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20.02.2023

11:45

Daten-Brillen

Microsoft sieht die Zukunft in Künstlicher Intelligenz – und nicht im Metaversum

Von: Stephan Scheuer

Der Windows-Konzern hat den Einsatz von Daten-Brillen in der Industrie geprägt. Auch das US-Militär ist Kunde. Doch Rückschläge bremsen den Bereich, Wettbewerber holen auf.

Die Hololens 2 von Microsoft ist seit drei Jahren auf dem Markt und technologisch überholt. picture alliance/AP Photo

Hololens

Die Hololens 2 von Microsoft ist seit drei Jahren auf dem Markt und technologisch überholt.

Seattle Die Datenbrille sollte Microsoft eigentlich eine neue Welt eröffnen. Konzernchef Satya Nadella investierte Milliarden in den Bereich. Bereits 2019 stellte der Technologiekonzern mit der Hololens 2 eine Datenbrille für Industriekunden vor und prägte damit den Bereich. Auch viele Dax-Konzerne setzten auf die Datenbrille von Microsoft. Mittlerweile ist die Euphorie verschwunden. Technologisch ist die Brille überholt, und viele Konkurrenten sind technisch vorbeigezogen. Die Zukunft der Hololens bei Microsoft scheint unklar.

Denn Nadella vollzieht einen Kurswechsel. Erst kürzlich hatte der Konzern angekündigt, 10.000 Beschäftigte zu entlassen. Davon soll laut übereinstimmenden Medienberichten das Team hinter der Hololens stark betroffen sein. Zudem hatte vor wenigen Wochen der US-Kongress den Kauf weiterer Hololens-Geräte für die US-Streitkräfte mit Verweis auf erhebliche Qualitätsmängel gestoppt.

Stattdessen hat Nadella seine Strategie überarbeitet: Künstliche Intelligenz steht nun im Zentrum. Die Suchmaschine Bing wird um KI-Funktionen erweitert. Microsoft fordert damit Google heraus. Nadella will Milliardensummen in die Partnerschaft mit dem KI-Start-up OpenAI stecken.

Mit dem Fokus auf die Künstliche Intelligenz scheint Microsoft sich auch von seinem Führungsanspruch im Metaversum zu verabschieden. Ausgerechnet dem einstigen Rivalen Meta überlässt Microsoft dabei das Feld. Dabei war Nadella noch im Oktober bei einer Konferenz von Meta-Chef Mark Zuckerberg als Gastredner aufgetreten. Microsoft-Programme wie Word oder Teams sollten in die virtuellen Welten von Meta integriert werden.

Hololens ist mittlerweile veraltet

Doch zuletzt häuften sich die Rückschläge: Alex Kipman, der führende Entwickler hinter der Hololens, verließ das Unternehmen zuletzt, weil ihm sexualisierte Übergriffe am Arbeitsplatz vorgeworfen worden waren.

Grafik

Die zuständige Microsoft-Managerin Robin Seiler betonte zwar zuletzt, dass der Konzern weiter auf die Datenbrille setze. „Wir produzieren und unterstützen weiterhin die Hololens 2“, hieß es in einem Blog-Beitrag von Seiler. Doch ob Microsoft eine überarbeitete Version des Geräts herausbringen wird, verriet die Managerin nicht. Die Hololens kostet zwischen 3500 Dollar und 5199 Dollar.

Bei den Leistungsdaten sind viele Konkurrenten längst an der Datenbrille von Microsoft vorbeigezogen. Die Technologie hat sich weiterentwickelt. Das Gerät von Microsoft ist aber weitgehend auf dem Stand von vor drei Jahren.

Diese Situation nutzen Wettbewerber. Das Start-up Magic Leap hatte zuletzt seine erste auf Industriekunden optimierte Datenbrille vorgestellt. Die Brille mit dem Namen Magic Leap 2 zeichnet sich durch ein größeres Blickfeld, eine höhere Auflösung und ein deutlich geringeres Gewicht aus und kostet 3299 Dollar. Anders als bei der Hololens 2 wird die Magic Leap 2 von einem kleinen Computer angetrieben, der meist an der Hose getragen wird. Dadurch ist sie deutlich leichter, jedoch immer per Kabel mit dem Computer verbunden.

Magic-Leap-Vorstand Daniel Diez sagte dem Handelsblatt: „Wir haben die nötigen Genehmigungen, dass unsere Brille jetzt auch im OP im Krankenhaus eingesetzt werden kann.“ Automobilkonzerne könnten Modelle mit der Brille entwerfen, Architekten Räume gestalten oder Fachkräfte komplexe Maschinen warten.

Wir haben die nötigen Genehmigungen, dass unsere Brille jetzt auch im OP im Krankenhaus eingesetzt werden kann. Magic-Leap-Vorstand Daniel Diez

Die Hololens 2 sei nicht mehr zeitgemäß. „Unser Gerät ist deutlich überlegen“, sagte Diez. Magic Leap könne helfen, dass VR-Brillen zum Dauereinsatz in Unternehmen kommen.

Meta plant ebenfalls neue Datenbrille

Genau das plant auch der Facebook-Konzern Meta. Parallel zur Bekanntgabe der Partnerschaft mit Microsoft stellte Mark Zuckerberg erstmals eine neue Datenbrille vor, die sich direkt an Firmenkunden richtet: die Meta Quest Pro mit einem Preis von 1799,99 Euro in Deutschland.

Anders als die Hololens 2 oder die Magic Leap 2 ist bei dem Gerät von Meta die Umgebung jedoch nur schemenhaft erkennbar. Dafür können die Nutzer aber komplett in eine virtuelle Welt eintauchen. Fachleute unterscheiden hier zwischen VR-Brillen, bei denen Nutzer ausschließlich auf kleine Bildschirme schauen, und AR-Brillen, bei denen Nutzer die Umgebung sehen und diese um zusätzliche Informationen erweitert wird.

VR-Brillen seien nicht optimal für einen industriellen Einsatz, zeigte sich Diez überzeugt. Im Operationssaal oder in der Fabrik müssten Fachkräfte ihre Umgebung weiter sehr gut erkennen können. Eine Datenbrille werde dann nützlich, wenn sie die Umgebung um nützliche Informationen erweitern könne, etwa die Information, welche Schraube in einer komplexen Maschine angezogen werden muss, um diese nach einem Defekt wieder zum Laufen zu bekommen.

Aber trotz zahlreicher neuer Geräte sei noch keine AR-Brille wirklich massenmarkttauglich, zeigte sich Analyst Jitesh Ubrani vom Marktforscher IDC überzeugt. „Der früheste Zeitpunkt für solche Produkte wäre Ende 2024 oder Anfang 2025“, sagte Ubrani. Für ihn könnte der iPhone-Konzern Apple den Unterschied machen.

Noch in diesem Jahr könnte Apple seine erste Datenbrille auf den Markt bringen. Das Gerät werde auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. In der ersten Version handele es sich um eine VR-Brille, später sei eine AR-Brille geplant und zum Schluss vielleicht sogar Kontaktlinsen, die digitale Informationen anzeigen können, berichtete Bloomberg. Das könnte aber noch bis zum Ende der Dekade dauern.

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