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30.11.2022

17:24

Lockdowns

iPhone-Mangel im Weihnachtsgeschäft: Apple steht in China vor einem riesigen Produktionsausfall

Von: Thomas Jahn, Stephan Scheuer

Probleme und Proteste im größten Werk des Zulieferers Foxconn könnten verheerende Folgen für Apple haben. Bis zu 20 Millionen iPhones der Pro-Serie könnten vor Weihnachten fehlen.

Der hohe Fertigungsanteil in China wird für den iPhone-Konzern zum Problem. Reuters

Apple-Store in Shanghai

Der hohe Fertigungsanteil in China wird für den iPhone-Konzern zum Problem.

Düsseldorf, San Francisco Seit Wochen herrscht im Werk des Tech-Zulieferers Foxconn im chinesischen Zhengzhou Ausnahmezustand. Die rund 200.000 Arbeiter des wichtigen Apple-Lieferanten wehren sich gegen die strengen Covid-Maßnahmen, die die Regierung in Peking verhängt. Tausende Arbeiter flüchteten laut Berichten der NGO China Labour Bulletin, aus Angst, im Fabrikgelände eingesperrt zu werden. Noch vor einer Woche kam es zu Demonstrationen und Polizeieinsatz.

Das hat jüngsten Analystenberichten zufolge erhebliche Auswirkungen auf Apple. Der Konzern fertigt nahezu alle iPhones in der Volksrepublik. Die Ausfälle können sich laut Ming-Chi Kuo von TF International Securities auf 15 bis 20 Millionen iPhone 14 Pro und Pro Max belaufen. „Aufgrund des hohen Preises der iPhone-14-Pro-Serie könnte Apple im laufenden Quartal deutlich weniger Umsatz erzielen als der Markt erwartet“, sagte der Analyst, „und zwar 20 bis 30 Prozent oder mehr“.

Damit würde Apple das von Analysten durchschnittlich erwartete Umsatzziel von 125 Milliarden Dollar im laufenden Quartal um bis zu 37 Milliarden Dollar verfehlen. Die Aussage von Kuo hat Gewicht, der Analyst hegt enge Beziehungen zu Auftragsfertigern wie Foxconn.

iPhone 14 Pro nicht mehr vor Weihnachten zu haben

Nach seinen Informationen lief die iPhone-Produktion im November nur zu 20 Prozent, im Dezember wird sie sich demnach nur auf 30 bis 40 Prozent verbessern. Der taiwanische Konzern Foxconn lockt derzeit Arbeiter mit Bonuszahlungen und höheren Gehältern zurück.

Auch andere Analysten kürzen ihre Prognose, allerdings weniger stark. „Apple hat Probleme, eine Kombination von Lockdowns und Arbeiterprotesten zu überwinden“, sagte Amit Daryanani von Evercore ISI. Seiner Meinung nach kann Apple im verkaufsstarken Weihnachtsquartal bis zu acht Millionen weniger iPhones produzieren, was zu einem Umsatzminus von bis zu acht Milliarden Dollar führt. Dan Ives von Wedbush spricht von einem „Schlag in die Magengrube“ für Apple.

Grafik

Laut Kuo hat Apple die Situation in Zhengzhou wohl falsch eingeschätzt und auf eine höhere Produktion gehofft. Lieferanten von Komponenten für das iPhone 14 Pro wurden „nicht von Apple informiert, Lieferungen zu kürzen, was für mehrere Wochen zu einer höheren Lagerhaltung im laufenden Quartal führt“.

Ausgerechnet die hochwertigen und margenstarken iPhones sind laut Apple-Website in der stärksten Verkaufsphase des Jahres nicht mehr bis zum Weihnachtstag lieferbar. Die Pro-Modelle kosten in Deutschland je nach Ausstattung zwischen 1300 und 2100 Euro das Stück. Die Basis-Modelle hingegen sind fast sofort zu haben.

Kuo rechnet damit, dass Kunden nicht auf Apples Nachschub warten und der Konzern deshalb sowie aufgrund der weltweiten Rezession den Umsatz „verlieren wird“. Tatsächlich sind zwei der stärksten Shopping-Tage mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft, Black Friday und Cyber Monday, bereits vorbei.

Hohe Abhängigkeit von China soll abgebaut werden

Unter Führung vom jetzigen CEO Tim Cook setzte Apple in dem vergangenen Vierteljahrhundert immer stärker auf China als Produktionsstandort. Dort werden laut Investmentbank JP Morgan Chase heute 94 Prozent aller iPhones, 96 Prozent aller Apple Watchs und aller Macbooks produziert.

Allerdings versucht sich das Unternehmen zu diversifizieren. So baute Foxconn als wichtigster Partner eine iPhone-Fertigung in Indien auf, das iPad soll mehr in Vietnam hergestellt werden.

Aber der Wandel vollzieht sich langsam und ist angesichts der hohen Stückzahlen schwierig. JP Morgan Chase schätzt daher den Anteil chinesischer Produktion für das Jahr 2025 immer noch auf 75 Prozent aller iPhones, 81 Prozent aller Apple Watchs und 95 Prozent aller Macbooks.

Die Probleme in Zhengzhou bestätigen Apple im Aufbau anderer Standorte, es ist aber nicht der einzige Grund. „Die Personalkosten in China steigen stark. Das gilt besonders für Shanghai“, sagte KC Quah, Lieferkettenexperte des Marktforschers Gartner. Die Löhne in Indien oder Vietnam seien deutlich geringer. Allerdings schlage sich das nicht unmittelbar in geringeren Kosten für die Fertigung nieder.

„In China gibt es eine hohe Qualität in der Fertigung, und alle Zulieferer sind direkt vor Ort. Das lässt sich nicht so einfach in Indien oder Vietnam nachbauen“, sagte Quah. Er zeigte sich überzeugt, dass Apple dennoch seine Lieferketten diversifizieren werde. „Das Risiko, zu stark von einem Land abhängig zu sein, ist schlicht zu hoch“, warnte Quah.

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