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12.05.2022

19:41

Internet

Multisearch: Google will die Internetsuche neu erfinden

Von: Stephan Scheuer

Produkte in der Nähe per Foto suchen: Googles Such-Upgrade könnte konkreten Nutzen im Handel haben – und ein Comeback des Google Glass bedeuten.

Der Topmanager von Google will die Suche des Konzerns schlauer machen.

Prabhakar Raghavan

Der Topmanager von Google will die Suche des Konzerns schlauer machen.

San Francisco Sein Wasserhahn habe getropft, ein Teil war defekt, erklärt Prabhakar Raghavan. Der Chef des Geschäftsbereichs Suchmaschine beim Digitalkonzern Google erzählt bei der jährlichen Entwicklerkonferenz I/O im kalifornischen Mountain View davon nicht, um sein Leid zu klagen. Vielmehr geht es ihm um ein Beispiel für den Nutzen einer Suchfunktion abseits der klassischen Recherche per Schlagworten.

Er habe einfach nicht gewusst, wie das defekte Rohr heißt, sagte Raghavan. Doch er machte ein Foto davon und recherchierte per Google-Suche nach vergleichbaren Produkten von Händlern in der Nähe. „Ich weiß bis heute nicht, wie das Teil heißt“, sagte Raghavan. Aber er hat es.

Google dominiert die globale Websuche. In Deutschland macht der Konzern mehr als 90 Prozent des Suchgeschäfts im Internet aus. Und die Suche dominiert bei Google: Allein im ersten Quartal dieses Jahres machte der Konzern mit der Suche und damit verbundener Werbung einen Umsatz von fast 40 Milliarden Dollar. Spitzenmanagern wie Raghavan und seinem Team von der Entwicklung kommt innerhalb des Konzerns eine Schlüsselrolle zu.

Nun wollen sie in der erfolgreichen Websuche das nächste Upgrade implementieren. „Die Suche im Internet sollte nicht auf die Eingabe von Schlüsselbegriffen in einem Suchfenster beschränkt sein“, sagte Raghavan. Künftig werde sich in jeder erdenklichen Form suchen lassen, ob mit Bildern, Geräuschen oder anderen Sinneseindrücken.

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Standort erkennen

    Was die Funktion schon heute leistet, zeigte Raghavan an einem anderen Beispiel. Fotos ließen sich mit dem Zusatz „near me“ (auf Deutsch: „bei mir“) kombinieren, um nach vergleichbaren Gegenständen in der Umgebung zu suchen. Das könne etwa auch ein Foto von einem besonderen Essen sein, um damit Restaurants in der Nähe angezeigt zu bekommen, die genau dieses Gericht anbieten.

    Mit der Funktion „scene exploration“ soll sich die direkte Umgebung erkunden lassen. Um das zu illustrieren, führte Raghavan vor, wie eine Smartphonekamera ein Verkaufsregal mit Schokoladentafeln filmte. Die neue Suchfunktion ermöglichte es, die eine Tafel auszuwählen, die keine Nüsse enthält.

    Die Funktion soll in diesem Jahr zunächst in Englisch und dann in weiteren Sprachen implementiert werden. Ein Datum für den Start einer deutschsprachigen Version gab es zunächst noch nicht.

    Die Erweiterung der Google-Suche sei wichtig, urteilte Analyst Mark Mahaney von der Investmentbank Evercore ISI. „Diese Technologie könnte Ihnen helfen, eine hochbewertete, glutenfreie, lokal produzierte, biologische Sojamilch-Schokoladentafel auszuwählen, indem Sie Ihre Kamera auf das Schokoladenregal Ihres örtlichen Lebensmittelhändlers richten – zweifellos eine wichtige Fähigkeit für das moderne Leben“, schrieb Mahaney. Der Ansatz bereite eine ganze Welt von Diensten vor, die sich erst richtig mit einer smarten Brille nutzen ließen.

    Google Glass war ein Flop

    Vor rund einem Jahrzehnt hatte Google als einer der ersten Tech-Konzerne eine solche Brille auf den Markt gebracht. Doch Google Glass wurde zum Flop. Das 1500 Dollar teure Gadget krankte an technischen Problemen, kam bei etlichen Käufern nicht gut an und wurde für Endverbraucher wieder eingestellt.

    Firmenchef Sundar Pichai wagt nun einen neuen Versuch. Augmented Reality, also die digitale erweiterte Realität, sei der nächste große Schritt für Google. „Die Magie erwacht erst zum Leben, wenn sich diese Techniken in der Realität einsetzen lassen, ohne dass die Technologie im Weg steht“, sagte Sundar Pichai. Mit den Worten leitete er die Präsentation für den Prototypen einer neuen smarten Brille ein.

    Weder zum Preis noch zur Markteinführung und nicht einmal zum Namen des Geräts machte Pichai Angaben. Analyst Mark Mahaney sagte: „Wir fragen uns, ob Google Glass schon bald zurückkommt.“

    Pichai nutze die zweitägige Konferenz zudem für die Ankündigung zahlreicher neuer Hardwaregeräte. Dazu zählt beispielsweise eine smarte Armbanduhr, die Pixel Watch. Sie soll im Herbst auf den Markt kommen. Einen genauen Termin oder Preise nannte Google nicht.

    Es kommt auch ein verbessertes Pro-Modell der Ohrhörer Pixel Buds, und im kommenden Jahr soll es ein neues Pixel-Tablet geben. Das mobile Betriebssystem Android wurde überarbeitet und auch eine neue Generation der Pixel-Smartphones angekündigt.

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