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09.09.2022

13:25

Elektromobilität

Rückschlag für Lucid: Produktionschef verlässt E-Auto-Hersteller

Von: Thomas Jahn

PremiumPeter Hochholdinger und weitere hochrangige Manager verlassen Lucid. In der Produktion des Elektroautoherstellers gibt es Probleme.

Der ehemalige Produktionschef von Lucid war langjähriger Tesla-Manager. © 2020 Bloomberg Finance LP

Peter Hochholdinger

Der ehemalige Produktionschef von Lucid war langjähriger Tesla-Manager.

Düsseldorf Peter Hochholdinger rettete Elon Musk aus der „Produktionshölle“. Der Deutsche sollte das auch bei Tesla-Konkurrent Lucid tun, baute dort in der neuen Fabrik in Arizona die Elektroautoproduktion auf.

Damit ist jetzt Schluss. Hochholdinger verlässt das US-Unternehmen, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr. Mit ihm trennen sich mehrere hochrangige Produktionsexperten von der Firma. So geht David Peel, Direktor für „fortgeschrittene Produktionsverfahren“, zum Konkurrenten und Start-up Nikola, wie seiner LinkedIn-Seite zu entnehmen ist. Peele kam unter der Regie von Hochholdinger 2020 zu Lucid.

Auch Lucids Programmchef Ralph Jakobs soll laut der amerikanischen Ausgabe von „Business Insider“ das Unternehmen verlassen haben, sowie weitere Manager. Das Profilbild von Jakobs wurde vor einigen Wochen von Lucids Website entfernt. Er arbeitete fast ein Vierteljahrhundert bei Volkswagen, war zuletzt Forschungschef des Joint Ventures von VW und Audi in China.

Die Abgänge treffen Lucid in einer schwierigen Phase. Eine Fahrzeugproduktion hochzufahren ist komplex und erfordert viel Erfahrung. Bereits zweimal musste das kalifornische Unternehmen in diesem Jahr seine Produktionsziele zurücknehmen und baut dieses Jahr nur maximal 7000 Fahrzeuge. Der Aktienkurs ist seit Jahresanfang um weit mehr als die Hälfte eingebrochen.

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    Über die Abgänge und ihre Gründe gibt es keine offiziellen Aussagen. Menschen, die Hochholdinger nahestehen, sehen ihn nicht in der Verantwortung für die Produktionsprobleme. Lucid habe in der Logistik und Beschaffung von Batteriezellen Fehler gemacht. Vor wenigen Tagen sprach Vorstandschef Peter Rawlinson von „ungeplanten Produktionsunterbrechungen“ aufgrund von Logistikproblemen.

    Hochholdinger hatte lange Zeit große Freiheiten bei Lucid. Doch vor Kurzem setzte ihm Rawlinson einen neuen Chef vor: Steven David, Leiter des operativen Geschäfts. Der erfahrene Automanager war zuvor bei Stellantis und Fiat Chrysler in verschiedenen Positionen für die Produktion verantwortlich. David hat sein Büro in Arizona in der Fabrik, wie Rawlinson betonte.

    Hochholdinger war nach einer langen Karriere bei Audi ab 2016 Produktionschef von Tesla, verantwortete den Aufstieg zum Massenproduzenten mit dem Model 3. Die Phase nannte Musk die „Produktionshölle“, ein Begriff, den Hochholdinger in einem Interview mit dem Handelsblatt 2021 als „übertrieben“ einstufte.

    Dabei war er es, der den Anlauf der Model-3-Produktion meisterte und Tesla in die Erfolgsspur verhalf. Bei Lucid baute er das Werk in Arizona „im Rekordtempo“ auf, wie er es vor einem Jahr sagte – schneller als Tesla seine Fabrik in Grünheide.

    Lucid verfolgt ähnliche Strategie wie Tesla

    Lucid folgt in seiner Marktstrategie in vielen Dingen Tesla. Neben Hochholdinger holte das Unternehmen Manager von dem Konkurrenten wie Entwicklungschef Eric Bach oder Lieferkettenchef Peter Hasenkamp. Und ähnlich wie Tesla setzt es darauf, viele Bauteile selbst zu produzieren und die Kontrolle über weite Teile der Fahrzeugproduktion zu behalten.

    Das steht im Gegensatz zu anderen Start-ups wie Fisker, die viel an Lieferanten auslagern. Auch bringt Lucid wie Tesla mit dem Sportwagen Roadster ein sehr teures Fahrzeug auf den Markt, das es nur in limitierter Auflage gibt: die Air Dream Edition. Im Quartalstakt sollten neue Fahrzeuge auf den Markt kommen, die vor allem preiswertere Varianten des Lucid Air sind.

    Mehrheitsinvestor von Lucid ist Saudi-Arabien. Das Königreich wurde vor wenigen Monaten auch Kunde, will im nächsten Jahrzehnt 50.000 bis 100.000 Fahrzeuge vom Unternehmen kaufen. Lucid will zudem seine zweite Fabrik in dem Land bauen, in der jährlich 150.000 Fahrzeuge hergestellt werden sollen.

    Experten sehen das Investment kritisch. „Eine Fabrik in Saudi-Arabien ist nicht der richtige Standort. Dort werden sich keine Zulieferer ansiedeln, alles muss herbeigeschafft werden“, sagte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management dem Handelsblatt vor wenigen Wochen. Der Mittlere Osten sei zudem kein großer Markt. „Ohne den saudi-arabischen Staatsfonds als Investor hätte Lucid nicht in der Wüste gebaut.“

    Hochholdinger verglich im Interview mit dem Handelsblatt vor einem Jahr das Hochfahren einer Produktion mit einem Marathon: „Da läufst du nicht die ersten fünf Kilometer wie ein Wahnsinniger“, sagte der Oberbayer. „Das Rennen gewinnt man im letzten Drittel, da trennt sich die Spreu vom Weizen.“

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