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05.12.2022

06:57

iPhone-Herstellung stockt

Konsequenz aus Unruhen in Foxconn-Werk: Apple will Produktion schneller aus China abziehen

Von: Christof Kerkmann

Die Produktion des aktuellen iPhones läuft wegen Protesten gegen die Coronapolitik holprig. Apple sucht deswegen verstärkt alternative Standorte – insbesondere in zwei Ländern.

Sicherheitskräfte sind Ende November mit Arbeitern des Apple-Zulieferers Foxconn zusammengestoßen. via REUTERS

Proteste vor einer Foxconn-Fabrik (Archiv)

Sicherheitskräfte sind Ende November mit Arbeitern des Apple-Zulieferers Foxconn zusammengestoßen.

Düsseldorf Apple will Teile der Produktion aus China verlegen – und diese Pläne gewinnen offenbar an Dringlichkeit. Der Elektronikhersteller habe in den vergangenen Wochen seine Zulieferer aufgefordert, die Montage von Apple-Produkten in anderen Länder Asiens wie Indien und Vietnam „aktiver“ zu planen, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider.

Damit reagiert der Konzern auf die Unruhen im Werk in Zhengzhou, wo der Auftragsfertiger Foxconn Apple-Produkte herstellt, vor allem das neue iPhone 14. Ende November kam es an dem Standort zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, als Arbeiter gegen die strikten Corona-Beschränkungen und die geringe Bezahlung demonstrierten.

Die Proteste gegen die Null-Covid-Politik haben seitdem zugenommen. Offenbar als Reaktion darauf hoben am Wochenende zahlreiche Großstädte Corona-Regeln auf. In Urumqi – Ausgangsort der Proteste – dürfen Einkaufszentren, Märkte und Restaurants am Montag wieder öffnen, teilten die örtlichen Behörden am Sonntag mit. Auch in Nanning, Hauptstadt der Provinz Guangxi im Süden des Landes, darf die U-Bahn wieder ohne Vorlage eines negativen Tests genutzt werden. In Peking dürfen zudem Medikamente gegen Fieber, Husten und Halsschmerzen wieder ohne namentliche Registrierung gekauft werden.

Dennoch ist weiter unklar, wie sich die vor allem von Staats- und Parteichef Xi Jinping verfochtene harte Coronapolitik weiterentwickeln wird. Experten gehen nicht davon aus, dass es kurzfristig zu einer grundsätzlichen Kehrtwende kommt. Damit dürften auch die Auswirkungen für vor Ort produzierende Unternehmen groß bleiben.

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    Am Beispiel Apple zeigt sich, welche erheblichen Folgen das haben kann: Die Produktionseinbußen könnten sich auf bis zu 20 Millionen Geräte belaufen, wie der Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities schätzt. Das Werk in Zhengzhou zählt mit bis zu 300.000 Mitarbeitern zu den wichtigsten Produktionsstätten des Konzerns.

    Nach Informationen des Analysten lief die iPhone-Produktion im November nur zu 20 Prozent, im Dezember wird sie sich demnach nur auf 30 bis 40 Prozent verbessern. Foxconn versucht derzeit, Arbeiter mit Bonuszahlungen und höheren Gehältern zurück an die Arbeit zu locken.

    Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wird Foxconn die Produktion vor Weihnachten nicht vollständig wieder hochfahren. Das iPhone-Werk werde erst Ende Dezember bis Anfang Januar die Produktion in vollem Umfang wieder aufnehmen können. Foxconn lehnte eine Anfrage von Reuters zur Stellungnahme zunächst ab.

    Die Abhängigkeit von Apple währt schon länger. Um die Jahrtausendwende schloss Apple seine eigenen Werke und lagerte die Produktion an externe Dienstleister aus, die größtenteils in China produzieren. Maßgeblich verantwortlich für diese Strategie war Konzernchef Tim Cook, damals Chief Operating Officer unter Gründer Steve Jobs.

    Mittlerweile bemüht sich das Management um Alternativen. Medienberichten zufolge spielt Indien in diesem Jahr erstmals eine wichtige Rolle für die Produktion der aktuellen iPhone-Generation. Der Aufbau einer Lieferkette samt Zulieferern gilt jedoch als langwierig und komplex, zumal in dieser Größenordnung. Eine signifikante Diversifizierung sei noch Jahre entfernt, betonte kürzlich die Bank of America in einem Report.

    Die Dringlichkeit scheint jedenfalls zu wachsen. Apple habe Auftragsfertiger dazu aufgefordert, die Standorte außerhalb Chinas für die Massenproduktion neuer Geräte vorzubereiten, berichtet das „Wall Street Journal“. Zudem bemühe sich der Konzern um zusätzliche Partner – auch wenn diese in China ansässig seien.

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