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27.10.2022

08:48

Elektronikhersteller

Mitten in der Chipkrise: Samsung befördert Konzernerben Lee zum Vorsitzenden

Von: Martin Kölling

Auch beim koreanischen Elektronikriesen brechen die Gewinne ein. Mit der Wahl von Lee Jae Yong zum Verwaltungsratschef will Samsung nun das Management stabilisieren.

Nach Haftstrafe und Begnadigung führt der Samsung-Patriarch den Konzern nun auch wieder offiziell. dpa

Lee Jae Yong

Nach Haftstrafe und Begnadigung führt der Samsung-Patriarch den Konzern nun auch wieder offiziell.

Tokio Der Elektronikriese Samsung hat angesichts der zurückgehenden Nachfrage nach Speicherchips im dritten Quartal einen Gewinnbruch in der Sparte verzeichnet. Die mauen Zahlen wurden jedoch von einer Personalie in den Schatten gestellt: Der faktische Firmenchef Lee Jae Yong, auch „Jay Y.“ genannt, wurde an diesem Donnerstag nach der Verbüßung einer Haftstrafe, Amtsverbot und der diesjährigen Begnadigung offiziell zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats befördert.

„Jetzt ist es an der Zeit, dass wir mutigere Herausforderungen angehen“, sagte Lee in einer Botschaft an die Mitarbeiter. „Unser Überleben hängt von Zukunftstechnologien ab.“

Damit füllt der größte Speicherchiphersteller der Welt den wichtigen Posten, der seit einem Herzinfarkt von Lees Vater Lee Kun Hee im Jahr 2014 nicht besetzt worden war. Zuerst verhinderte Pietät die offizielle Kür von Lee junior, nach dem Tod seines Vaters juristische Probleme.

Lee war in dem Bestechungsskandal um die frühere Staatspräsidentin Park Gyun Hee zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er kam zwar vorzeitig auf Bewährung frei, durfte aber erst nach einer Begnadigung in diesem Jahr wieder offiziell im Konzern arbeiten.

Der Verwaltungsrat begründete seine Wahl mit dem „dringenden Bedarf an stabilem Management und Führung in einem immer schlechteren globalen Geschäftsumfeld“. Bei Samsung ist der Vorsitzende als Vertreter der Gründerfamilie traditionell für richtungweisende Entscheidungen zuständig.

Und die sind gerade jetzt nötig. Der derzeitige Gewinnmotor des Mischkonzerns, die Chipsparte, steht mit der steigenden Inflation, der abflauenden Konjunktur und dem Handelskonflikt der USA mit China unter wachsendem Druck, wie die am Donnerstag präsentierte Bilanz für das dritte Quartal zeigte.

Samsung: Gewinn der Chipsparte halbiert sich

Zwar verbuchte Samsung einen Umsatzrekord für ein drittes Quartal und erwartet auch für das Gesamtjahr einen neuen Bestwert beim Umsatz, da andere Teile des Geschäfts weiterwachsen. Aber die wichtige Chipsparte, die zuletzt etwa 30 Prozent des Umsatzes und mehr als zwei Drittel der Konzerngewinne erwirtschaftet hatte, halbierte ähnlich wie ihre Rivalen SK Hynix und Micron Technologies ihren Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 5,1 Billionen Won, umgerechnet 3,6 Milliarden Euro.

Damit trug sie zwischen Juli und September nur noch die Hälfte zum Betriebsgewinn des Konzerns bei. Samsung konnte so zwar seinen Umsatz um 4,2 Prozent auf 76,8 Billionen Won (53,8 Milliarden Euro) erhöhen. Der Betriebsgewinn fiel jedoch durch die schwächelnde Chipsparte um 31,4 Prozent auf 10,85 Billionen Won, der Reingewinn um 23,6 Prozent auf 9,39 Billionen Won. Die Gewinnmarge rutschte von 21,4 auf 14,1 Prozent ab, die Eigenkapitalrendite von 17 auf zwölf Prozent.

Die wichtige Chipsparte hat ihren Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. via REUTERS

Chipproduktion bei Samsung in Pyeongtaek

Die wichtige Chipsparte hat ihren Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert.

Samsung machte dafür vor allem die abflauende Nachfrage verantwortlich. In vielen Industrieländern senken hohe Preissteigerungen die Verbraucherlaune, in China die Immobilienkrise und Corona-Lockdowns. Viele Unternehmenskunden würden daher stärker als erwartet ihre Lager abbauen.

Dies drückt die Preise für Speicherchips, die das wichtigste Produkt von Samsungs Halbleitersparte sind. Allein die noch junge Auftragsfertigung von Halbleitern, das sogenannte Foundry-Geschäft, steigerte auch im siebten Jahr nach seiner Gründung stabil Umsatz und Gewinne.

Samsung will weiter stark investieren

Die Unternehmensführung erwartet, dass sich die Nachfrage in der zweiten Hälfte 2023 erholen wird, angetrieben von der Nachfrage nach Chips für Datenzentren und neuen Smartphones. Allerdings warnte Ben Suh, der für Investoren zuständige Vizepräsident, davor, dass „makroökonomische Unsicherheiten weiter bestehen“.

Allerdings will Samsung anders als viele Rivalen seine Investitionen nicht drastisch senken. So kündigte Han Jin Man, Vizepräsident für die Speicherchipsparte, an, die „Infrastruktur“, zum Beispiel neue Reinräume für Fabriken der kommenden Chipgenerationen, nicht anfassen zu wollen. Allenfalls bei Produktionsanlagen soll gespart werden.

„Derzeit schrumpft die Nachfrage zwar, aber wir müssen uns strategisch für langfristiges Wachstum vorbereiten“, sagte Han. Besonders große Hoffnungen setzt Samsung auf Chips für Elektroautos. Die sollen nach Speichern für Datenzentren und mobile Geräte bis 2030 zum dritten Standbein der Speicherchipsparte werden.

Der Chipkrieg der USA gegen China stellt Samsung und Co. vor Probleme

Ein großes Risiko stellen die wachsenden Spannungen zwischen China und den USA dar. US-Präsident Joe Biden hatte diesen Monat nicht nur den Export von hochwertigeren Chips und Produktionsanlagen, die US-Patente benutzen, an bestimmte chinesische Unternehmen untersagt. Er verbot US-Bürgern zudem, für die chinesische Chipindustrie zu arbeiten.

Diese Maßnahmen stellen in Ostasien eine Gefahr für Taiwans große Chipindustrie dar, aber besonders für die koreanischen Chipkonzerne Samsung und SK Hynix. Sie produzieren nicht nur einen Großteil ihrer Speicherchips in China, sondern beziehen auch wichtige Bauteile für ihre heimischen Werke von dem Nachbarn.

Um die Produktion von für den Westen bestimmten Waren in China nicht zu gefährden, erteilte die US-Regierung den Konzernen zwar eine Ausnahmegenehmigung. Aber Samsungs koreanischer Rivale SK Hynix gab am Mittwoch zu, was wahrscheinlich auch andere Konzerne prüfen: Pläne für das Worst-Case-Szenario – ein jähes Ende des Chinageschäfts.

„Als Notfallplan erwägen wir, die Fabrik und die Ausrüstung zu verkaufen oder sie nach Südkorea zu verlegen“, sagte Kevin Noh, Chief Marketing Officer, in einer Telefonkonferenz. Allerdings betonte er, dass es sich wirklich nur um einen Notfallplan handele und SK Hynix weiter in China produzieren wolle.

Samsung äußerte sich am Donnerstag nicht zum Chinageschäft. Aber SK Hynix ist nicht das einzige Unternehmen, das sich mit dem Risiko beschäftigt. Medienberichten zufolge richtete auch der japanische Autohersteller Honda eine Arbeitsgruppe ein, um Gegenmaßnahmen für den Verlust des großen Absatz- und Bauteilemarkts zu entwickeln.

Samsung-Patriarch Lee ist daher für den Konzern wichtiger denn je. Allerdings ist noch nicht sicher, dass er auch lange im Amt bleibt, denn er steht weiterhin wegen Bilanztricksereien bei der Fusion zweier Tochtergesellschaften im Jahr 2015 vor Gericht. Mit der Fusion stärkte er damals seinen Zugriff auf die große Samsung-Gruppe, die von seiner Familie durch Schachtelbeteiligungen dominiert wird.

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