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28.07.2022

01:02

Facebook-Konzern

Neuer Tiefschlag für Zuckerberg: Meta-Umsatz sinkt zum ersten Mal seit Börsengang

Von: Felix Holtermann

Der Gewinn bricht um 36 Prozent ein. Außerdem droht Ärger mit der Wettbewerbsaufsicht: Meta strebe eine Monopolstellung bei virtuellen Realitäten an.

Der Facebook-Konzern hat ein schwaches Quartal hinter sich. AP

Meta

Der Facebook-Konzern hat ein schwaches Quartal hinter sich.

New York Der Umsatz von Facebook-Eigner Meta ist zum ersten Mal seit dem Börsengang 2012 gesunken – um ein Prozent auf 28,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach sogar um 36 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar ein, wie das weltgrößte soziale Netzwerk am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Das hänge auch mit den höheren Kosten zusammen: Meta zählt aktuell rund 83.500 Mitarbeiter, etwa ein Drittel mehr als vor einem Jahr.

Auch für das laufende dritte Quartal ist der Konzern skeptisch und erwartet einen Umsatz in der großen Spanne von 26,0 bis 28,5 Milliarden Dollar. Damit ist ein erneuter Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr wahrscheinlich: Im dritten Quartal 2021 hatte Meta knapp 28,3 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Meta steigerte die Nutzerzahlen auf seinen Plattformen Facebook, WhatsApp und Instagram, konnte diese jedoch nicht in höhere Einnahmen umsetzen. Das lag auch an Werbe-Einschränkungen durch neue Datenschutzvorgaben von Apple, was vor allem iPhone-Nutzer betraf. „Die gesamte Industrie arbeitet konstruktiv zusammen, um dieser Herausforderung zu begegnen“, erklärte Meta am Mittwochabend.

Gründer Mark Zuckerberg sagte in der Telefonkonferenz: „Ich versuche das Unternehmen dazu zu bewegen, sich schneller an den Wandel anzupassen.“ Der Markt sei jedoch sehr kompetitiv. „Wir arbeiten konsequent daran, uns immer weiter zu verbessern.“ Daran habe sich seit der Gründungszeit in seinem Zimmer im Studentenwohnheim nichts geändert.

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    Meta-Aktie verliert vier Prozent

    Die Meta-Aktie lag nachbörslich rund vier Prozent im Minus, an der Wall Street geht die Sorge vor einem weiteren Absacken der Tech-Werte um. Erst in der vergangenen Woche hatten Snap und Twitter alarmierende Zahlen vorgelegt. Am Dienstagabend hatten dann solide Ergebnisse bei Microsoft und das entgegen dem Trend wachsende Werbegeschäft bei Google für vorsichtige Erleichterung am Tech-Markt gesorgt.

    „Die Rückschläge für Meta reißen nicht ab“, kommentiert Analystin Laura Hoy vom Finanzhaus Hargreaves Lansdown. „Die wenig beeindruckenden Ergebnisse bestätigen die Befürchtungen, dass die Werbeeinnahmen versiegen.“ Hoy sah „wenig Grund zur Freude: Rückgänge und Enttäuschungen an allen Ecken und Enden, einschließlich eines trüben Ausblicks für das dritte Quartal“. Zwar sei die Zahl der Nutzer von Metas App-Familie weiter gestiegen, „wenn auch langsam, und das Unternehmen ist immer noch schuldenfrei. Aber ansonsten waren die Zahlen düster“, so das Urteil der Analystin.

    Meta droht neben dem Umsatzrückgang und Gewinneinbruch zudem auch Ärger mit den Kartellbehörden. US-Wettbewerbshüter nehmen erstmals die starke Marktposition des Konzerns im Geschäft mit der virtuellen Realität (VR) ins Visier. Die US-Kartellbehörde FTC zieht vor Gericht, um den Kauf der Entwicklerfirma Within durch Meta zu verhindern. Analystin Hoy sagt, das sei „nicht nur ein Ärgernis für Zuckerbergs Vision einer digitalen Zukunft, sondern ein Schuss vor den Bug der gesamten Branche“. Deren Großkonzerne, darunter auch Google, strebten nach Monopolstellungen.

    Das Metaverse als Kostentreiber

    Laut Raj Shah vom Beratungshaus Publicis Sapient trugen fünf Faktoren zum Gewinnrückgang im zweiten Quartal bei: die Konkurrenz durch Tiktok, die reduzierten Werbeausgaben im wirtschaftlichen Abschwung, die Apple-Datenschutzänderungen, Rufprobleme und Fragen zur Zukunft der Meta-Führung.

    Tatsächlich wird sich an der Spitze des Konzerns einiges ändern. Organisationsvorständin Sheryl Sandberg, lange die Nummer zwei nach Zuckerberg, verlässt das Unternehmen im September. Finanzvorstand David Wehner leitet künftig die Konzernstrategie. Neue Finanzchefin wird Susan Li, bisher die Vizeleiterin des Finanzbereichs.

    „Metas große Wette auf das Metaverse wird noch über Jahre hinweg ein Kostentreiber sein“, glaubt Berater Shah. Zu erwarten sei, dass sich der Niedergang von Meta fortsetzen wird, bis der Konzern das Metaverse monetarisieren könne. Digitale Werbung bleibe ein unterbewerteter Wachstumsmarkt.

    Zuckerberg hatte 2021 das Ziel ausgegeben, eine virtuelle Welt – das „Metaverse“ – als Vernetzung verschiedener sozialer Internetplattformen zu etablieren, und änderte den Firmennamen von Facebook in Meta. Viele Branchenbeobachter zweifeln seither an der Umsetzbarkeit der Vision.

    Umstrittener Übernahmeplan

    In der sogenannten virtuellen Realität können Nutzer mit Spezialbrillen in digitale Welten eintauchen. Zuckerberg setzte früh auf das Geschäft, kaufte 2014 den VR-Brillen-Pionier Oculus. Die Firma Within, deren Übernahme durch Meta die FTC nun verhindern will, betreibt die VR-Fitness-App „Supernatural“. Die Aufsicht FTC argumentiert, Meta mit seinem „VR-Imperium“ wolle den neuen Markt durch den Aufkauf besetzen statt mit eigenen Angeboten.

    Die Übernahme könne zu weniger Wettbewerb und potenziell höheren Preisen führen, heißt es in der am Mittwoch eingereichten Klage. „Und Meta wäre einen Schritt näher am ultimativen Ziel, das gesamte ,Metaverse‘ zu besitzen.“ Der Konzern übernahm in den vergangenen Jahren mehrere VR-Spezialisten, unter anderem den Betreiber der auf Bewegung ausgelegten App „Beat Saber“. Laut einem Medienbericht will Meta für Within im Herbst über 400 Millionen Dollar bezahlen.

    Meta konterte, die FTC-Klage stütze sich auf „Ideologie und Spekulationen“ statt Fakten. Die Idee, dass die Übernahme wettbewerbsfeindlich wäre, sei „unglaubwürdig“, sagte ein Konzernsprecher dem Technologieblog „The Verge“.

    Die FTC fährt unter ihrer neuen Chefin Lina Khan einen härteren Kurs gegenüber den großen Tech-Konzernen, die in den USA lange von einer eher laschen Wettbewerbsaufsicht profitiert hatten. Am Donnerstag legt der Tech-Gigant Apple Zahlen vor.

    Mit Agenturmaterial.

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