Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2020

16:47

IT-Branche

Umbau der Software AG wird deutlich teurer

Von: Christof Kerkmann

Wichtige Wachstumsgeschäfte der Software AG entwickeln sich schlecht. Der Aktienkurs des IT-Unternehmens stürzt nach Vorlage der Jahreszahlen ab.

Der Vorstandschef richtet die Software AG auf die Zukunft aus. Bloomberg

Sanjay Brahmawar

Der Vorstandschef richtet die Software AG auf die Zukunft aus.

Düsseldorf Für die Software AG sollte 2019 ein Jahr der Feierlichkeiten werden: Der IT-Konzern aus Darmstadt blickte bei mehreren Anlässen auf die 50-jährige Geschichte zurück, und mit einer neuen Strategie namens „Projekt Helix“ rüstete er sich für die Zukunft. Das Unternehmen habe „starke Produkte, ein außergewöhnliches Team und eine solide Finanzlage“, gab Vorstandschef Sanjay Brahmawar die Devise aus – aber es schöpfe das Marktpotenzial nicht aus.

Doch bei den Aktionären will keine Partystimmung aufkommen. Die Zahlen für 2019, die die Software AG am Mittwoch vorlegte, enttäuschten die Erwartungen, der Kurs stürzte um bis zu elf Prozent ab. Das Unternehmen erfüllte zwar mit 891 Millionen Euro Umsatz (plus drei Prozent) und 66 Millionen Euro Betriebsergebnis (minus 20 Prozent) die Prognose. Allerdings entwickelten sich wichtige Wachstumsgeschäfte schlecht, etwa das Cloud-Computing. Zudem kündigte das Management höhere Investitionen in den Konzernumbau an und senkte daher das Margenziel.

Brahmawar warb um Verständnis: Das Unternehmen sei in einer Transformation, daher könne es einige kurzfristige Effekte geben – die neue Strategie zeige aber bereits Erfolge, sagte er dem Handelsblatt. Analysten sind jedoch skeptisch. „Das erhoffte Wachstum wird teuer erkauft, ob sich das bezahlt macht, wird spannend“, sagte Mirko Maier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Die Software AG ist bekannt geworden mit einem Datenbanksystem, das die ersten sechs Mitarbeiter vor 50 Jahren entwickelten. Es kommt – mit zahlreichen Aktualisierungen – bis heute zum Einsatz. Das Geschäft mit Adabas & Natural, so der Name, ist lukrativ, aber angesichts der Veränderungen in der IT-Welt schrumpft es langfristig. 2019 wuchs der Umsatz um drei Prozent auf 229 Millionen Euro, was als Erfolg gelten darf.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Schwierige Neuausrichtung

    Deswegen baut die Software AG neue Geschäftsfelder auf, vor allem mit Übernahmen: Mit Software für Prozessoptimierung, Systemintegration, Datenanalyse und mittlerweile auch die Maschinenvernetzung will sich der Konzern als Helfer für die digitale Transformation positionieren. Im Zuge der neuen Strategie fokussiert er sich auf Wachstumsbereiche wie das Internet der Dinge – also etwa die Vernetzung von Fahrzeugen und Fabriken – und verstärkt das Marketing.

    Ein Jahr nach der Ankündigung der neuen Strategie ist die Bilanz jedoch mau. Der Umsatz des Bereichs Digital Business Platform, der einen großen Teil des Zukunftsgeschäfts umfasst, sank 2019 um drei Prozent auf 432 Millionen Euro. Dieses Ergebnis liegt im Zielkorridor der Erwartungen, die die Software AG im Laufe des Jahres indes gesenkt hatte. Es steht aber exemplarisch dafür, warum das Unternehmen seit Jahren nicht mehr nachhaltig wächst.

    Daran ändert auch das neue Segment „Cloud & IoT“ nichts, in dem es beispielsweise um die Vernetzung von Maschinen geht. Es wuchs zwar um 39 Prozent auf 42 Millionen Euro, lag damit aber deutlich unter der Prognose von mindestens 75 Prozent.
    Die Verfehlung liege zu einem beträchtlichen Teil daran, dass sich ein großer Vertrag verzögert habe, sagte Brahmawar. Der sei aber nun unterzeichnet – und zeige, welches Potenzial das Geschäft habe: Es gebe immer mehr Abschlüsse im sechs- oder siebenstelligen Bereich. „Wir sind sehr zuversichtlich, was das Wachstum im Internet der Dinge angeht.“

    Durch den Deal – laut Analystenkonferenz unterzeichnete der Aufzughersteller Schindler – sieht das Management die Strategie bestätigt. Daher sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um zusätzliche Investitionen zu tätigen – „mit der Aussicht, schon früher als ursprünglich geplant das angestrebte erhöhte Umsatzwachstum zu verwirklichen“. Dafür plant es 40 bis 50 Millionen Euro ein, das Ziel für die operative Marge sinkt in diesem Zuge auf 20 bis 22 Prozent. Zuletzt waren es 29,2 Prozent.

    Teurer Kulturwandel

    Zum einen will die Software AG Marketing und Vertrieb ausbauen, vor allem in Europa und Asien, wo sich das Geschäft bereits gut entwickelt. Neben den eigenen Vertrieblern sind Partner wie Adobe und Microsoft wichtig, die Lösungen weiterverkaufen – die Software AG baut Teams auf, die sie dabei unterstützen sollen. Nicht zuletzt entsteht eine „Customer Success“-Organisation, die Kunden eng betreuen soll.

    Zum anderen will das Unternehmen den kulturellen Wandel beschleunigen, etwa mit Schulungen. „Die Software AG ist acht Jahre nicht gewachsen, deswegen müssen wir den Ehrgeiz wieder entfachen“, sagte Brahmawar. Es gehe darum, Probleme zu beseitigen, zum Beispiel komplizierte Prozesse. Um den Investoren zu zeigen, dass sich etwas verändert, nimmt der Vorstandschef seine neue Personalchefin Elke Frank mit zum Kapitalmarkttag am 5. Februar. „Im Krieg um Talente gewinnt man nur, wenn man eine gute Personalstrategie hat.“

    Es wird einige Überzeugungsarbeit nötig sein. Das Investmenthaus Bryan Garnier etwa nahm wegen der zu erwartenden Belastungen seine Kaufempfehlung zurück. Viele Analysten sehen aber nach wie vor Potenzial, Goldman Sachs etwa bezeichnet die mittelfristigen Wachstumsziele als ermutigend. Vielleicht stellt sich die Partystimmung später wieder ein.

    Mehr: Mit seinem „Projekt Helix“ will Sanjay Brahmawar den Softwarehersteller aus der Stagnation führen. Besonders die Vorstandsetage bekommt das bislang zu spüren.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×