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23.02.2021

15:36

IT-Branche

„Eine 50 Jahre alte Organisation verändern" – Wie die Software AG die Wende schaffen will

Von: Christof Kerkmann

Erst die Coronakrise, dann ein Hackerangriff: Nach dem schwierigen Jahr 2020 will der IT-Konzern endlich die Wende schaffen – auch an der Börse.

„Ab jetzt werden wir beschleunigen“, kündigt der Vorstandschef der Software AG an. Softwareag

Sanjay Brahmawar

„Ab jetzt werden wir beschleunigen“, kündigt der Vorstandschef der Software AG an.

Düsseldorf Die Coronakrise ist ein Turbo für die Digitalisierung – doch die Software AG hat davon nur bedingt profitiert. Das MDax-Unternehmen bietet zwar Lösungen an, die Kunden bei der Transformation helfen sollen, etwa für die Integration von zahlreichen IT-Systemen. Trotzdem sanken Umsatz und Betriebsergebnis des MDax-Unternehmens im vergangenen Jahr. Zudem sorgte ein Hackerangriff für Aufregung.

Doch Vorstandschef Sanjay Brahmawar sieht die Software AG nun an einem Wendepunkt: „Nach zwei Jahren der Transformation ist ein nachhaltiges und profitables zukünftiges Wachstum in greifbare Nähe gerückt“, warb er am Dienstag auf dem Kapitalmarkttag bei Aktionären und Analysten.

Sein Versprechen: Die Strategie „Project Helix“, mit der das Stiftungsunternehmen zu einem Wachstumswert werden soll, zeigt Wirkung. Bis 2023 soll der Umsatz auf eine Milliarde Euro steigen, die operative Marge auf 25 bis 30 Prozent.

Die Investoren zögern aber: Der Aktienkurs des zweitgrößten deutschen IT-Konzerns nach SAP ist seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent gestiegen, liegt mit rund 36 Euro aber immer noch unter dem Niveau, als Reformer Brahmawar im Sommer 2018 kam.

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    „Das Unternehmen muss besser belegen, wie es die Ziele erreichen will“, sagt Andreas Wolf, Analyst bei Warburg Research – da seien nach den vergangenen Jahren Zweifel aufgekommen. Der Auftragseingang lasse immerhin auf eine Entwicklung mit mehr Dynamik hoffen.

    Erst Datenbanken, dann Digitalisierung

    Die Software AG ist eines der ältesten IT-Unternehmen in Deutschland: Die Gründer brachten 1969 ein Datenbanksystem für Großrechner auf den Markt, das damals in immer mehr Organisationen zum Einsatz kam. Dieses Geschäft ist bis heute sehr profitabel, schrumpft aber angesichts des Trends zum Cloud-Computing – im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 223 Millionen Euro.

    Die Erträge hat das Management über die Jahre in ein Portfolio für die digitale Transformation investiert. So gibt es Helfer für die Analyse von Geschäftsprozessen, einen Baukasten für die Integration der Programme in einer Organisation und die Auswertung großer Datenmengen. Diese Angebote fasst der Konzern als Digital Business Platform (DBP) zusammen.

    Diese erfüllt jedoch nicht die Erwartungen. Mit dem Digitalgeschäft erwirtschaftete die Software AG im vergangenen Jahr 449 Millionen Euro, ein Minus von fünf Prozent. Der darin enthaltene Bereich für die Vernetzung von Maschinen wuchs zwar um 21 Prozent auf 51 Millionen Euro, lag aber deutlich unter dem, was sich das Unternehmen erwartet hatte.

    Grafik

    Das Bild ist nach Ansicht des Managements indes unvollständig. Es verweist auf die Umstellung des Geschäftsmodells: Wie viele Technologieunternehmen will die Software AG die Produkte gegen monatliche Zahlungen vermieten, anstatt sie für einmalige Lizenzgebühren zu verkaufen.

    Das sorgt langfristig für mehr Planbarkeit und im besten Fall für lukrativere Kundenbeziehungen, kostet kurzfristig aber Umsatz: Die Einnahmen fließen über einen längeren Zeitraum.

    Ein positives Zeichen ist der Auftragseingang, der 2020 um 20 Prozent auf 480 Millionen Euro wuchs. Die Pipeline fürs laufende Jahr sei bereits gut gefüllt, betonte Brahmawar – und dieser Trend soll sich in den kommenden Jahren verstärken.

    Software AG ist „schneller, fitter und zuverlässiger“

    „Ab jetzt werden wir beschleunigen“, versprach er. Das gilt für den Umsatz, der endlich wieder nachhaltig steigen soll, wie auch die Profitabilität, die wegen der Umstellung des Geschäftsmodells und hohen Investitionen derzeit leidet.

    Auch über die mittelfristigen Ziele hinaus, die für 2023 gesteckt sind, will die Software AG weiter kräftig wachsen: In den zwei bis drei Jahren danach seien 1,5 Milliarden Euro Umsatz möglich, betonte Brahmawar.

    Zudem betont die Konzernspitze die internen Veränderungen, die nun Wirkung zeigen sollen. „Es war nicht einfach, eine 50 Jahre alte Organisation zu verändern, die acht Jahre lang nicht gewachsen ist“, sagte Brahmawar. Das Unternehmen sei inzwischen aber „schneller, fitter und zuverlässiger“ geworden.

    So habe man den Verkauf für das neue Geschäftsmodell anders aufgestellt. „Wir brauchen nicht mehr, aber andere Vertriebler“, sagte Brahmawar. Zudem werde mehr auf die Kundenzufriedenheit geachtet als in der Vergangenheit – das Unternehmen habe die Zuverlässigkeit gesteigert und biete nun regelmäßiger Innovationen.

    Die Weiterempfehlungsbereitschaft, gemessen am Net Promoter Score (NPS), sei von einem Wert in den niedrigen 30ern auf 54 gestiegen. Das ist wichtig, um die Kunden dauerhaft zu binden.

    Brahmawar und sein Finanzvorstand Matthias Heiden müssen indes noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Von 21 Analysten empfehlen nur zwölf das Papier zum Kauf: Am Dienstag sank der Aktienkurs um knapp vier Prozent.

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