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28.01.2022

05:36

Investmentfonds

Softbank-Schock: COO Marcelo Claure verlässt den Konzern

Von: Martin Kölling

Der Einbruch der Tech-Aktien trifft Softbank bereits hart. Mit Claures Abtritt gerät der japanische Konzern zusätzlich in eine Führungskrise. Auch die Deutsche Telekom ist betroffen.

Hohe Gehaltsforderungen haben Medienberichten zufolge die Beziehung zu Softbank-Gründer Masayoshi Son zerrüttet. Reuters

Softbank-COO Marcelo Claure verlässt das Unternehmen

Hohe Gehaltsforderungen haben Medienberichten zufolge die Beziehung zu Softbank-Gründer Masayoshi Son zerrüttet.

Tokio Die Deutsche Telekom muss sich nach einem neuen Kandidaten für den Aufsichtsrat umschauen. Marcelo Claure, der Chief Operating Officer des japanischen Tech-Investors Softbank und Chef von Softbank Group International (SBGI), verlässt seinen Arbeitgeber.

Beide Seiten hätten in gegenseitigem Einvernehmen eine Trennung beschlossen, teilte Softbank am Freitag mit. Claures Nachfolger bei SBGI, die einen Großteil von Softbanks internationalen Geschäften führt, wird Michel Combes, der bisherige Präsident.

Beide Seiten gaben sich freundlich. „Ich werde ewig dankbar für meine Erfahrungen bei Softbank während der vergangenen neun Jahre sein“, teilte Claure mit, der lange Zeit an der Seite von Softbank-Gründer Masayoshi Son, einem der mächtigsten Investoren der Welt, war. Son sei sein „Mentor und Freund“ gewesen. Auch Son dankte Claure für dessen Hingabe und wünschte ihm „weiterhin Erfolg“.

Einen Grund für die Trennung nannte Softbank nicht. Aber Medienberichten zufolge zerrütteten hohe Gehaltsforderungen Claures die Beziehung mit dem Softbank-Chef. Ende vorigen Jahres sickerte durch, dass der Chief Operating Officer über die kommenden Jahre Zahlungen von rund zwei Milliarden Dollar für seine Arbeit verlangt hatte. Eine derartige Summe kommt in einem Land wie Japan, wo Firmenchefs selten mehr als eine Million Euro pro Jahr verdienen, nicht gut an.

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    Dennoch ist die Trennung ein harter Schlag für Softbank. Denn Claure war nicht nur für den schnell wachsenden Lateinamerika-Fonds Softbanks und die Sanierung des Bürovermittlers WeWork zuständig, sondern auch ein wichtiger Kontakt zwischen Timotheus Höttges, dem Chef der Deutschen Telekom, und seinem japanischen Partner und Großaktionär Son.

    Immerhin hatte Claure Softbanks US-Mobilnetz Sprint in die Fusion mit T-Mobile US, dem erfolgreichen Mobilanbieter der Deutschen Telekom, geführt. Die Unternehmen verwandelten die Fusion sogar mit einer 4,5-prozentigen Beteiligung der Japaner an Deutschlands führendem Telekom-Konzern in eine strategische Partnerschaft. Und Claure sollte als Vorstand Synergien zwischen Softbanks großem Start-up-Reich mit mehr als 300 Unternehmensbeteiligungen und den Diensten der Deutschen Telekom heben.

    Softbank droht neue Führungs- und Nachfolgekrise

    Doch für Softbank ist eine mögliche deutsch-japanische Beziehungskrise nur ein Nebenaspekt. Schlimmer ist, dass der Tech-Investor nun zu einem wirtschaftlich kritischen Zeitpunkt auch noch in eine Führungskrise stürzt. Allein am Donnerstag verlor die Aktie mehr als acht Prozent an Wert, nachdem die US-Notenbank höhere Zinsen angekündigt hatte. Denn Anleger sehen die Technologieunternehmen, deren Aktienkurse Softbanks Gewinne und Verluste bestimmen, als Verlierer der globalen Zinswende.

    Nun verliert Gründer Son in Claure auch seinen Adjutanten, den er gegen große interne Widerstände zum Chief Operating Officer aufgebaut hatte. Der 51-Jährige galt sogar als möglicher Kandidat für eine Nachfolge der inzwischen 64-jährigen japanischen Investorenlegende.

    Tatsächlich hatte Son seit dem Anfang ihrer Geschäftsbeziehungen stark auf Claure gesetzt, dessen Gründung Brightstar in den 1990er-Jahren in Nordamerika mit dem Verkauf gebrauchter US-Handys in Lateinamerika Milliarden scheffelte. Dieser Erfolg ließ den Japaner Son aufhorchen: Als Start-up-Gründer hat er ein Faible für Unternehmertypen.

    Kurzerhand kaufte er Brightstar, weil er Claure in seinen Reihen haben wollte. „Er sieht vielleicht wie ein Bandit aus, aber er ist ein wundervoller Kerl“, beschrieb Son damals seinen Neueinkauf, der die Investorenlegende aus Japan um zwei Köpfe überragt.

    Und der Japaner beließ es nicht bei verbalen Lorbeeren. Sons Vertrauen sei groß genug gewesen, dass er Claure mit der Leitung von Softbank-Tochtergesellschaften betraute, die sich in Schwierigkeiten befanden, erklärt der in Japan ansässige Analyst Kirk Boodry von Redex Research das Verhältnis. Die Sanierung von Sprint war nur der erste Fall.

    Im Konzern war Claure allerdings umstritten. Der Chef des mächtigen Softbank Vision Fund, Rajeev Misra, versuchte sogar, den Manager aus dem Konzern zu drängen. Das schlug zwar fehl, aber Claure hatte damit keinen direkten Zugriff auf den damals fast 100 Milliarden Dollar schweren Fonds.

    Sons großes Problem: Er findet keinen Nachfolger

    Son hielt allerdings an Claure fest und löste den Konflikt auf seine Weise: mit Macht und Geld. Er ernannte Claure zum COO, beteiligte ihn an seinen Investitionsentscheidungen und gab ihm später fünf Milliarden Dollar für einen eigenen Fonds, der sich auf Lateinamerika konzentrierte. Wirtschaftlich startete das Projekt vielversprechend.

    Softbank war der erste Großinvestor, der Südamerikas Start-ups entdeckte. Ohne große Konkurrenz konnte Softbanks Lateinamerikafonds daher schnell wachsen. Im Herbst 2021 hatte Claures Fonds bereits in mehr als 40 Unternehmen investiert. Aber der Bolivianer war damit offenbar nicht zufrieden und verlangte mehr Geld, als Son bereit war zu geben.

    Die Trennung mag folgerichtig sein. Aber der Verlust seines Vertrauten wird auch zu einem Symbol für Sons größte Schwäche: Es gelingt dem Gründer einfach nicht, einen Nachfolger aufzubauen. Denn Claure ist nicht der erste Kandidat, der scheiterte.

    2014 warb er für 130 Millionen Dollar Googles Senior Vice President Nikesh Arora an. Der Inder soll in zwei Jahren mehr als 200 Millionen Dollar bei Softbank verdient haben. Doch nach zwei Jahren war die Liaison vorbei, und Arora zog bei Son aus, mit einer dicken Abfindung auf dem Konto.

    Softbank-Krise: Son muss den Anlegern viel erklären

    Son hat daher seinen Investoren ein weiteres Problem zu erklären, wenn er am 8. Februar Softbanks Bilanz für das dritte Quartal vorstellen wird. Dabei steht er schon wieder unter Druck. Denn der Absturz der Technologieaktien in den USA und auch in China, wo Softbank massiv investiert hat, dürfte hohe Buchverluste verursachen.

    Zudem wird Son hart davon getroffen, dass wahrscheinlich auch der Verkauf seines britischen Chipdesigners Arm an den weltführenden Grafikkartenhersteller Nvidia scheitert. Durch den Deal wollte Nvidia – und indirekt Son als Großaktionär – zum größten Anbieter von Chips für Anwendungen wie Künstliche Intelligenz werden.

    Aber diese Woche sickerte durch, das Nvidia einen Rückzieher machen will. Denn Kartellbehörden leisten Widerstand, da Arm auch ein wichtiger Lieferant für Nvidia-Konkurrenten ist. Als Plan B gilt ein Börsengang Arms. Aber der braucht Zeit und dürfte weniger einbringen.

    Damit könnte Son nun das Geld für neue Investitionen ausgehen – und vor allem für Aktienrückkäufe. Zu Beginn der Coronakrise schaffte er es mit einem riesigen Rückkauf, den Absturz zu wenden und Softbanks Aktienpreis auf neue historische Höhen zu treiben. Doch seit März 2021 hat sich Softbanks Wert wieder mehr als halbiert. Und noch ist unklar, woher Son Geld für eine erneute Wende auftreiben will. Claure wird dabei jedenfalls nicht mehr helfen können.

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