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03.12.2021

15:09

IT-Unternehmen

Die Software AG prüft einen Verkauf – doch das Interesse hält sich in Grenzen

Von: Arno Schütze, Stephan Scheuer

PremiumDas Geschäft der Software AG stagniert seit Jahren, der Aktienkurs tritt ebenfalls auf der Stelle. Nun prüft das Management einen möglichen Verkauf.

IT: Software AG prüft Verkauf – das Interesse hält sich in Grenzen dpa

Software AG

Das Unternehmen aus Darmstadt ist nach SAP die Nummer zwei der deutschen Softwareunternehmen.

Berlin, Düsseldorf Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller Software AG prüft Finanzkreisen zufolge strategische Optionen einschließlich eines Verkaufs, ist dabei bisher aber lediglich auf verhaltenes Interesse gestoßen. Das Geschäft des im MDax notierten Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden Euro tritt seit Jahren auf der Stelle.

Ein neuer Investor oder gar Mehrheitseigentümer könnte für neue Impulse bei der Strategie sorgen, so die Hoffnung. Mithilfe der Investmentbank JP Morgan hat die Software AG daher seit dem Sommer den Kontakt zu Beteiligungsfirmen mit Software-Schwerpunkt aufgenommen, wie etwa Advent, Permira, Francisco Partners, Thomas Bravo und TA Associates.

Diese Private-Equity-Firmen, die in der Regel stark wachsende Softwarefirmen mit Kapital und Expertise unterstützen, hätten allerdings abgewunken, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. In einem zweiten Schritt sondiere die Software AG nun, ob andere Finanzinvestoren wie etwa CVC, EQT, KKR, Silver Lake oder Hg Interesse an einem Deal hätten. Zu einer Offerte hat sich bislang keiner durchgerungen.

Unklar blieb die Haltung der Stiftung des Firmengründers Peter Schnell, die 31 Prozent der Anteile hält. Die Software AG, JP Morgan und die Stiftung sowie die Finanzinvestoren lehnten Stellungnahmen ab oder waren zunächst nicht erreichbar.

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    Die Software AG ist nach SAP das zweitgrößte Softwarehaus Deutschlands. Doch während andere Softwarefirmen in den vergangenen Jahren starken Zuspruch an der Börse erfuhren, entwickelte sich die Bewertung für die Software AG nicht besonders gut. Verglichen mit dem Kurs von Anfang des Jahres 2018 liegt die Bewertung heute mehr als 20 Prozent darunter. Als die Nachrichtenagentur Bloomberg und das Handelsblatt vergangene Woche das erste Mal über die Verkaufsabsichten der Software AG berichteten, stieg der Kurs zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent, gab dann aber wieder deutlich nach.

    Skepsis unter Aktionären

    Bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen hatte die Software AG unterhalb der Analystenerwartungen gelegen. In der Kernsparte Digital Business hatten Analysten einen Anstieg beim Auftragseingang von 14,7 Prozent erwartet. Die Buchungen waren aber währungsbereinigt nur um rund sechs Prozent gestiegen.

    Zum Vergleich: Für den Rivalen SAP hat sich das Cloud-Geschäft zum wichtigsten Wachstumstreiber entwickelt. Alleine im dritten Quartal stiegen dort die Auftragseingänge um 24 Prozent.

    In diesem Kontext sieht die Investmentbank Barclays auch die Gespräche über einen Verkauf: Es scheine so, als ob es sich um einen proaktiven Schritt der Firma handle, hieß es in einer ersten Einschätzung. Das bestätige womöglich die Annahme, dass sich das Geschäft nicht voll nach Plan entwickle. Es gebe für die Digitalsparte sowohl im kommenden Jahr als auch darüber hinaus Risiken.

    Das Management verspricht aber, dass es 2022 zu einer Beschleunigung des Wachstums kommen soll. Bis 2023 soll der Umsatz auf eine Milliarde Euro steigen, die operative Marge auf 25 bis 30 Prozent. In den zwei bis drei Jahren danach seien 1,5 Milliarden Euro Umsatz möglich, sagte Konzernchef Sanjay Brahmawar auf dem Kapitalmarkttag im Februar.

    Aktionäre blicken indes mit einiger Skepsis auf die Software AG. Der Konzern hat die Erwartungen in den vergangenen Jahren immer wieder enttäuscht. Dabei besteht durchaus Potenzial für Kurssteigerungen: Analyst Knut Woller von der Baader Bank erwartet, dass das Wachstum im neuen Jahr anzieht und sich damit die Margen verbessern.

    Welche Optionen existieren

    Sollte die Software AG tatsächlich einen neuen Eigner erhalten, bestünden mehrere Optionen. Einerseits könnte ein Börsenrückzug die Transformation erleichtern, da das Management dann weniger Rücksicht auf den Kapitalmarkt nehmen müsste. Ein Beispiel für eine solche Strategie lieferte in der Vergangenheit der PC-Hersteller Dell, der mittlerweile wieder an der Börse gelistet ist.

    Andererseits wäre beim Verkauf an einen strategischen Investor auch eine Aufspaltung denkbar. Die Software AG hat zwei Sparten: Das Datenbankgeschäft Adabas & Natural ist sehr profitabel, schrumpft aber langfristig. Auf der Digital Business Platform bündelt der Konzern die Zukunftstechnologien, die Wachstum versprechen.

    Nicht zuletzt könnte die Software AG von einem Zusammenschluss mit einem großen Konzern profitieren, um sich im umkämpften Softwaremarkt zu behaupten – in vielen Produktkategorien hat das MDax-Unternehmen namhafte Konkurrenz.

    Auch die Hereinnahme eines Minderheitsinvestors könnte für einschneidende Veränderungen sorgen. Private-Equity-Firmen haben bei Firmen wie Springer, GfK oder Ottobock für ein Nachschärfen der Strategie gesorgt und Kapital für die Expansion bereitgestellt. Bei GfK und Ottobock steht in Kürze der Exit der Finanzinvestoren an, wobei satte Renditen winken.

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