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22.11.2022

09:42

Fintech

New Yorker Investor schnappt sich Berliner Wagniskapitalgeber

Von: Nadine Schimroszik

Motive Partners kauft den erst in diesem Jahr gegründeten Fonds des Fintech-Experten Ramin Niroumand. Experten erwarten weitere Übernahmen in dem Bereich.

Der Gründer von Embedded Capital verkauft das Unternehmen an Motive Partners. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Ramin Niroumand

Der Gründer von Embedded Capital verkauft das Unternehmen an Motive Partners.

Berlin Erstmals seit Ausbruch des Ukrainekriegs kommt es in der deutschen Start-up-Szene zur Übernahme eines Wagniskapitalgebers. Der auf Fintechs spezialisierte Berliner Fonds Embedded Capital des Finleap-Gründers Ramin Niroumand wird vom New Yorker Wagniskapitalgeber Motive Partners erworben. Das teilten beide Firmen am Dienstagmorgen mit.

Zum Kaufpreis wollten sich beide Seiten nicht äußern. Zusammen wollen sie künftig Firmenkreisen zufolge bald auf ein verwaltetes Vermögen von fast 300 Millionen Euro kommen. „Wir waren sehr zufrieden mit unseren Investitionen und unserem Fundraising und nicht auf der Suche nach einem Partner. Aber wenn man die Chance bekommt, etwas wirklich Großes zu bauen, dann muss man sie annehmen“, sagte Niroumand dem Handelsblatt.

Niroumand hat den Fonds für Frühphaseninvestments erst Anfang des Jahres gegründet und seither neun Beteiligungen getätigt. Diese flossen unter anderen in Bezahl.de, den Anbieter von digitalen Firmenkreditkarten Pliant und die frühere Corona-App Luca, die inzwischen ein Bezahlangebot betreibt. Zu den Investoren in Embedded Capital gehören unter anderen Lakestar-Gründer Klaus Hommels und Wefox-Chef Julian Teicke.

„Jetzt kann sich Ramin wieder aufs Investieren konzentrieren“, sagte Hommels über den Verkauf. Und zwar auf globaler Ebene, was vorher nicht möglich gewesen sei. Niroumand soll wie das gesamte Team für Motive arbeiten und eine Führungsposition übernehmen.

Auch Teicke begrüßte die Akquisition: „Ramin hat früh die Fintech-Landschaft in Deutschland geprägt. Dass ein Unternehmer wie er nun auch globale Unterstützung bekommt, kann nur gut für das Ökosystem sein.“

2014 hatte Niroumand gemeinsam mit Jan Beckers Finleap gegründet – einen Inkubator für Start-ups, die digitale Geschäftsmodelle im Finanzbereich verfolgen, sogenannte Fintechs. Dabei hat Niroumand den Aufstieg vieler renommierter Jungfirmen wie der Solarisbank und des Versicherungsspezialisten Clark mitverantwortet.

Im Gegensatz dazu konnte man bisher von Motive Ventures noch nicht viel hören. Dem Fonds steht Mariano Belinky vor, Gründer des Wagniskapitalgeschäfts der spanischen Großbank Santander. Bisher hat Motive Ventures aber lediglich in fünf kaum bekannte Start-ups investiert.

Aktuell befindet sich die Fintech-Szene in einer schwierigen Situation. Nachdem im vergangenen Jahr noch Rekordsummen in die Start-ups flossen, ist es dieses Jahr deutlich schwieriger, Geldgeber zu überzeugen. Das dürfte mittelfristig einige Jungfirmen in Bedrängnis bringen.

Fintechexperten wie Peter Barkow rechnen damit, dass dies Zusammenschlüsse wahrscheinlicher macht: „Eine Konsolidierung beschleunigt sich immer dann, wenn die Finanzierungsmärkte schwach sind“, sagt Barkow. So ging in diesem Jahr bereits das Berliner Fintech Penta an den französischen Wettbewerber Qonto; Kontist wurde von der dänischen Ageras Group übernommen.

Große Unternehmen könnten die Gelegenheit nun verstärkt nutzen, um sich mit Zukäufen zu stärken, sagt Barkow. „Dazu passt ideal das Zitat von Ayrton Senna, der gesagt hat, dass er bei Sonnenschein keine 15 Autos überholen könne, bei Regen hingegen schon.“

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