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07.04.2022

19:21

Hauptversammlung

Nach Lehner-Abschied: Stolperstart für neuen Chefaufseher der Telekom

Von: Philipp Alvares de Souza Soares

Post-Chef Frank Appel soll künftig den anderen Bonner Dax-Konzern kontrollieren – doch viele Aktionäre trauen ihm die Doppelbelastung nicht zu. Am Ende fällt das Votum deutlich aus.

Lehner ist bei der Telekom eine Legende. Reuters

Timotheus Höttges und Ulrich Lehner

Lehner ist bei der Telekom eine Legende.

Bonn In Bonn ging am Donnerstag eine Ära zu Ende. Ulrich Lehner, der dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom 14 Jahre lang vorsaß, begrüßte die Aktionäre zum letzten Mal zur Hauptversammlung.

Lehner ist bei der Telekom eine Legende. In einem Dankesvideo, das Vorstandschef Höttges für ihn abspielen ließ, machten Management und Aufsichtsrat den hohen Respekt deutlich, den Lehner im Konzern genießt. Selbst der selbstbewusste Höttges bekannte darin, dass er zu seinem Antritt „als Jungspund etwas verängstigt“ gewesen sei. Lehner witzelte später lächelnd, so viel Lob „nicht gewohnt“ zu sein.
Sein designierter Nachfolger Frank Appel startete indes eher unglücklich in einer Rechtfertigungspose. Gleich mehrere Aktionärsvertreter – etwa von der Deutsche-Bank-Tochter DWS oder Union Investment – kündigten auf der Hauptversammlung an, gegen seine Ernennung zu stimmen. Der Grund: Appel will für rund ein Jahr parallel der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post bleiben.
Diese Ämterhäufung hatte schon im Vorfeld für Kritik gesorgt, da sie den Empfehlungen des Corporate Governance Kodex widerspricht. Gerade bei einem Unternehmen mit Staatsbeteiligung, so der Tenor der Kritiker, sei das ein fragwürdiges Signal. Schließlich ist das Regelwerk auf Initiative des Bundesjustizministeriums entstanden. „Zwei Spitzenposten sind einer zu viel“, monierte etwa Henrik Pontzen von Union Investment. Auch wenn Appels Qualifikation unbestritten sei.

Großaktionäre sehen kein Problem

Da half es auch nicht, dass der Post-Chef im Rahmen seiner Vorstellung zusicherte, ab Juli auf einen Teil seiner Pflichten dort verzichten zu wollen. Zudem, so Appel, habe er drei Jahre erfolgreich die Post und parallel den Aufsichtsrat der Postbank geleitet.
Lehner betonte den Zeitvorteil, da sein Nachfolger bei Bonn wohne und die Zentrale der Post ja auch nicht weit sei. „Verfügbare Kandidaten dieses Kalibers sind rar“, so Lehner.

Die meisten Aktionärsvertreter, wie Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, waren nicht überzeugt. Appel müsse parallel einen globalen Logistikkonzern führen, sagte Speich dem Handelsblatt. Das sei gerade angesichts des Ukrainekriegs ein äußerst herausfordernder Job.
Appels Ernennung war indes nicht wirklich gefährdet, da die wichtigsten Großaktionäre wie die Bundesregierung trotzdem für ihn stimmen wollten. So wurde er schließlich gegen 19 Uhr mit knapp 84 Prozent der Stimmen des anwesenden Grundkapitals in den Aufsichtsrat gewählt. Dieser ernannte ihn später zu seinem Vorsitzenden.

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    Ambitionierte Pläne für Glasfaserausbau und US-Geschäft

    Telekom-Chef Höttges nutzte die Hauptversammlung, um seine ambitionierten geschäftlichen Ziele zu bestätigen. Auf beiden Seiten des Atlantiks will der Konzern wachsen. In den USA vor allem bei Geschäftskunden und auf dem Land, wo der Marktanteil der Tochter T-Mobile US bislang unter 20 Prozent liegt. Beim Glasfaserausbau in Deutschland sollen innerhalb von zwei Jahren nun „deutlich mehr“ als zehn Millionen Anschlüsse gelegt werden.

    Das bereinigte Ergebnis je Aktie will Höttges von aktuell 1,22 Euro bis 2024 auf 1,75 Euro steigern. Dann will die Telekom, deren Verschuldung zuletzt auf den Rekordwert von 132,1 Milliarden Euro gestiegen war, auch wieder die eigenen Grenzwerte in Sachen Verbindlichkeiten einhalten. Höttges sprach bezüglich der Kredite von „einer Riesensumme“, für die man sich aber langfristig günstige Zinskonditionen gesichert habe. Abhilfe könnte hier der Verkauf der konzerneigenen Funktürme schaffen, für die es am Markt „eine extrem hohe Nachfrage“ gebe, so Höttges.

    Projekt für schnelles Internet im Zug

    Zu Beginn der Versammlung hatte er das Projekt „Schwarzer Schäferhund“ vorgestellt. Die Telekom will zusammen mit der Deutschen Bahn die Mobilfunkversorgung in Zügen endlich zuverlässiger machen. Dafür werden Repeater auf den Dächern der Waggons installiert und die Scheiben gelasert.

    Die Dividende der Telekom für das vergangene Geschäftsjahr stieg um lediglich vier Cent auf 64 Cent je Aktie. Diese „knausrige Dividendenpolitik“ (Deka-Mann Speich) wurde von mehreren Aktionären kritisiert. Die großen Erfolge in den USA, hieß es, kämen nicht bei den deutschen Anteilseignern an.

    Die Hauptversammlung der Telekom war die erste eines Dax-Konzerns, die seit Beginn der Coronapandemie wieder als Präsenzveranstaltung stattfand. Offiziellen Angaben zufolge waren gut 1500 Aktionäre angereist.

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