiter entwickelt werden.

Die Gründer von SDA haben den Vorteil, dass sie die Thematik von vielen Seiten kennen. Beide haben früher für Siemens gearbeitet, Waltl zudem bei den großen Cloud-Playern Microsoft und AWS.

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