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18.11.2022

07:27

Chaos beim Kurznachrichtendienst

80-Stunden-Woche und strenge Büropflicht: Twitter-Mitarbeiter flüchten vor Elon Musk

Von: Stephan Scheuer

Der reichste Mensch stürzt Twitter ins Chaos. Nach einem Ultimatum verließen Hunderte den Kurznachrichtendienst. Die verbliebenen Mitarbeiter warnen vor massiven Ausfällen.

Beim Kurznachrichtendienst gehen offenbar viele Mitarbeiter nach einem Ultimatum freiwillig. AP

Twitter-Zentrale in San Francisco

Beim Kurznachrichtendienst gehen offenbar viele Mitarbeiter nach einem Ultimatum freiwillig.

San Francisco Ein Ultimatum von Elon Musk an die Mitarbeitenden bei Twitter hat zu massiven Abgängen von Fachkräften geführt. Der neue Twitter-Chef hatte das Personal aufgefordert, sich auf extreme Arbeitsbelastungen einzulassen oder die Firma zu verlassen. Dutzende Mitarbeitende gaben am Donnerstag bekannt, sich für einen Abgang entschieden zu haben.

Die Zahl der Kündigungen soll sich auf mehrere Hundert summieren, berichteten unter anderem das US-Portal „The Verge“ und die Zeitung „Washington Post“.

Etliche Mitarbeitende berichteten öffentlich davon, dass sie nicht länger für Musk arbeiten wollten. Mehrere Mitarbeitende schrieben auf Twitter, dass ganze Teams sich geschlossen für den Abschied vom Kurznachrichtendienst entschieden hätten und dass Twitter vor massiven Ausfällen stehen werde.

Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass die Twitter-Büros bis Montag für alle Beschäftigten geschlossen waren. Elon Musk hatte nach dem 44 Milliarden Dollar teuren Kauf von Twitter bereits mehr als jeden zweiten Mitarbeitenden der ursprünglich 7500 Angestellten entlassen. Laut Firmenkreisen wurde das verbleibende Personal auf rund 3500 Personen geschätzt. Die „Washington Post“ berichtete, dass nur noch zwischen 2000 und 2500 Mitarbeitende nach den jüngsten Abgängen übrig seien.

Der Multi-Milliardär versuchte zu beruhigen. „Die besten Leute bleiben, also mache ich mir keine großen Sorgen“, schrieb Musk auf Twitter. Außerdem schrieb er, die Plattform habe einen neuen Allzeitrekord bei Zugriffen erreicht.

Musk hatte zuletzt etliche Regeln der Arbeit bei Twitter geändert. Er hatte unter anderem die bestehenden Möglichkeiten zur Arbeit im Homeoffice abgeschafft und eine strenge Büropflicht angekündigt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, Musk habe den Mitarbeitenden angekündigt, sie sollten sich auf eine Arbeitsbelastung von 80 Stunden und mehr pro Woche einstellen.

Formular mit nur einer Antwortmöglichkeit: „Ja“ oder Entlassung

Ihnen wurde dafür per Google-Formular eine Frist bis Donnerstag um 17 Uhr (Ortszeit San Francisco) gesetzt. Das Formular enthielt nur eine mögliche Antwort: „Ja“. Jedem, der die Bedingungen zum Ablauf der Frist nicht akzeptiert, wurde mitgeteilt, dass er mit drei Monatsgehältern als Entlassungsgeld aus dem Unternehmen ausscheiden würde.

Musk schrieb in der E-Mail laut AP, er plane einen Durchbruch zu einem „Twitter 2.0“, das extrem auf das Wesentliche beschränkt sein müsse und im Kern ein Software- und Server-Unternehmen sein werde. Spezialisten, die „großartigen Code“ schreiben, würden den größten Teil des Teams stellen.

Elon Musk lenkte offenbar ein

Angesichts der drohenden Massenabgänge bei Twitter habe Musk zuletzt seinen Kurs jedoch geändert, berichtete Bloomberg. Demnach habe Musk in Treffen mit führenden Mitarbeitenden dafür geworben, sie im Unternehmen zu halten. Zudem habe er in einer E-Mail die Büropflicht entschärft und neue Möglichkeiten eingeräumt, doch von zu Hause aus arbeiten zu können.

Kurznachrichtendienst

Nach Ultimatum von Elon Musk: Viele Mitarbeiter verlassen Twitter

Kurznachrichtendienst: Nach Ultimatum von Elon Musk: Viele Mitarbeiter verlassen Twitter

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Bloomberg zitierte aus einer Mail an die Belegschaft: „Alles, was für die Genehmigung erforderlich ist, ist, dass Ihr Vorgesetzter die Verantwortung dafür übernimmt, dass Sie einen exzellenten Beitrag leisten“, schrieb Musk demnach und fügte hinzu, dass Mitarbeiter nicht weniger als einmal pro Monat persönliche Treffen mit ihren Kollegen haben sollten.

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