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25.01.2023

12:40

Handelsblatt-Konferenz Sicherheit und Verteidigung

105 Drohnen für die Ukraine – Münchener Start-up erhält weiteren Millionenauftrag

Von: Larissa Holzki

Ein neuer Auftrag deutet darauf hin, dass sich die Quantum-Systems-Drohnen bewährt haben. Auf der Handelsblatt-Sicherheitskonferenz berichtet CEO Seibel, was seine Firma im Krieg gelernt hat.

Sie sind am Himmel kaum sichtbar: Die Ukraine hat weitere 105 Vector-Drohnen von Quantum Systems bestellt, um die russischen Stellungen aufzuklären. Quantum Systems

Aufklärungsdrohne

Sie sind am Himmel kaum sichtbar: Die Ukraine hat weitere 105 Vector-Drohnen von Quantum Systems bestellt, um die russischen Stellungen aufzuklären.

Berlin Das Münchener Drohnen-Start-up Quantum Systems erhält einen Millionenauftrag aus der Ukraine. „Wir werden 105 weitere Vector-Drohnen liefern“, sagte Quantum-Chef Florian Seibel am Mittwoch auf der Handelsblatt-Konferenz „Sicherheit und Verteidigung“ in Berlin. Der Auftragswert soll knapp 20 Millionen Euro betragen und wird im Rahmen der Ukrainehilfe vom Bund finanziert.

Bisher verfügen die ukrainischen Streitkräfte über 40 Aufklärungsdrohnen von Quantum-Systems. Sie werden eingesetzt, um mit Videoaufnahmen die gegnerische Artillerie und Truppenbewegungen aufzuklären. Sie sind für die Ukrainer ein wichtiges Hilfsmittel, um ihre Ziele zu treffen.

Drohnen haben für die Aufklärung an der Front eine große Bedeutung. Anders als in früheren Kriegen stehen sich die Soldaten dort nicht mehr direkt gegenüber, sondern in vielen Kilometern Entfernung. Sie können oft nicht sehen, was auf der anderen Seite steht.

Drohne muss im Krieg ohne GPS auskommen

Die Vector-Drohnen sehen aus wie kleine Flugzeuge und haben eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern. Das decke sich in etwa mit der Artillerie, sagt Seibel. Mit der neuen Lieferung könne die Ukraine künftig ein Lagebild über die gesamte Frontlinie erstellen.

Hans-Lothar Domröse, ehemaliger General des Heeres der Bundeswehr, betonte bei der Handelsblatt-Konferenz die Bedeutung der Flugkörper im Krieg in der Ukraine: „Der große Vorteil von Drohnen ist, dass sie bei der Aufklärung kein Menschenleben in Gefahr bringen.“

Zugleich sei es durch die neue Technologie möglich, „über Hügel, hinter Häuser, um die Ecke“ zu schauen und damit ein viel besseres Lagebild zu erstellen als je zuvor. Dabei bliebe man selbst mit der Drohne so gut wie unsichtbar: Die Drohnen seien schwer aufklärbar, also kaum vom gegnerischen Radar zu erfassen.

Die erneute Großbestellung wertet Quantum-Systems-Gründer Seibel als Qualitätssiegel für seine Drohne. Dabei räumt er aber auch ein, dass sein Team nach den ersten Erfahrungen unter Kriegsbedingungen zunächst technologisch nachrüsten musste. Die Drohnen des 2015 gegründeten Start-ups kommen in der Ukraine erstmals in einem militärischen Kontext zum Einsatz. „Unsere wichtigste Lektion war, dass die Drohne auch ohne GPS-Signal zurechtkommen muss“, sagt er. Denn die russischen Streitkräfte seien in der Lage, die Signale elektronisch zu stören.

Jetzt liefen die Kommandos und Videobilder per Datenlink über eine Funkverbindung. Damit könne das System gegnerische Soldaten und Waffensysteme zwar nur auf 100 Meter genau orten. Allerdings könnten die Ukrainer mithilfe von eigenen Luftbildaufnahmen oder Google-Maps-Karten dann die konkreten Koordinaten selbst bestimmen.

Wagniskapitalgeber schrecken oft vor Rüstungsprojekten zurück

Auf Basis der Erfahrungen in der Ukraine arbeite Quantum Systems bereits an einem Nachfolgemodell der Vector-Drohne. Dieses soll dem Drohnenpilot mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz vorschlagen können, welche Objekte er genauer oder länger beobachten sollte. Dadurch soll es laut Seibel auch möglich sein, dass ein Mensch mehrere Drohnen gleichzeitig steuert und die Aufklärung überwacht.

Obwohl viele neuartige Technologien zu Verteidigungszwecken eingesetzt werden könnten, ist Quantum Systems eins von ganz wenigen deutschen Start-ups im Rüstungssektor. Das hat mehrere Gründe: Einerseits sind die Einstiegshürden für junge Unternehmen hoch. Oft erfüllen die Start-ups nicht die in den Ausschreibungen des Bundeswehrbeschaffungsamts genannten Anforderungen.

Andererseits schrecken viele Gründende vor dem Reputationsrisiko zurück oder haben ethische Vorbehalte gegen militärische Verwendungszwecke. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass aufseiten der Wagniskapitalinvestoren die allermeisten Firmen eine militärische Verwendung ihrer Investitionen ausgeschlossen haben.

Quantum Systems hat dennoch klassische Wagniskapitalgeber gefunden. Das dürfte auch daran liegen, dass die Firma bisher eine Bewaffnung ihrer Drohnen ausschließt. Zu den Geldgebern zählen die Münchener 10X Group, Project A aus Berlin und Thiel Capital, eine Investmentfirma des deutsch-amerikanischen Tech-Investors Peter Thiel.

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