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07.03.2022

20:40

Kreislaufwirtschaft

Faircado kämpft mit Upcycling-Kunst gegen die Ungleichheit

Von: Melanie Raidl

PremiumMit ihrem Start-up will Evolena de Wilde die Kreislaufwirtschaft in Deutschland voranbringen. Zum Weltfrauentag setzt die Unternehmerin ein weiteres Zeichen.

Evolena de Wilde und Ali Nezamolmalek wollen mit einer neuen Aktion zum Weltfrauentag Feminismus, Nachhaltigkeit und Kriegshilfe verbinden. Mario Heller

Gründer von Faircado

Evolena de Wilde und Ali Nezamolmalek wollen mit einer neuen Aktion zum Weltfrauentag Feminismus, Nachhaltigkeit und Kriegshilfe verbinden.

Düsseldorf Klimaschutz und Feminismus, es sind Themen, die Evolena de Wilde seit ihrer Kindheit antreiben. „Ich hatte schon immer dieses Feuer in mir, dass ich den Planeten schützen will“, sagt die Gründerin des Start-ups Faircado über sich selbst im Blick zurück.

Als Zwölfjährige waren es mehr Fahrradwege, für die sie sich in ihrer Stadt einsetzte, heute ist es die Kreislaufwirtschaft. Aus der Berliner Start-up-Szene heraus will die Belgierin dieses Nachhaltigkeitskonzept massentauglich machen.

Faircados Geschäftsmodell: Secondhand- und wiederaufbereitete Waren verschiedener Anbieter auf einer Plattform anzeigen. Den Kampf für Nachhaltigkeit verbindet die Unternehmerin am Internationalen Frauentag mit dem Kampf für Gleichstellung. Faircado startet eine Kampagne, mit der es auch auf die soziale Ungleichheit zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen will.

Das Start-up kooperiert mit sieben Künstlerinnen aus unterschiedlichen Ländern, die sogenannte Upcycling-Kunst herstellen. Die wird im März auf der Plattform zum Kauf angeboten. Dazu gehören etwa Bilder einer Künstlerin, die mit gebrauchten Textilien hergestellt werden, oder Schmuckstücke aus wiederverwerteten Steinen einer Berliner Goldschmiedin. Alle Einnahmen sollen an Organisationen gehen, die Frauen und Kinder in den Kriegsgebieten unterstützen.

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    Der Markt für wiederaufbereitete Produkte, vor allem bei Elektronik, verzeichnete im vergangenen Jahr steigende Investments. Back Market, einer der größten Marktplätze für wiederaufbereitete Elektronik, hat im Januar 450 Millionen Euro in einer Serie-E-Finanzierung eingesammelt und wird nun mit mehr als fünf Milliarden Euro bewertet. Grover, eine Plattform für Mietelektronik, hat im Jahr 2021 insgesamt mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar an Fremd- und Eigenkapital eingesammelt.

    Ein Drittel deutscher Unternehmen nimmt wiederaufbereitete Elektronik

    Aus einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom geht außerdem hervor: Die Hälfte der Deutschen würde gebrauchte Elektronik kaufen, wenn sie gut aufbereitet wird. „Es ist unglaublich, wie viele neue Firmen es gibt, die gebrauchte oder reparierte Produkte anbieten“, sagt de Wilde. Ähnlich sieht es die Wirtschaft: Die Technologiemanager CHG-Meridian und Yougov befragten mehr als 500 deutsche Unternehmen mit dem Ergebnis, dass fast ein Drittel wiederaufbereitete IT-Geräte einsetzt.

    Das Bild der iranischen Künstlerin Dorsa Ahari mit dem Namen „Her Strength“ ist Teil der Kampagne zum Weltfrauentag. Dorsa Ahari

    Upcycling-Kunst

    Das Bild der iranischen Künstlerin Dorsa Ahari mit dem Namen „Her Strength“ ist Teil der Kampagne zum Weltfrauentag.

    Die Idee, eine Seite zu schaffen, die einen Überblick über alle Angebote gibt, hat de Wilde mit ihrem Mitgründer Ali Nezamolmaleki gehabt. „Je mehr Verkaufsplattformen es gibt, desto schwieriger ist es für Nutzer, schnell und einfach das zu finden, was sie suchen“, sagt sie. Sucht man etwa ein bestimmtes Secondhand-Smartphone, wird einem bei Faircado angezeigt, welche Auswahlmöglichkeiten man bei welcher Firma hat.

    Seit dem Start im Juli 2021 haben die Gründer eine halbe Million Euro an Investitionen eingesammelt. De Wilde bekam öffentliche Gelder von der EU, konnte aber auch einige Business-Angels für sich gewinnen, darunter Monique Hoell, Ex-CEO und Gründerin von Hellobody, oder Johnny Quach, Einkaufsleiter von Hostelworld. Die Unternehmerin hat, wie sie erzählt, zuvor sechs Jahre Erfahrungen in anderen Start-ups sammeln können.

    Sie studierte Europawissenschaften, PR und Kommunikation in Belgien und den Niederlanden. Zunächst wollte sie in die Politik, um sich so für das Klima einzusetzen. Doch dann landete sie in Berlin und merkte: „Als Entrepreneurin kann ich so viel mehr Veränderung und positiven Einfluss auf die Umwelt erreichen.“ Und womöglich auch auf die Gesellschaft.

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