Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2023

13:34

Chipausrüster

Europas wertvollster Tech-Konzern ASML verspricht rasantes Wachstum

Von: Joachim Hofer

Der Chipausrüster ASML kann längst nicht so viel liefern, wie die Kunden bestellen. Eine Unsicherheit aber lastet auf dem Konzern.

Europas wertvollster Tech-Konzern rechnet mit 25 Prozent Umsatzplus dieses Jahr. Reuters

ASML

Europas wertvollster Tech-Konzern rechnet mit 25 Prozent Umsatzplus dieses Jahr.

München Bestellungen noch und nöcher beim niederländischen Chipausrüster ASML: „Unser Auftragsbestand liegt bei 40 Milliarden Euro, das hatten wir noch nie“, sagte ASML-Chef Peter Wennink am Mittwoch. Europas wertvollster Tech-Konzern werde dieses Jahr kräftig wachsen. Wennink ergänzt: „Die Nachfrage ist immer noch viel höher als unsere Kapazitäten.“

Der Unternehmenslenker verspricht ein Umsatzplus von mehr als 25 Prozent im laufenden Jahr. Damit geht es deutlich schneller aufwärts als 2022, als die Erlöse um 14 Prozent gestiegen sind. Der ASML-Chef kündigte an, 2023 wesentlich mehr Anlagen zur Chipherstellung auszuliefern als vergangenes Jahr.

Trotz der guten Aussichten warnte Wennink aber vor Euphorie. Steigende Zinsen, hohe Inflation und geopolitischen Spannungen hinterließen derzeit Spuren bei den Chipproduzenten, also den Abnehmern von ASML. „Die Auslastung unserer Maschinen in den Fabriken sinkt, weil die Kunden ihre Lagerbestände abbauen.“ Dieser Trend werde sich jedoch im zweiten Halbjahr umkehren, prognostizierte Wennink. Dazu trage nicht zuletzt das Ende der Covidbeschränkungen in China bei.

ASML-Kunden rechnen mit kurzer Rezession

Dass sich das derzeit schlechte Geschäft der Halbleiterproduzenten nicht im Umsatz niederschlage, habe einen Grund: „Die Kunden gehen davon aus, dass die Rezession viel kürzer sein wird als unsere Lieferzeiten.“

Mit seinen sogenannten EUV-Maschinen ist ASML ein unverzichtbarer Lieferant der Chipindustrie. EUV steht für extrem ultraviolettes Licht, mit dem die Halbleiter belichtet werden. Einzig diese Technologie ermöglicht es, Chips der modernsten Generation mit Strukturgrößen von unter sieben Nanometern zu produzieren. Weltweit beherrscht nur ASML dieses Verfahren.

Grafik

Diese Technologie hat ASML indes in den Fokus der Politik rücken lassen. Seit Jahren darf ASML auf Druck der USA keine EUV-Maschinen nach China liefern. Das gelte auch weiterhin, erläuterte Wennink am Mittwoch. Anfang Oktober hat die US-Regierung verkündet, die Ausfuhr von Chips und Fertigungsequipment in die Volksrepublik noch stärker als bisher zu beschränken. Der Spielraum für den Export in das Land wird damit immer kleiner. Für ASML habe sich bis jetzt allerdings nichts geändert, erläuterte Wennink. Die Firma liefert Anlagen nach China, die technologisch weniger anspruchsvoll sind als EUV.

Anfang des Jahres hat der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte mit US-Präsident Joe Biden über die Sanktionen gesprochen. Wie es nun weitergehen soll, ist allerdings weiterhin unklar. Amerika versucht, die Niederlande auf seine Seite zu ziehen und den Export weiter einzuschränken. „Wir müssen nun warten, bis die Regierungen und Politiker eine vernünftige Lösung finden“, sagte Wennink. China ist ein wichtiger Markt für ASML: 14 Prozent vom Umsatz mit neuen Anlagen erzielte der Konzern vergangenes Jahr in der Volksrepublik.

Schlüsselkunde TSMC wird vorsichtiger

Noch schlimmer für ASML wäre es, wenn der Konflikt zwischen China und Taiwan eskaliert: Mehr als 40 Prozent vom Umsatz mit neuen Anlagen stammen aus Taiwan. Der weltweit größte Auftragsfertiger der Chipindustrie, TSMC, ist der Schlüsselkunde der Niederländer.

TSMC wächst rasant, ist zuletzt aber ebenfalls etwas vorsichtiger geworden. Gerade erst hat der Konzern angekündigt, dieses Jahr zwischen 32 und 36 Milliarden Dollar zu investieren. Am unteren Ende der Spanne entspricht das einem Minus von rund zehn Prozent im Vergleich zu 2022.

Der ASML-Chef rechnet mit lang anhaltendem Wachstum des Anlagenbauers. Reuters

Peter Wennink

Der ASML-Chef rechnet mit lang anhaltendem Wachstum des Anlagenbauers.

Vergangenes Jahr erzielte ASML einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro, 2,6 Milliarden mehr als 2021. Der Gewinn fiel um rund fünf Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Im vierten Quartal hat ASML die Analystenschätzungen übertroffen. Der Gewinn sei im Vergleich zum Vorjahr von 1,77 auf 1,82 Milliarden Euro gestiegen, so das Unternehmen. Der Umsatz liege bei 6,43 Milliarden Euro. Die Banker hatten mit einem Überschuss von 1,7 Milliarden Euro und Erlösen von 6,38 Milliarden Euro gerechnet.

Der Aktienkurs ist in den vergangenen drei Monaten um etwa ein Fünftel geklettert. Am Mittwoch nahmen die Anleger Gewinne mit, die Papiere notierten leicht unter dem Vortag bei rund 607 Euro. Allerdings sind die Aktien weit entfernt vom Allzeithoch im Herbst 2021. Damals zahlten die Anleger 760 Euro für eine Aktie.

Grafik

Die Analysten von Goldman Sachs gehen unterdessen davon aus, dass die Anteilsscheine binnen Jahresfrist wieder auf 750 Euro klettern werden. ASML ist an der Börse rund 240 Milliarden Euro wert, das sind über 100 Milliarden mehr als SAP, der wertvollste deutsche Tech-Konzern.

Die langfristigen Aussichten seines Unternehmens seien glänzend, beteuerte Wennink. Denn Chips würden in immer mehr Bereichen des modernen Lebens eingesetzt. So soll der Konzern 2030 bis zu 60 Milliarden Euro Umsatz erzielen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×