Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

10.05.2022

14:16

Elektronikkonzern

Sony erzielt Betriebsgewinn von einer Billion Yen – China-Lockdowns belasten die Prognose

Von: Martin Kölling

Sony profitierte von einem schwachen Yen und dem Film-, Spiele- und Musikgeschäft. Unter dem Strich verdiente der Konzern jedoch weniger als 2020.

Im Kamerageschäft setzt Sony auf immer hochwertigere Modelle. Bloomberg

Sony-Kamera

Im Kamerageschäft setzt Sony auf immer hochwertigere Modelle.

Tokio Der japanische Elektronikkonzern Sony hat erstmals einen Betriebsgewinn von mehr als einer Billion Yen erwirtschaftet. Wie der Hersteller der Playstation am Dienstag bekannt gab, stieg der Betriebsgewinn zum Bilanzstichtag 31. März 2022 um 25,9 Prozent auf 1,2 Billionen Yen (8,7 Milliarden Euro).

Damit hat Sony bilanztechnisch zu Japans erfolgreichstem Industriekonzern Toyota aufgeschlossen. Sony ist nach dem Autobauer der zweite Konzern Japans, der diese Hürde übersprang. Auch der Umsatz legte um zehn Prozent zu, auf einen neuen Rekord von über 9,9 Billionen Yen (etwa 72,3 Milliarden Euro).

Angetrieben wurde das Geschäft von Videospielen, der robusten Film- und Musiksparte und einem schwachen Yen. Unter dem Strich verdiente Sony allerdings mit rund 882 Milliarden Yen (6,4 Milliarden Euro) 14,3 Prozent weniger als im Vorjahr, da der Konzern anders als 2020 keine Steuerrückzahlungen erhielt, sondern wieder Abgaben zahlen musste.

Sony bleibt damit neben anderen Elektronikkonzernen ein Gewinner der Coronapandemie. Nicht einmal Lieferengpässe bei Computerchips und Bauteilen konnten die Erfolgsserie unterbrechen. In den vergangenen fünf Jahren hat Sony den Betriebsgewinn nahezu vervierfacht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Lockdowns in China sind großes Risiko

    Ein Erfolgsbeispiel lieferte die Elektroniksparte mit Fernsehern und Kameras. Obwohl der Kameraabsatz wegen Lieferproblemen sank und viele Kunden auf Wunschmodelle warten mussten, stiegen Umsatz und Gewinn. Denn Sony stellte lieber teurere Modelle her und stoppte deshalb sogar zeitweise den Verkauf von Einstiegsmodellen in Japan, wie etwa bei der Systemkamera ZV-E10.

    Die Pandemie und Probleme mit den globalen Lieferketten bleiben dennoch in vielen Sparten ein bestimmendes Thema. Gerade für Konsolen, Videospiele und Netzwerkdienste, mit denen Sony den meisten Umsatz macht, fehlen Bauteile. Das bremst weiterhin den Absatz von Sonys Konsole Playstation 5.

    Im laufenden Geschäftsjahr will Sony 18 Millionen Playstations verkaufen. Bloomberg

    Sony Playstation 5

    Im laufenden Geschäftsjahr will Sony 18 Millionen Playstations verkaufen.

    Finanzchef Hiroki Totoki erklärt für das laufende Geschäftsjahr zwar, genug Bauteile gesichert zu haben, um die PS5-Produktion um mehr als 50 Prozent auf 18 Millionen Konsolen zu erhöhen. Dennoch richtete er die Gamer auf Wartezeiten ein: „Ich habe das Gefühl, dass es eine etwas höhere Nachfrage geben könnte“, sagte Totoki.

    Zudem bestehen viele Risiken bei wichtigen Quellen für die elektronischen Bauteile, wie etwa in China, wo die Lockdowns anhalten. Sony versucht deshalb, unabhängiger vom Reich der Mitte zu werden, beispielsweise durch die Suche neuer Lieferanten und das Redesign der Geräte. Einen Teil der Risiken hat Sony in seine Prognose eingeplant. „Aber wenn sich die Pandemie in China verschärft, könnte die Produktion getroffen werden“, gab Totoki zu bedenken.

    Sony hält an Zukäufen fest

    Für das laufende Geschäftsjahr ist der Konzern also nicht mehr so optimistisch und geht von einem leichten Rückgang des Betriebsergebnisses auf umgerechnet 8,43 Milliarden Euro aus. Der Nettogewinn dürfte noch weiter zurückgehen, auf nur noch 830 Milliarden Yen (6,1 Milliarden Euro).

    Der Umsatz hingegen soll um 15 Prozent auf 11,4 Billionen Yen (83,1 Milliarden Euro) steigen. Angetrieben wird der Anstieg vom starken Fall des Yens, durch den die Ergebnisse im Ausland bei der Umrechnung aufgehübscht werden. Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs ist der Yen gegenüber dem Dollar um 15 Prozent gesunken.

    Die gesenkte Prognose dämpft Sonys Strategie jedoch nicht, die Videospielsparte sowie die Musik- und Filmstudios durch Zukäufe zu stärken. Gerade bei Games rüsten die Japaner und ihr Erzrivale Microsoft die Spieleentwicklung durch Akquisen auf. Voriges Jahr kündigte Sony an, bis 2023 für zwei Billionen Yen Firmen zu kaufen.

    29 Prozent der Summe hat der Konzern bereits ausgegeben, weitere 24 Prozent sind fest entschieden. Dazu gehören 15 Unternehmen, wie das Musiklabel Alamos Records, der Spieleentwickler Bungie und Crunchyroll, ein Streamingdienst für Anime-Zeichentrickfilme. Bei manchen Zukäufen wartet Sony noch auf die Genehmigung der Wettbewerbshüter.

    Sonys Finanzchef verteidigte die hohen Ausgaben für Käufe und Entwicklung. Es handele sich um gesunde strategische Investitionen, sagte Totoki. „Sie kosten uns was, aber wir hoffen, dass sie unser Geschäft wachsen lassen.“

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×