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16.02.2022

14:57

HV Capital

Der Trick mit dem Continuation-Fonds: Warum Flixbus jetzt mehr Zeit für den Börsengang hat

Von: Larissa Holzki

Mit einem neuen Fonds will der Münchener Start-up-Investor HV Capital ein altes Dilemma lösen. Start-ups sollen mehr Flexibilität für den Verkauf bekommen.

Der Reiseanbieter wurde stark von der Pandemie getroffen. Der jüngste Einbruch der Tech-Aktien hat zudem die Aussichten auf einen erfolgreichen Börsengang verschlechtert. dpa

Flixbus

Der Reiseanbieter wurde stark von der Pandemie getroffen. Der jüngste Einbruch der Tech-Aktien hat zudem die Aussichten auf einen erfolgreichen Börsengang verschlechtert.

Düsseldorf Der Druck auf Flix Mobility steigt seit Monaten: Das Start-up, das hinter Flixbus und Flixtrain steht, ist mehr als zehn Jahre alt, frühe Investoren wollen bald ihre Rendite sehen. Doch in der Pandemie und nach dem Absturz der Tech-Aktien ist der Zeitpunkt schlecht für einen Börsengang des Mobilitätsanbieters.

Es ist ein altes Problem in der Start-up-Finanzierung, für das der Flix-Investor HV Capital jetzt eine neue Lösung ausprobiert: einen sogenannten Continuation-Fonds. Das Konzept ist in Deutschland bisher noch unbekannt, hat aber das Potenzial zum Erfolgsmodell.

Konkret wird dabei frisches Geld für einen neuen Fonds eingesammelt, um ein komplettes bestehendes Portfolio von Firmen zu übernehmen. Bei dieser Umschichtung können Altinvestoren aussteigen oder sich für eine Verlängerung ihres Investments entscheiden.

Vor allem aber nimmt es Firmen und ihren Investoren den Druck, um jeden Preis einen Börsengang oder Verkauf anzustreben. Flix Mobility und anderen Firmen im Portfolio von HV Capital bekommen so fünf weitere Jahre Zeit, Geld an die Investoren zurückzugeben.

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    Flix Mobility ist ein typischer Fall. Die Zeitpläne der Investoren passen oft nicht mit der realen Entwicklungsgeschwindigkeit von Start-ups zusammen. „Die großen Unternehmenswerte werden nicht immer innerhalb von Zehnjahreszyklen generiert, sondern oft im Zeitraum von acht bis 15 Jahren“, sagt David Kuczek, General Partner bei HV Capital. Das sei auch durch Studien belegt.

    Beteiligungen länger halten für größtmögliche Rendite

    Im Grunde stecken Investmentmanager wie er in einem ähnlichen Dilemma wie die Firmen selbst: HV Capital hat mit seinem fünften Fonds in Flix Mobility investiert, der 2012 gestartet ist. Vereinbarungen mit den eigenen Geldgebern sehen vor, diese bald auszuzahlen. Aber Kuczek hat ein Interesse, die Anteile an der Firma noch länger zu halten, um die größtmögliche Rendite herauszuholen. Das gilt umso mehr, weil es um das wohl aussichtsreichste Start-up im Portfolio geht.

    Das neue Vehikel soll aber nicht nur Flix mehr Zeit verschaffen. 430 Millionen Euro hat HV Capital eingesammelt, mit denen die Münchener Wagniskapitalfirma sich praktisch sämtliche Beteiligungen zweier Fonds sowie eines Co-Investment-Fonds selbst abkaufen kann. Zudem soll ein Teil des Kapitals für mögliche Folgefinanzierungen bereitgestellt werden.

    Zu den Firmen, bei denen HV Capital noch auf größere Gewinne hofft, gehören der Personaldienstleister Studitemps, der Weiterbildungsanbieter Lecturio, die Marketingfirma Global Savings Group und der Zahlungsdienstleister Sumup.

    Das Geld kommt unter anderem von dem für solche Deals bekannten Ankerinvestor Harbourvest sowie von LGT Capital Partners, Family-Offices und Finanzinstituten. Diese neuen Investoren erwarten nun noch mal eine Verdopplung bis Verdreifachung ihres Investments, sagt Kuczek.

    Bei Kontinuitätsfonds drohen stets Interessenkonflikte

    Die größte Herausforderung bei Kontinuitätsfonds sind die unvermeidlichen Interessenkonflikte. „Die Altinvestoren erwarten einen angemessenen Preis. Neuinvestoren erwarten attraktive Einstiegspreise, um eine Rendite zu erwirtschaften“, sagt Kuczek.

    „Der Interessenkonflikt ist dann besonders groß, wenn Unsicherheit über die Werthaltigkeit der eigenen Portfoliofirmen besteht“, sagt auch ein Branchenkenner, der sich nicht namentlich in der Sache äußern wollte. HV Capital habe möglicherweise Informationen über das Interesse anderer Finanzinvestoren und ihre Gebote bei einer anstehenden weiteren Finanzierungsrunde, gibt er zu bedenken.

    Um diesen Konflikt zu lösen, hat sich HV Capital vom Finanzberater Campbell Lutyens unterstützen lassen, der den Marktpreis für die Gesamtheit der Portfoliofirmen in einer Auktion ermittelt hat. Dieser Preis liegt laut Kuczek etwas über dem Buchwert, den die Firmen gemäß ihren jüngsten Finanzierungsrunden innehaben.

    Der Branchenkenner wertet diese Maßnahme ebenso als positives Zeichen wie die Entscheidung von HV Capital, selbst an sämtlichen eigenen Beteiligungen festzuhalten. Das Investmentteam beteiligt sich mit mehr als zehn Prozent an dem neuen Vehikel.

    Altinvestoren hatten Glück beim Timing

    Wenn HV Capital die Transaktion für alle Beteiligten gut managt, sieht der Experte den Fonds als potenzielles Erfolgsmodell für weitere Wagniskapitalfonds in Deutschland. „Es ist wichtig, dass es ein Ökosystem gibt, in dem Firmen wachsen können, bis sie reif für einen Börsengang oder Verkauf sind.“

    Die Idee zum neuen „Coco Growth Fonds“ verfolgt HV Capital bereits seit vielen Monaten. Sie entstand, lange bevor sich der Absturz der Tech-Aktien ankündigte. Doch jetzt können die Investoren umso erleichterter sein: „Es ist gut, dass wir jetzt nicht gezwungen sind, bei Portfoliofirmen auf einen Börsengang zu drängen oder unsere Beteiligungen auf dem Zweitmarkt zu verkaufen“, sagt Kuczek.

    Dank des neuen Fonds hätten die Bestandsinvestoren unabhängig von der aktuellen Marktsituation eine attraktive Rendite erhalten. Die Konditionen wurden noch abgeschlossen, bevor die Kurse gefallen sind.

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