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24.09.2020

20:16

Konkurrenz zu Google und Microsoft

Amazon startet den Game-Streamingdienst Luna

Von: Alexander Demling

Amazon wirbt mit einem Gaming-Abo direkt aus der Cloud um die lukrativen Computerspieler. – Und stellt eine Drohne vor, die die eigene Wohnung überwachen soll.

Dank einer Kooperation von Amazon mit dem Studio Ubisoft sind auf Luna dessen populäre Spiele wie Resident Evil oder Far Cry spielbar. AP

Eine Szene aus dem Spiel "Far Cry Primal"

Dank einer Kooperation von Amazon mit dem Studio Ubisoft sind auf Luna dessen populäre Spiele wie Resident Evil oder Far Cry spielbar.

San Francisco Computerspiele sind die größte Unterhaltungsbranche der Welt. 2019 machte Gaming laut dem Marktforscher Newzoo erstmals mehr Umsatz als Musik und Film zusammen. Bis 2025 soll die Branche auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen.

So ist es keine Überraschung, dass die größten Digitalkonzerne die Branche in den Fokus genommen haben – nun auch Amazon. Bei seinem jährlichen Hardware-Event stellte der weltgrößte Cloud-Anbieter seinen eigenen Cloudgaming-Dienst namens Luna vor.

Dieser soll zunächst nur in den USA und für ausgewählte Nutzer verfügbar sein. Wann der Dienst nach Deutschland kommt, sagt Amazon bisher nicht. Spiele können dabei – wie ein Film von Netflix – direkt aus Amazons AWS-Cloud gestreamt und auf Fernsehern, Smartphones oder PCs genutzt werden. Nötig ist nur ein Luna-Controller, der anfangs 50 Dollar kostet und ein Luna-Abo, das in den USA sechs Dollar monatlich kosten soll.

Zusammenarbeit mit Ubisoft

Das Angebot konkurriert mit Googles im November 2019 gestarteten Dienst Stadia und Microsofts Xbox Gamepass, der seit 2017 auf dem Markt ist und 15 Millionen Abonennten hat.

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    Es ist kein Zufall, dass die drei größten Cloud-Anbieter der Welt in diesem Markt aktiv sind. Game-Streaming stellt deutlich höhere Ansprüche an eine Cloud-Infrastruktur als etwa Videos, weil wegen der Interaktivität von Spielen ständig Befehle vom Spieler an die Cloud und zurück gesendet werden.

    Der Luna-Controller soll direkt mit der Cloud verbunden sein und nicht mit dem Gerät, auf dem gespielt wird. Zum einen könnten Spieler so schnell zwischen Geräten wechseln. Zum anderen verringere das die sogenannte Latenz, die Zeitdauer, bis die Aktion eines Nutzers im Spiel ankommt, sagt Marc Whitten, Amazons Vizepräsident für Unterhaltung und Geräte. „Wir versuchen jede Millisekunde rauszuholen, damit das Spiel flüssig, schnell und responsiv erscheint“.

    Dass die Spiele ruckeln könnten, ist aber nur ein Problem. Der Mangel an attraktiven Spielen ist bislang der Hauptgrund, warum Spiele-Abos wie Apples Arcade oder Stadia hinter den Erwartungen zurückbleiben.

    Einzig Microsoft kann durch seine lange Erfahrung mit der Xbox-Konsole und eigene, beliebte Spieleserien wie Halo bislang nennenswert Fans an seinen Dienst binden. Zudem hat Microsoft gerade für 7,5 Milliarden Dollar das Studio Bethesda Networks gekauft, das „Doom“ oder „Elder Scrolls“ entwickelt hat.

    Amazons Versuche, eigene erfolgreiche Spiele zu entwickeln, waren bisher gescheitert. Nun will der Konzern aus Seattle mit einer Kooperation mit dem französischen Studio Ubisoft kontern. So seien auf Luna dessen populäre Spiele wie Resident Evil oder Far Cry spielbar. Insgesamt soll der Luna-Katalog zu Beginn 100 Spiele umfassen und dann ständig wachsen.

    Zudem verbindet Amazon Luna mit dem 2014 übernommenen Twitch, wo Zuschauer die Streams professioneller Gamer sehen können. Mit Luna sollen Twitch-Zuschauer vom passiven Zuschauer zum aktiven Mitspieler werden und an der Stelle weiterspielen können, die sie eben bei ihrem Star gesehen haben.

    Die neuen kleinen Echo Dots sollen künftig die Form einer Kristallkugel haben. Amazon

    Amazon Echo Dot

    Die neuen kleinen Echo Dots sollen künftig die Form einer Kristallkugel haben.

    Computer überall

    Von Luna abgesehen ist das Eintauchen in virtuelle Welten aber nicht Amazons Vision der digitalen Welt – im Gegenteil. Seine Echo-Geräte hätten dank der Sprachsteuerung eine „Benutzeroberfläche, die uns umgibt“, sagt David Limp, als Amazons leitender Vizepräsident für Hardware.

    Limp vergleicht die Geräte mit einer Wanduhr, auf der man jederzeit die Zeit lesen kann, die aber sonst im Hintergrund verschwindet und nicht wie ein Smartphone ständig um Aufmerksamkeit bettelt.

    Der neue Echo Show 10, Amazons einziger Lautsprecher mit einem Bildschirm, drehe diesen mit einem lautlosen Motor automatisch in die Richtung des Nutzers. Dazu sei keine Gesichtserkennung notwendig, das Gerät identifiziere den Standort des Nutzers anhand seiner Körperform als Menschen.

    Um sich in den Alltag seiner Nutzer einzufügen wie eine Wanduhr, müssten aber auch Gespräche mit der smarten Assistentin Alexa natürlicher werden. Künftig werde die künstliche Stimme nicht nur ihren Ton anpassen und Pausen setzen, sondern auch Rückfragen stellen und sich diese Informationen für die Zukunft merken.

    Um sich mit Alexa mehr wie mit einem Menschen zu unterhalten, wird nicht mehr bei jedem neuen Befehl das Weckwort „Alexa“ notwendig sein. Stattdessen höre das Gerät auf „Alexa, nimm am Gespräch teil“ und reagiere dann auf den Kontext statt für jede Aktion einen exakten Befehl zu benötigen. „Wir bringen diese Fähigkeit zuerst in Smarthome-Geräten und dann in viele andere Bereiche“, sagt Alexa-Chefwissenschaftler Rohit Prasad.

    „Privatsphäre, die man hören kann“

    Amazons Angebot an smarten Heimgeräten und Diensten wächst ständig: Kleine Echo Dots, die künftig die Form einer Kristallkugel haben, Alarmanlagen und andere Auto-Assistenzgeräte, die per Push-Nachricht die Familie informieren können, wenn man von der Polizei angehalten wird.

    Das 2018 übernommene Smarthome-Unternehmen Ring stellte gar eine Drohne mit vier Propellern vor, die autonom durch das Haus des Nutzers fliegen soll, wenn dieser nicht da ist: Die „Always Home Cam“.

    Limps Ideal von der unscheinbaren Wanduhr entspricht die Drohne allerdings nicht. Sie sei sogar absichtlich laut, sagt Rings Präsidentin Leila Rouhi, um nichtsahnende Menschen nicht zu überraschen. „Es ist Privatsphäre, die man hören kann.“

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