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07.01.2021

10:18

Katja Ruhnke und Conny Hörl

Diese Schwestern investieren in nachhaltige Start-ups

Von: Axel Höpner

Katja Ruhnke und Conny Hörl haben CK Venture Capital gegründet. Nun tätigen sie mit dem Einstieg beim Indoorgärten-Spezialisten Urgrow ihr siebtes Investment.

Katja Ruhnke (links) hat mit ihrer Schwester Conny Hörl die Beteiligungsgesellschaft CK Venture Capital gegründet.  CK Venture Capital

Zwei Schwestern als Investorinnen

Katja Ruhnke (links) hat mit ihrer Schwester Conny Hörl die Beteiligungsgesellschaft CK Venture Capital gegründet.

München Als die frühere Musicaldarstellerin und Kulturmanagerin Katja Ruhnke aus Neugier erstmals zu einem Start-up-Netzwerktreffen ging, wunderte sie sich: „Ich habe mich gefragt, warum ich die einzige Frau im Raum bin“, sagt sie. Die Antwort habe sie schnell gefunden. „Weil es in der Branche kaum welche gibt.“

Abschrecken ließ sich die 41-Jährige von der Männerdominanz aber nicht. Mit ihrer Schwester Conny Hörl gründete sie vor knapp zwei Jahren CK Venture Capital. Mit dem Einstieg bei Urgrow tätigen die beiden nun schon ihr siebtes Investment.

Das Unternehmen ist auf Indoorgärten spezialisiert, mit denen sich in den eigenen vier Wänden Biogemüse ziehen lässt. Damit passt das Unternehmen in die Anlagestrategie von CK Venture Capital: Im Fokus stehen nachhaltige Start-ups. „Wir suchen nach Geschäftsmodellen, die die Welt ein Stück besser machen“, sagt Ruhnke.

Sogenanntes Impact Investing, bei dem es nicht nur darum geht, Rendite zu erzielen, liegt derzeit voll im Trend. Dabei die richtigen Unternehmen zu finden ist nicht einfach.

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    Laut dem „Deutschen Startup Monitor 2020“ rechnen sich mehr als 43 Prozent der jungen deutschen Unternehmen der „Green Economy“ zu, etwa ebenso viele sehen sich in einer besonderen Verantwortung als Social Entrepreneur – mit steigender Tendenz. „Neben den ökonomischen Motiven werden also umweltspezifische sowie soziale Ziele im Start-up-Ökosystem immer wichtiger“, heißt es in der Studie.

    Ruhnke und Hörl stammen aus einer Münchener Unternehmerfamilie mit dem Schwerpunkt auf Gewerbeimmobilien. Mit ihrem ersten Investment stiegen sie bei Medikura ein, das die Website Nebenwirkungen.de betreibt. Später kam unter anderem eine Beteiligung am Carbon-Spezialisten Blackwave dazu. Das Unternehmen, das unter anderem die Auto- und Luftfahrtindustrie beliefert, hatte sich bei Ruhnkes erstem Investorentreffen mit dem hohen Männeranteil vorgestellt.

    Urban Gardening ist kein Selbstläufer

    Die Unternehmerin sieht sich in einer Rolle als Business Angel. Sie investiere viel Zeit in die Beratung der Start-ups. Der große Vorteil privater Investoren sei dabei, dass man nicht ständig an den Exit denken müsse. „Wenn es passt, sind wir auch bereit, 30 Jahre als Gesellschafter dabeizubleiben.“ CK Venture Capital steigt früh bei sogenannten Preseed- und Seed-Runden ein, beteiligt sich später aber auch in größerem Umfang.

    Im Idealfall sollten Business Angels nicht nur Geld zur Verfügung stellen, sondern sich auch mit unternehmerischem Know-how, mit ihrem Netzwerk und als Sparringspartner für Start-up-Teams einbringen, sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Investorennetzwerks BayStartup. „Hierzu bekommen wir ein tolles Feedback von allen Investments, die CK Venture über unser Netzwerk eingegangen ist.“

    Ruhnke hatte zehn Jahre in Hamburg als Musicaldarstellerin gearbeitet. Ihre Schwester Conny Hörl hatte Betriebswirtschaft studiert und betreibt in Österreich gemeinsam mit ihrem Mann eine Unternehmensgruppe im Bereich Gesundheit und Fitness. Dazu gehören unter anderem elf Fitnessstudios und mehrere Firmen im Bereich Physiotherapie und Kosmetik.

    Das Leipziger Start-up Urgrow ist noch in einer frühen Phase. Das Unternehmen startete vor einigen Wochen eine Crowdfunding-Kampagne, CK Venture Capital stieg nun zusammen mit zwei weiteren Business Angels und dem Technologiegründerfonds Sachsen ein.

    Beim sogenannten Urban Gardening soll es ermöglicht werden, Erdbeeren, Salate und Gemüse im Wohnzimmer zu pflanzen. Im Mittelpunkt steht ein patentierter Nährboden, der in Kombination mit einer App eine einfache Pflanzenzucht ermöglichen soll.

    Urban Gardening gilt als Wachstumsmarkt, ist aber auch kein Selbstläufer. So war der Lichtkonzern Osram vor einigen Jahren bei Agrilution eingestiegen, das später Insolvenz anmeldete.

    Die Firma entwickelte sogenannte Vertical-Farming-Systeme. Das sind Gewächsschränke, in denen auf mehreren Ebenen zum Beispiel Kräuter und Salate gepflanzt werden. Das Licht wird intelligent gesteuert. Die Systeme, die mehrere Tausend Euro gekostet haben, waren aber sehr teuer. Urgrow bietet deutlich günstigere Pflanzsysteme an.

    Frauen sind in der Investorenszene noch immer die Ausnahme. Die Netzwerkerin und Diversity-Beraterin Tijen Onaran kündigte daher im Handelsblatt an, 2021 einen Fonds aufzulegen, der in von Frauen gegründete Unternehmen investiert.

    Bei CK Venture Capital sind drei der sieben Beteiligungen von Unternehmerinnen gegründet worden. „Wir investieren in Gründerpersönlichkeiten“, sagt Ruhnke.

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