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10.01.2022

17:44

Gaming

Take Two kauft Browsergame-Anbieter Zynga für zwölf Milliarden Dollar

Von: Alexander Möthe, Felix Holtermann

Zynga hat nach Problemen den Wandel zum Mobile Gaming erfolgreich vollzogen, profitiert von der Pandemie – und vom Metaverse. Take Two wettet damit auf die Zukunft.

Der einstige Star der Browsergame-Branche hat sich spätestens im weltweiten Lockdown und dem damit verbundenen Spiele-Boom wieder in die erste Reihe gezockt. AP

Zynga-Zentrale in San Francisco

Der einstige Star der Browsergame-Branche hat sich spätestens im weltweiten Lockdown und dem damit verbundenen Spiele-Boom wieder in die erste Reihe gezockt.

Düsseldorf/New York Der Publisher des Videospiel-Bestsellers „Grand Theft Auto“, Take Two Interactive, übernimmt den Spieleanbieter Zynga. Bei dem Deal werde der Macher von Browser‧games wie der „Farmville“-Reihe mit mehr als zwölf Milliarden Dollar bewertet, teilte der US-Konzern am Montag mit. Das ist deutlich mehr als nach dem Börsengang 2011, als am Jahresende rund neun Milliarden Dollar Börsenwert zu Buche standen.

Die ausstehenden Zynga-Aktien würden für 9,86 Dollar je Papier erworben. Das entspricht einem Plus von mehr als 64 Prozent zum letzten Schlusskurs. Die Übernahme solle bis Ende Juni abgeschlossen sein, hieß es. Zynga selbst verdient vor allem mit Verkäufen innerhalb seiner Spiele Geld: Die Spieletitel selbst sind für Nutzer kostenfrei, Zusatzinhalte oder Spielressourcen können käuflich erworben werden.

Die Anleger an der New Yorker Börse reagierten nach Handelseröffnung gespalten auf die Nachricht: Zynga-Aktien legten um 46 Prozent zu, die Papiere von Take Two gaben um 13 Prozent nach.

Einen Grund für den skeptischen Blick mancher Investoren liefert die bisherige Entwicklung von Zynga: Nach der Hype-Phase um den Börsengang rutschte der Spieleanbieter, der eng mit Facebook zusammenarbeitete, Mitte der 2010er-Jahre in eine Umsatzkrise. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, die Umstellung auf Mobilgeräte und den Abschied von der Flash-Plattform verpasst zu haben.

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    2020 vermeldete das Unternehmen einen Umsatz von 1,97 Milliarden Dollar, bei einem operativen Verlust von rund 370 Millionen Dollar. Im selben Jahr übernahm Zynga das Istanbuler Studio Peak für 1,8 Milliarden Dollar, um sich den Zugriff auf neue, beliebte Handyspiele zu sichern. Der Markt für „mobile Games“, die auf Smartphones gespielt werden, gilt als schnelllebiger als der klassische Spielemarkt: Nutzer sind weniger markentreu und wechseln schneller zum nächsten Hype-Spiel.

    Grafik

    Die Spiele des Konzerns aus San Francisco verzeichnen nach eigenen Angaben monatlich etwa 134 Millionen Spieler. Auch deshalb galt Zynga schon seit Längerem als Übernahmekandidat. Im Dezember hatte das US-Investmenthaus MKM Partners Zynga als „Top-Übernahmeziel“ bezeichnet. Für 2022 seien wichtige Neuerscheinungen zu erwarten, auch sei der Cashflow aufgrund der Einzahlungen der vielen aktiven Spieler hoch, so die Einschätzung von MKM.

    Aus Sicht von Marktbeobachtern geht Take Two mit der Übernahme eine Wette auf die Zukunft des Spielemarkts ein. Take-Two-Vorstandschef Strauss Zelnick betonte am Montag die Bedeutung des „Mobile Games“-Markts, der mit der Zynga-Übernahme die Hälfte des Take-Two-Geschäfts ausmachen wird.

    Die Übernahme werde das eigene Geschäft „erheblich diversifizieren und unsere führende Position im Mobilfunkbereich, dem am schnellsten wachsenden Segment der interaktiven Unterhaltungsbranche, festigen“, so Strauss. Der weltweite Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie und die Suche nach Zeitvertreib haben insgesamt für deutlich mehr Nutzerwachstum bei Mobilspieleanbietern geführt.

    Davon profitierte auch Zynga, wo nach früheren Kündigungswellen inzwischen wieder mehr als 2200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Zudem spekuliert der Softwarehersteller darauf, aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Facebook in der Vergangenheit auch am Boom um das Metaverse-Projekt des Social-Media-Pioniers teilzuhaben.

    Daran anknüpfend hoffen große Spiele-Publisher wie Take Two auf einen Boom sogenannter „Non-fungible Tokens“ (NFTs), digitale Güter wie Ausrüstung oder besondere Optiken, die Spieler teuer bezahlen sollen. Im Markt für Mobilspiele sind derlei Bezahlansätze weiter verbreitet als auf Konsolen und am PC, auch weil auf Smartphones digitale Bezahldienste meist fest integriert sind.

    Das pandemiebedingte Wachstum der Spielebranche hat bereits zu einem Boom bei Fusionen und Übernahmen geführt, der nun auch die Zynga-Bewertung angetrieben haben dürfte.

    Laut des US-Analysehauses InvestGame stieg das Volumen von Fusionen und Übernahmen in der Spieleindustrie in den ersten drei Quartalen 2021 auf über 52 Milliarden Dollar. Zu den Hauptkäufern zählten die Take-Two-Konkurrenten Sony, Electronic Arts, Tencent und Embracer. Das Volumen lag damit zweieinhalb mal so hoch wie noch 2020.

    Da die Videospielindustrie in der Pandemie besser abgeschnitten habe als viele andere Branchen, würden institutionelle wie Privatinvestoren die Spielebranche zunehmend als „sichere Bank“ ansehen, so das Argument der InvestGame-Analysten.

    Take Two mit Sitz in New York ist im S&P 500 gelistet und zählt damit zu den wirtschaftsstärksten US-Börsenunternehmen. Der Konzern vertreibt zu einem großen Teil in zum Unternehmen gehörenden Studios entwickelte Spiele und wächst seit geraumer Zeit stetig über Zukäufe. Neben der „GTA“-Reihe zählt die Basketball-Simulation „NBA2K“ zu den wertvollsten Marken von Take Two. Der Zynga-Kaufbetrag soll in Cash und Aktien beglichen werden.

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