Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

01.07.2022

18:30

Carplay

Apples Auto-Software will Bezahlung an Tankstelle übernehmen

Von: Stephan Scheuer

Carplay bekommt eine Funktion, die ein echter Wettbewerbsvorteil sein könnte. Das ist deutschen Herstellern nicht ganz geheuer – obwohl die als Apples Partner auftreten.

Apple-Managerin Emily Schubert stellt die neuesten Erweiterungen von Carplay vor. Apple Inc/Shutterstock

Apple Carplay

Apple-Managerin Emily Schubert stellt die neuesten Erweiterungen von Carplay vor.

San Francisco Der iPhone-Konzern Apple will mit seiner Software für Autos noch mehr Services anbieten. Nach einem für das kommende Jahr angekündigten Update des Systems können über Carplay auch Tankfüllungen bezahlt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Die US-Tankkette Sinclair kündigte an, die neue Technik unterstützen zu wollen. „Wir sind begeistert von der Idee, dass Verbraucher über den Navigationsbildschirm ihres Fahrzeugs zu einer Sinclair-Tankstelle navigieren und dort Kraftstoff kaufen können“, sagte Jack Barger, Senior Vice President of Marketing des Unternehmens.

Apple hatte den grundsätzlichen Ausbau seines Schnittstellensystems für Autos Anfang des Monats auf seiner Entwicklerkonferenz angekündigt. Dabei hat der Konzern 14 Marken aus der Automobilindustrie als Partner benannt, darunter Mercedes, Audi und Porsche. Mercedes-Chef Ola Källenius sprach aber im Nachgang davon, dass es noch Klärungsbedarf gebe. VW-Chef Herbert Diess hatte zuletzt die Bedeutung selbst entwickelter Softwarelösungen betont, um nicht auf die reine Fahrzeugproduktion reduziert zu werden.

Genau das sei eine reale Gefahr, urteilte Chris Schreiner von der Unternehmensberatung Strategy Analytics. Neben Apple weite auch Google seinen Fokus auf Lösungen für Fahrzeuge aus. „Im Auto wird der Wettkampf von Apple und Google ausgetragen. Dabei gewinnen beide“, sagte Schreiner.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Wettkampf um den direkten Kontakt zu den Kunden sei aber noch nicht entschieden, meinte Schreiner: „Die Kunden wollen das, was für sie am besten funktioniert. Das muss nicht unbedingt Apple oder Android sein, aber im Moment sind es diese Systeme, die den einfachsten Zugang zu den Medien und Funktionen bieten, die die Verbraucher wünschen.“

    Google bei der Navigation überlegen

    Die Autobauer drohen aber, in dem offenen Rennen abgehängt zu werden. Ein ranghoher Manager eines deutschen Autobauers sagte dem Handelsblatt: „Unsere Systeme sind einfach nicht gut genug. Die Erfahrung mit Lösungen von Apple und Google sind einfach besser.“ Etwa bei Lösungen für Routennavigation sei Google mit der Anwendung Maps global führend. Trotz Milliardensummen, die deutsche Autobauer in den Kartendienst Here investiert hätten, sei die Lösung von Google in der Praxis überlegen.

    Bedenken dieser Art werden nicht kleiner, wenn Apple jetzt auch noch Alltagsroutinen wie die Tankabrechnung auf seine eigenen Systeme zieht und etwas bietet, was die Hersteller gerne selbst anbieten würden – samt der damit verbundenen Datenerhebung.

    Bisher konnte Carplay vor allem die Inhalte vom iPhone auf den Bildschirm im Auto übertragen. In Zukunft sollen Fahrer über das System auch Funktionen des Autos wie zum Beispiel die Klimaanlage steuern können. Dabei soll Apple Carplay auch Zugriff auf wesentliche Daten des Autos haben: In einer Demonstration der überarbeiteten Software spielte das System auch den Tankstand, die Geschwindigkeit und die Umdrehungen aus. Auf einem weiteren Display wurden das Navigationssystem und Informationen über die Temperatur im Fahrzeug angezeigt.

    Es werde eine „tiefe Integration mit der Hardware des Autos“ geben, kündigte die zuständige Apple-Managerin Emily Schubert an. Sensordaten aus dem Fahrzeug könnten dann in Echtzeit ausgelesen werden. Das sei nur ein Vorgeschmack auf die umfangreichen Funktionen des neuen Carplay-Systems. Hier dürfte der Klärungsbedarf der Hersteller ansetzen, den Mercedes-Chef Källenius angesprochen hat.

    Denn gerade Premiummarken hätten die Chance, sich mit eigenen Systemen abzuheben, sagte Schreiner: „Wenn ich einen BMW, Mercedes, Tesla oder eine andere Premiummarke besitze, möchte ich auch bei der Software diese Markenumgebung nicht verlassen. Vor allem, wenn die Systeme genauso gut oder besser sein sollten als die von Apple und Google.“

    Im Gegensatz zu Apple besitzt Google nicht nur ein System, das vor allem Inhalte vom Bildschirm des Smartphones an das Fahrzeug überträgt. Mit Android Automotive bietet der Suchmaschinenbetreiber ein vollwertiges Betriebssystem für Fahrzeuge an, das alle kritischen Funktionen auswerten und steuern kann. Die chinesische Automarke Polestar gehört zu den ersten Autoherstellern, die das System in ihren Fahrzeugen nutzen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×