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28.07.2022

07:29

Chipindustrie

Die Unsicherheit bei Samsung wächst – aber auch Umsatz und Gewinne

Von: Martin Kölling

Viele Unternehmen leiden unter Chipengpässen, Halbleiterhersteller wie Samsung profitieren. Trotzdem verzichtet der Konzern auf eine Prognose.

Zwar ging der Verkauf von Smartphones und anderer Unterhaltungselektronik auch bei Samsung inflationsbedingt zurück. Doch die hohen Preise für Halbleiter beflügeln das Konzernergebnis. Bloomberg

Samsung-Shop in Seoul

Zwar ging der Verkauf von Smartphones und anderer Unterhaltungselektronik auch bei Samsung inflationsbedingt zurück. Doch die hohen Preise für Halbleiter beflügeln das Konzernergebnis.

Seoul Samsung bleibt dank seines starken Halbleitergeschäfts weiter auf Wachstumskurs. Im zweiten Quartal lag der Umsatz mit 77,2 Billionen südkoreanischen Won (59,2 Milliarden Dollar) 21 Prozent über dem Vorjahr, während der Gewinn um zwölf Prozent auf 14,1 Billionen Won (10,8 Milliarden Dollar) stieg. Das sei das zweitbeste Quartalsergebnis der Unternehmensgeschichte.

Das Chipgeschäft erzielte dabei das zweite Vierteljahr in Folge ein Rekordergebnis, erklärte Samsung. Es mache nun 37 Prozent vom Umsatz und 71 Prozent vom Betriebsgewinn aus. Mit anderen Produkten wie Smartphones, Fernsehern und Haushaltsgeräten verdient Samsung deutlich weniger Geld.

Damit unterstreicht Samsung erneut, dass der Konzern wie die anderen Halbleiterhersteller zu den Gewinnern der globalen Chipkrise gehört. Weltweit leiden Unternehmen unter Lieferengpässen für die Schaltzentralen digitaler Produkte. Die starke Nachfrage treibt die Preise für Chips in die Höhe – und damit die Gewinne der Hersteller.

Der Chiphersteller Qualcomm vermeldete am Mittwoch mit 10,9 Milliarden Dollar 36 Prozent mehr Umsatz im vergangenen Quartal als ein Jahr zuvor. Taiwans Auftragshersteller TSMC machte mit 17,9 Milliarden Dollar sogar 44 Prozent mehr Umsatz, mit acht Milliarden Dollar 76 Prozent mehr Reingewinn.

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    Nicht einmal die gesunkenen Verkäufe von Smartphones und anderer Unterhaltungselektronik, die durch die hohe Inflation ausgelöst worden seien, könnten die Hersteller bremsen, teilte Samsung mit. Das Geschäft mit Speicherchips für mobile Geräte und Computer, bei denen die Koreaner Weltmarktführer sind, sei niedriger als erwartet gewesen, teilte Han Jin Man, ein Vizepräsident des Konzerns, im Investoren-Call mit.

    Die Schwäche wurde jedoch teilweise durch die solide Nachfrage für Datenserver ausgeglichen. Der Servermarkt sei weniger durch die geopolitischen Krisen wie den Ukrainekrieg betroffen, erläuterte Han. „Denn sie gelten als unabdingbare Infrastruktur.“ Außerdem würden die Investitionen in Anwendungen Künstlicher Intelligenz und hybride Server wachsen, die Speicher vor Ort und in der Cloud miteinander kombinieren.

    Wettentwickeln bei kleinen Nanometer-Chips

    Auch Samsungs Wette auf die Zukunft wächst: das Foundry-Geschäft. Dabei handelt es sich um Auftragsfertigung von Halbleitern für andere Unternehmen. Samsung versucht, in dem wachsenden Segment dem Weltmarktführer TSMC Marktanteile abzujagen.

    Der koreanische Herausforderer will nun schneller als der Markt wachsen. Dafür versucht er, sich als Technologieführer zu präsentieren. Samsung beansprucht, im Juni weltweit die ersten Chips mit drei Nanometer kleinen Strukturen ausgeliefert zu haben. Je kleiner die Strukturen sind, desto weniger Energie verbrauchen die Chips bei höherer Rechenleistung. Daher wetteifern die Chiphersteller erbittert darum, immer kleinere und kompaktere Chips zu produzieren.

    Wie groß der finanzielle Aufwand – und damit auch das Risiko – ist, zeigen Samsungs Investitionen. Im abgelaufenen Quartal investierte Samsung 9,4 Milliarden Dollar. 90 Prozent entfielen auf die Chipsparte. Dabei ist auch in diesem Geschäft die Unsicherheit durch den Ukrainekrieg, die Coronapandemie, die hohe Inflation, Rezessionsängste und Lieferprobleme hoch.

    Auch Samsung ist betroffen. Der Konzern hält einen größeren Bestand an Chips als früher, um Störungen der Lieferketten auffangen zu können. Und das Management will sich nicht festlegen, wann sich die Lage bessert. Wegen der hohen Unsicherheit verzichtete die Konzernführung sogar auf eine Bilanzprognose. Intern justiere man die Prognosen derzeit teilweise täglich neu, sagte ein Manager.

    In dieser Situation fokussiert sich Samsung quer durch alle Segmente auf Premiumprodukte. Bei Sensoren versuchen die Koreaner, mit einem superhochauflösenden 200-Megapixel-Bildsensor zu Weltmarktführer Sony aufzuschließen.

    Bei Smartphones will der Konzern in der zweiten Jahreshälfte in einem schwach wachsenden Markt durch neue faltbare Modelle wachsen. In dem Bereich genießt Samsung im Premiumsegment einen großen Vorteil gegenüber dem amerikanischen Erzrivalen Apple: Die Kalifornier bieten noch kein Falthandy an.

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