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25.01.2022

16:43

Chipentwickler Arm

Nvidias 40-Milliarden-Dollar-Deal steht vor dem Aus

Von: Felix Holtermann, Joachim Hofer

Nvidia wollte mit dem britischen Chipentwickler Arm einen der größten Konzerne für KI-Anwendungen schaffen. Jetzt droht der Plan zu scheitern.

Der Chiphersteller ist auf vielen Märkten aktiv. Reuters

Nvidia

Der Chiphersteller ist auf vielen Märkten aktiv.

New York, München Der US-Grafikkartenspezialist Nvidia bereitet sich auf ein mögliches Scheitern seines Übernahmeangebots für den britischen Chipentwickler Arm vor. Nvidia habe Geschäftspartnern mitgeteilt, dass man nicht mehr mit einem Abschluss des Deals rechne, berichtete die Finanzagentur Bloomberg am Dienstag.

Ein Insider bestätigte dem Handelsblatt, dass die Arm-Muttergesellschaft, der japanische Technologieinvestor Softbank, derzeit mögliche andere Zukunftsperspektiven für Arm prüfe, darunter auch einen Börsengang. Entschieden sei demnach aber noch nichts.

„Wir halten weiterhin an der Ansicht fest, (...) dass diese Transaktion eine Gelegenheit bietet, Arm auf ein neues Level zu führen und Wettbewerb und Innovation zu fördern“, erklärte Nvidia auf Anfrage. Ein Softbank-Sprecher zeigte sich weiter zuversichtlich, dass die Transaktion genehmigt werde. Die Nvidia-Aktien lagen nach Börseneröffnung in New York knapp vier Prozent im Minus.

Nvidia hatte 2020 eine Offerte von 40 Milliarden Dollar, umgerechnet 35,5 Milliarden Euro, für den Chiphersteller vorgelegt. Diese stieß jedoch auf wettbewerbsrechtliche Bedenken. Regulierungsbehörden rund um den Globus befürchten, dass Nvidia – schon heute ein Gigant und Hersteller der wichtigsten Grafikkarten – durch den Kauf einen unfairen Wettbewerbsvorteil in der Halbleiterindustrie erlangen könnte.

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    So hatte die US-Aufsichtsbehörde FTC im Dezember Klage eingereicht, um die Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen zu verhindern. Wettbewerbshüter in Großbritannien fürchten eine Gefahr für die nationale Sicherheit.

    Analysten bezeichnen Arm bisweilen als „Kronjuwel“ der britischen Technologiebranche. Auf Arm-Designs basierende Chips werden in 95 Prozent der weltweit hergestellten Smartphones eingesetzt. Arm vergibt seine Technologien in Lizenz an andere Hersteller, insbesondere in China. Dort ist auch Nvidia bereits aktiv und ein Joint Venture mit dem Private-Equity-Haus Hopu aus Peking eingegangen. Auch chinesische Aufseher sehen die Arm-Übernahme daher kritisch.

    KI-Gigant als Ziel

    Auch wenn noch nichts entschieden ist: Marktbeobachtern zufolge haben Investoren das mögliche Scheitern des Deals schon größtenteils eingepreist. Eine spezielle Rolle spielt erneut Softbank: Der Technologieinvestor ist kein monolithisches Gebilde, sondern traditionell von unterschiedlichen Fraktionen durchzogen.

    Auch im aktuellen Fall gibt es offenbar eine Gruppe von Managern, die den Nvidia-Deal weiterhin für vorteilhaft hält – und eine andere Gruppe, die auf einen Börsengang von Arm dringt, nun, da die Preise in der Tech-Branche stark angezogen haben.

    Nividia-Chef Jensen Huang hatte den Übernahmeplan im September 2020 verkündet. Man wolle „ein Unternehmen schaffen, das für das KI-Zeitalter hervorragend aufgestellt ist“. Der Kauf sollte in 18 Monaten vollzogen werden – ein Zeitplan, der inzwischen als unrealistisch gilt.

    Der Widerstand war von Anfang an groß. Konzerne wie Apple, Qualcomm, Microsoft, Samsung, Intel und Amazon greifen auf Arm-Chips zurück. Die US-Aufsicht FTC fürchtet daher, dass ein Zusammengehen mit Nvidia den Wettbewerb in der Datenzentrenbranche und im Autobau „ersticken“ könnte.

    Intel, Amazon und Microsoft haben die Aufsichtsbehörden mit Informationen gefüttert, um den Deal zu verhindern, berichtet Bloomberg: Nvidia sei selbst Arm-Kunde und könnte nach einer Übernahme somit sowohl Lieferant als auch Konkurrent für Arm-Lizenznehmer werden.

    Schon heute nimmt Nvidia im Grafikkarten-Segment eine fast marktbeherrschende Stellung ein; nur der US-Konkurrent AMD hält noch mit wettbewerbsfähigen High-end-Chips dagegen. Der Nvidia-Aktienkurs hat sich seit Anfang 2020 fast vervierfacht, ist seit vergangenem Herbst jedoch wieder um ein Viertel gesunken. Die Grafikprozessoren des Konzerns sind nicht nur bei Videospielern gefragt, sondern auch zur Produktion der Kryptowährung Bitcoin.

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