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26.11.2021

11:45

IT-Unternehmen

Software AG prüft milliardenschweren Verkauf – Aktie steigt deutlich

Von: Christof Kerkmann, Arno Schütze

PremiumSeit Jahren kommt das Geschäft der Software AG nicht richtig voran. Nun spielt das Management mehrere Optionen für die Zukunft durch – auch ein Verkauf scheint möglich.

Das Unternehmen aus Darmstadt ist nach SAP die Nummer zwei der deutschen Softwareunternehmen. dpa

Logo der Software AG

Das Unternehmen aus Darmstadt ist nach SAP die Nummer zwei der deutschen Softwareunternehmen.

Berlin Die Software AG ist einer der größten Softwarehersteller Deutschlands, doch das Unternehmen tritt seit Jahren auf der Stelle. Nun prüft das Management nach Handelsblatt-Informationen strategische Optionen – auch ein Verkauf ist denkbar. Die Firma lässt sich dabei von einer Investmentbank beraten. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Pläne berichtet.

Die Überlegungen sind in einem frühen Stadium – der Vorstand muss im Sinne der Aktionäre immer Optionen prüfen. Ob es letztlich zu einem Verkauf kommt, ist daher unklar. Ein wichtiger Faktor bei solchen Plänen dürfte die Stiftung des Firmengründers Peter Schnell sein, die 31 Prozent der Anteile hält.

Trotz dieser Vorbehalte stieg der Kurs des MDax-Konzerns Freitagvormittag in einem schwierigen Marktumfeld um mehr als acht Prozent auf mehr als 37,50 Euro. Der Börsenwert liegt damit bei knapp 2,8 Milliarden Euro.

Vorstandschef Sanjay Brahmawar richtet die Software AG derzeit neu aus. Im Zuge des sogenannten „Projekts Helix“ will er das Zukunftsgeschäft stärken, zu dem Technologien für die Analyse von Geschäftsprozessen, die Auswertung großer Datenmengen und die Integration verschiedener Programme in einer Organisation zählen.

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    Außerdem stellt die Software AG das Geschäftsmodell, wie in der Technologiebranche üblich, auf Abonnements um. Das sorgt langfristig für mehr Planbarkeit und im besten Fall für lukrativere Kundenbeziehungen, kostet kurzfristig aber Umsatz, weil die Einnahmen nun stückweise kommen. Parallel arbeitet der Vorstand an einem Kulturwandel in der 50 Jahre alten Organisation.

    Software AG: Große Versprechen, doch Anleger sind skeptisch

    Dabei hat die Software AG noch viel Arbeit vor sich. Im dritten Quartal enttäuschte das Unternehmen die Aktionäre, weil es die Ziele für die „Digital Business Platform“ mit den neuen Technologien senkte.

    In diesem Kontext sieht die Investmentbank Barclays auch die Gespräche über einen Verkauf: Es scheine so, als ob es sich um einen proaktiven Schritt der Firma handle, hieß es in einer ersten Einschätzung. Das bestätige womöglich die Annahme, dass sich das Geschäft nicht voll nach Plan entwickle. Es gebe für die Digitalsparte sowohl im kommenden Jahr als auch darüber hinaus Risiken.

    Das Management verspricht aber, dass es 2022 zu einer Beschleunigung kommen soll. Bis 2023 soll der Umsatz auf eine Milliarde Euro steigen, die operative Marge auf 25 bis 30 Prozent. In den zwei bis drei Jahren danach seien 1,5 Milliarden Euro Umsatz möglich, sagte Brahmawar auf dem Kapitalmarkttag im Februar.

    Aktionäre blicken indes mit einiger Skepsis auf die Software AG, der Konzern hat die Erwartungen in den vergangenen Jahren immer wieder enttäuscht. Dabei besteht durchaus Potenzial für Kurssteigerungen: Analyst Knut Woller von der Baader Bank erwartet, dass das Wachstum im neuen Jahr anzieht und sich damit die Margen verbessern. Dies sei vor den Übernahmespekulationen nicht im Kurs reflektiert gewesen.

    Mehrere Optionen für einen Verkauf

    Sollte die Software AG tatsächlich einen Verkauf anstreben, bestehen mehrere Optionen. Einerseits könnte ein Börsenrückzug die Transformation erleichtern, da das Management dann weniger Rücksicht auf den Kapitalmarkt nehmen müsste. Ein Beispiel für eine solche Strategie lieferte in der Vergangenheit der PC-Hersteller Dell, der mittlerweile wieder an der Börse gelistet ist.

    Andererseits wäre beim Verkauf an einen strategischen Investor auch eine Aufspaltung denkbar. Die Software AG hat zwei Sparten: Das Datenbankgeschäft Adabas & Natural ist sehr profitabel, schrumpft aber langfristig. Auf der Digital Business Platform bündelt der Konzern die Zukunftstechnologien, die Wachstum versprechen.

    Nicht zuletzt könnte die Software AG von einem Zusammenschluss mit einem großen Konzern profitieren, um sich im umkämpften Softwaremarkt zu behaupten – in vielen Produktkategorien hat das MDax-Unternehmen namhafte Konkurrenz.

    Ein Verkauf sei allerdings nur denkbar, wenn die Stiftung von Gründer Peter Schnell den Glauben an eine erfolgreiche Neuausrichtung der Firma verliere, betont Mirko Maier von der Landesbank Baden-Württemberg. „Angesichts der über die letzten Jahre bewiesenen Leidensfähigkeit wäre dies für uns ein eher überraschender Schritt.“

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