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07.03.2020

16:45

Corona-Epidemie

Das Silicon Valley rüstet sich für Corona – und Elon Musk findet das dumm

Von: Alexander Demling

Das „South by Southwest“-Festival in Austin wird wegen des Coronavirus abgesagt. Indes verspottet der Tesla-Chef den Umgang mit dem Virus als „Panik“.

Silicon Valley rüstet sich für Coronavirus – Elon Musk spottet AP

Elon Musk

Der Tesla-Chef halte die „Coronavirus-Panik für dumm“.

San Francisco Für sein loses Mundwerk auf Twitter ist Elon Musk inzwischen berüchtigt. Mitten in die Coronakrise, die weltweit schon mehr als 100.000 Erkrankte zählt, feuerte der Tesla-Chef am Freitagnachmittag den Einzeiler „Die Coronavirus-Panik ist dumm“ ab.

Während Musk dafür binnen zwei Stunden mehr als 100.000 Retweets bekam, kritisierten ihn andere: Paul Graham, Gründer des Startup-Inkubators Y Combinator, verwies auf den exponentiellen Anstieg der Fälle, der es gebiete, „lieber zu vorsichtig“ zu sein.

John Collison, Mitgründer des Zahlungsdienstleisters Stripe, spottete, dass Musk dann wohl nicht auf sein „Quarantäne-U-Boot in Kindergröße“ wolle. Musk hatte im Juli 2018 vorgeschlagen, mit einem solchen U-Boot in einer Höhle in Thailand gefangene Jugendliche zu befreien und war darüber mit einem tatsächlichen Rettungstaucher in einen Streit geraten, der vor Gericht landete.

Doch Musk ist selbst im Tal der Querköpfe ein Querkopf – und in diesem Fall offenbar ein recht unverantwortlicher. Nachdem sich der Corona-Ausbruch bisher vor allem auf Seattle, das andere Tech-Zentrum an der US-Westküste, konzentriert hatte, erreicht das Virus und die Angst davor nun auch voll das Silicon Valley.

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    Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat in Nordkalifornien den Notstand ausgerufen. Am Donnerstag gab San Francisco seine ersten beiden Corona-Fälle bekannt. Bürgermeisterin London Breed veröffentlichte am Freitag eine Liste mit Verhaltensregeln, die die weitere Ausbreitung der Krankheit verhindern soll – so sollen etwa Konzerte oder Sport-Events nach Möglichkeit abgesagt werden.

    „South by Southwest“-Festival abgesagt

    Viele große Tech-Unternehmen haben ihre Mitarbeiter gebeten, von zuhause zu arbeiten. Tummelten sich am Mittwoch auf Facebooks gewaltigem Campus in Menlo Park noch viele Mitarbeiter in der Sonne, hat der Facebook- und Instagram-Betreiber ihnen für den gestrigen Freitag die „ausdrückliche Empfehlung“ gegeben, nicht ins Büro zu kommen. Die Mitarbeiter von Twitter und Square, die beide von Jack Dorsey geführt werden, wurden schon am Dienstag aufgefordert, nicht mehr ins Büro zu kommen.

    Dorsey war auch der erste prominente CEO, der seine Teilnahme an dem Technologie-, Film- und Musikfestival „South by Southwest“ (SXSW) in Austin, Texas, abgesagt hatte. Nachdem über die Tage von Netflix über Facebook bis Ozzy Osbourne immer mehr große Acts zurückgezogen hatten, untersagte die Stadt Austin schließlich am Freitagnachmittag die ganze Veranstaltung, die im vergangenen Jahr 90.000 Menschen in die knapp eine Millionen Einwohner große Stadt gebracht hatte.

    Die SXSW hatte lange an ihrem Startdatum 13. März festgehalten, während viele Unternehmen ihre teilweise erst im Mai stattfindenden Entwicklerkonferenzen schon abgesagt hatten. „Wir sind am Boden zerstört, diese Nachricht mit euch teilen zu müssen“, schrieben die Organisatoren am Freitag.

    Am Mittwoch noch habe die Stadt betont, dass eine Absage die Stadt nicht sicherer mache. Nun überlegen die Veranstalter, wie sie die Konferenz zumindest online stattfinden lassen können. Der wirtschaftliche Schaden der Konferenz-Absagen steigt damit weiter: Die SXSW 2019 hatte der Stadt nach Schätzungen des Veranstalters 356 Millionen Dollar zusätzliche Wirtschaftsleistung gebracht.

    Der Datendienstleister PredictHQ schätzt den Verlust durch die neun größten abgesagten Tech-Konferenzen, etwa Facebooks Entwicklerkonferenz F8 oder der Mobile World Congress in Barcelona, auf mehr als eine Milliarde Dollar.

    Silicon-Valley auf Sparflamme

    Leere Campusse, leere Konferenzzentren, leere Caltrain-Züge auf der Strecke von San Francisco über Menlo Park, Palo Alto und Mountain View nach San Jose. Wie lange das Arbeitsleben im Silicon Valley auf Sparflamme bleibt, ist aktuell völlig unklar. Besonders stark trifft das die Stundenlöhner, die in den Firmenzentralen etwa als Fahrer, Putz- oder Kantinenkräfte arbeiten und – weil sie aktuell kaum gebraucht werden – auch kaum Geld verdienen.

    Diese Ausfälle wollen mehrere Unternehmen ausgleichen und den Stundenkräften ihre typischen Löhne zahlen. „Wir erkennen die Härten an, die die verlorene Arbeit für unsere Stundenkräfte bedeutet“, schrieb Microsofts Präsident Brad Smith in einem Beitrag auf dem Firmenblog. Auch Google, Amazon und Twitter wollen dem Beispiel folgen.

    Fahrdienste wie Uber oder Lyft, deren ganzes Geschäftsmodell auf Auftragsarbeitern beruht, halten sich dagegen noch zurück – obwohl ihre Fahrer wegen der Corona-Angst besonders viel Geschäft einbüßen und zudem ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben. Beide Firmen erklärten gegenüber Techcrunch, sie prüften Optionen, ihren Fahrern zu helfen.

    Doch das Coronavirus bringt Uber, Lyft oder Essenlieferdienste wie Doordash oder Postmates in eine Zwickmühle: Kalifornien hat zu Jahresbeginn ein Gesetz eingeführt, das die Plattformen verpflichten soll, die Fahrer als Mitarbeiter einzustufen und zum Beispiel entsprechend zu versichern.

    Gegen die Einstufung klagen viele der Unternehmen wie Uber aktuell. Sie argumentieren, die Fahrer seien Selbstständige, die nur ihre Plattform nutzten. Entschädigen sie nun ihre Fahrer für Lohnausfall, könnte das Gericht das später als Hinweis auf ein Beschäftigungsverhältnis mit den Fahrern auslegen. Inzwischen hat Uber erklärt, zumindest Fahrern, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben oder in Quarantäne befinden, 14 Tage lang Lohn zu bezahlen.

    Nur eines der weltbekannten Unternehmen aus dem Silicon Valley hat sich zu seinen Corona-Vorkehrungen noch gar nicht öffentlich geäußert: Tesla. Der Elektroautobauer hat seine Zentrale in Palo Alto und im nahegelegenen Fremont ein großes Werk.

    Unter Musks Tweet zur „Coronavirus-Panik“ fragte die Bloomberg-Journalistin Dana Hull am Freitag, ob Musk Tesla-Mitarbeiter denn auch auffordere, von zuhause zu arbeiten oder Reisen zu Zulieferern zu vermeiden. Ein paar Stunden später hatte Musk noch nicht geantwortet.

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