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06.12.2022

23:29

Autonomes Fahren

Das Apple Car kommt wohl nicht vor 2026 – und ohne echten Autopiloten

Von: Felix Holtermann

Apple verschiebt die Markteinführung seines geplanten Elektroautos laut einem Bericht auf 2026. Das Design soll weniger ehrgeizig ausfallen: So gibt es weiterhin Pedale und Lenkrad.

Apple stellt seine Ziele bei selbstfahrenden Autos etwas zurück. dpa

Apple-Logo in Autospiegel

Apple stellt seine Ziele bei selbstfahrenden Autos etwas zurück.

New York Apple schraubt einem Medienbericht zufolge seine Ziele bei der Entwicklung von selbstfahrenden Elektroautos zurück. Der iPhone-Hersteller verschiebe zudem die geplante Markteinführung der Fahrzeuge auf 2026, berichtete die Agentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf Insider.

Apple plane nun mit einem weniger ehrgeizigen Design, das herkömmliche Lenkrad und Pedale haben werde. Das Fahrzeug solle über autonome Fahrfunktionen verfügen, die auf Fernstraßen funktionierten. Es werde jedoch nicht in der Lage sein, jederzeit völlig selbstständig zu fahren.

Apple wollte ursprünglich ein selbstfahrendes E-Auto ohne Lenkrad und Pedale entwickeln. Im vergangenen Jahr wurde berichtet, dass Apple bereits 2025 das erste selbstfahrende Elektroauto auf den Markt bringen wolle. Dies ist nun hinfällig.

Dass nun auch Apple mit der Autopilot-Funktion hadert, passt ins Bild. Das selbstfahrende Auto ist so etwas wie der heilige Gral der Autoindustrie und noch vor der E-Mobilität die wichtigste Zukunftstechnik. Doch den Königsweg zum autonomen Fahren hat noch kein Hersteller gefunden.

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    Elektropionier Tesla setzt auf einen speziellen Ansatz, der im Unterschied zur Konkurrenz nur mit Kameras auskommt. Deren Bilder werden durch Künstliche Intelligenz ausgewertet und interpretiert. Alle anderen Konkurrenten, darunter Mercedes-Benz, Ford und der Fahrdienstleister Waymo von Google, setzen auf zusätzliche Radar- und Lasersensoren.

    Problematischer Autopilot

    Teslas Autopilot entspricht am ehesten einem Level-2-System, also einem System, das den Fahrer nur unterstützt. Was Tesla jedoch nicht daran hindert, den Autopiloten als „Full Self-Driving“ zu vermarkten.

    Der Aufsicht ist das ein Dorn im Auge: Im August 2021 hat die US-Straßenverkehrsbehörde NHTSA nach rund einem Dutzend Unfällen eine Untersuchung des Autopiloten in 765.000 Tesla-Fahrzeugen eingeleitet. Elon Musk verspricht zwar seit Jahren den vollständigen Durchbruch des Autopiloten „in diesem Jahr“. Doch zuletzt klang der Tesla-Chef erstmals ernüchtert.

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    Im Oktober hatte außerdem das Ende von Argo AI für Aufsehen gesorgt: Ford und Volkswagen beerdigten ihr Autopilot-Joint-Venture und begründeten das unter anderem mit ausbleibenden Fortschritten beim Autopiloten, einem Level-4-System.

    Ein ausgereiftes Level-3-System, das etwa im Stau auf der Autobahn autonom fährt, hat bisher nur Mercedes-Benz zu bieten. Die Stuttgarter erwarten die Zulassung in den ersten US-Bundesstaaten für Anfang 2023.

    Strategiewechsel bei Apple

    Das Apple Car, intern „Projekt Titan“ genannt, hat zahlreiche Strategieschwenks hinter sich. Das Auto soll für den Konzern ein neuer Umsatzbringer sein. Vor zehn Jahren wurde mit der Entwicklung begonnen – im Geheimen und unter wechselnden Leitern. Der derzeitige Projektchef Kevin Lynch hat sich zum Ziel gesetzt, für mehr Stabilität zu sorgen und sich auf erreichbare Ziele zu konzentrieren.

    Mit dem Abschied von einem vollautonomen Auto und dem Entscheid zur Konzeption eines klassischeren Fahrzeugs passt sich Apple nun den technologischen Restriktionen an. Eine Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.

    Lynch, der auch für das Betriebssystem der Apple Watch und die Apple-Gesundheitssoftware zuständig ist, hat die Position Ende 2021 übernommen. Das Herzstück des Apple Car soll ein leistungsfähiger Bordcomputer darstellen, Codename „Denali“. Hinzu kommt eine Sensorphalanx. Der nötige Prozessor ist laut Bloomberg nahezu produktionsreif. Geplant sei zudem eine Anbindung an die Cloud von Amazon Web Services.

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    In der Prüfung seien zudem eine Fernsteuerung des Wagens und das Angebot eigener Versicherungsdienstleistungen. Das Design steht demnach noch nicht fest und soll erst 2024 definiert werden. Auch der Preis bei einer eventuellen Markteinführung ist noch offen: Möglich sei ein Preis von unter 100.000 Dollar, berichten Insider. Damit läge das Fahrzeug etwa in der gleichen Preisklasse wie das Model S von Tesla und der EQS von Mercedes-Benz.

    Rund eine Milliarde Dollar soll Apple jährlich in das Autoprojekt investieren. Rund 1000 Mitarbeiter in den USA, Kanada und der Schweiz arbeiten am Apple Car. Testläufe werden auf einer ehemaligen Chrysler-Strecke außerhalb von Phoenix durchgeführt. Wie in der Vergangenheit berichtet, hat Apple wiederholt Gespräche mit potenziellen Zulieferern und Partnern über die Lieferung einer Elektroautoplattform geführt. Die einzigen ernsthaften Verhandlungen fanden vor Jahren mit Volkswagen statt.

    Die Apple-Aktie gab im späten US-Handel um 2,4 Prozent nach. Auch der Leitindex der Tech-Börse Nasdaq fiel in dieser Größenordnung.

    Mit Agenturmaterial.

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