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10.11.2022

12:06

Meta

Mark Zuckerberg räumt Fehler ein und entlässt 11.000 Mitarbeiter

Von: Stephan Scheuer, Christof Kerkmann

Der Gründer kündigt den größten Stellenabbau in der Geschichte des Konzerns an. Das Metaversum soll aber weiter ausgebaut werden.

Hauptsitz von Meta in Kalifornien Reuters

Meta-Headquarter in Mountain View

13 Prozent der Belegschaft müssen gehen.

San Francisco, Düsseldorf Der Facebook-Konzern Meta entlässt mehr als 11.000 Mitarbeiter – der größte Stellenabbau der Unternehmensgeschichte. Konzernchef Mark Zuckerberg sprach am Mittwoch von 13 Prozent der Belegschaft, von denen man sich trenne. Zuletzt hatte der Konzern 87.000 Mitarbeiter.

Die jetzt offenbar nötigen Entlassungen führt Gründer Zuckerberg auch auf eigene Fehler zurück. Er verwies in einem Brief an die Belegschaft am Mittwoch darauf, dass das Geschäft am Anfang der Coronapandemie durch den starken Anstieg des Onlinehandels überdurchschnittlich gewachsen sei. Er habe wie viele Leute erwartet, dass dieses Wachstum anhalten werde, und daher die Investitionen hochgeschraubt.

Nun aber sei das Onlinegeschäft zu früheren Trends zurückgekehrt – und zudem lasteten die schwächelnde Konjunktur und verstärkte Konkurrenz auf den Erlösen. „Ich habe mich geirrt, und ich übernehme die Verantwortung dafür“, schrieb Zuckerberg.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will nur noch in wenige Projekte investieren

Die Meta-Aktie stieg zum Handelsbeginn am Mittwoch mehr als sieben Prozent. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hatte der Konzern jedoch rund drei Viertel seines Börsenwerts verloren.

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    Meta will die Ressourcen auf einige wenige Bereiche mit hoher Priorität konzentrieren. Dazu zählen nach Angaben von Zuckerberg die Werbeplattform, über die der Konzern einen Großteil des Umsatzes macht, und die „Langzeitvision für das Metaversum“.

    Außerdem will der Social-Media-Konzern eine „Entdeckungsmaschine“ mit Künstlicher Intelligenz entwickeln, die Mitgliedern passend zu ihren Nutzungsgewohnheiten Inhalte anzeigen soll. Konkurrent Tiktok hat damit aktuell großen Erfolg vor allem bei jungen Nutzern.

    Bereits in den vergangenen Monaten hat Meta die Kosten gesenkt, etwa durch die Kürzung von Budgets oder die Streichung von Extras. Das reiche aber nicht aus, erklärte Zuckerberg – daher habe er die „harte Entscheidung getroffen, Mitarbeiter gehen zu lassen“.

    Der Konzern stecke in zwei Krisen gleichzeitig, sagte Analyst Mike Proulx von Forrester. „Das Unternehmen ist einerseits eine riskante, langfristige Metaverse-Wette eingegangen und steht andererseits im Wettbewerb mit Tiktok“, sagte Proulx.

    Sparmaßnahmen seien unvermeidbar, aber keine Lösung der Probleme. „Erwarten Sie weiteren Gegenwind für Meta, da die Generation Z weiterhin Facebook verlässt und Tiktok den Vorzug gibt“, sagte Proulx. Zudem dürften Firmen ihre Marketingbudgets umschichten, was Meta unmittelbar finanziell schaden könnte.

    Meta: Probleme durch Konjunktursorgen und Datenschutz

    Die schwierige Lage lässt sich an den Geschäftszahlen ablesen. Im dritten Quartal schrumpfte der Umsatz von Meta um vier Prozent auf 27,71 Milliarden Dollar, der zweite Rückgang in Folge. Der Gewinn brach sogar um etwa die Hälfte auf 4,4 Milliarden Dollar ein. Das war das schlechteste Ergebnis seit 2019 und der vierte Rückgang hintereinander.

    Der wichtigste Grund: Das Kerngeschäft mit Werbung in Onlinediensten wie Facebook und Instagram läuft schlechter als zuvor. Angesichts hoher Inflation und Konjunktursorgen sind die Werbekunden sparsamer. Die Werbeumsätze bei Meta werden in diesem Jahr das erste Mal in der Firmengeschichte fallen, prognostiziert der Analysedienst Insider Intelligence.

    Demnach dürften die Erlöse im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 129 Milliarden Dollar fallen. „Meta hat seine Alleinstellungsmerkmale verloren“, sagte Insider-Analystin Debra Aho Williamson. Das Unternehmen stehe nicht länger für besonders innovative Ansätze in der Werbebranche. 

    Facebook-Mutterkonzern

    Meta-CEO Zuckerberg gesteht Fehler ein – und will 11.000 Mitarbeiter entlassen

    Facebook-Mutterkonzern: Meta-CEO Zuckerberg gesteht Fehler ein – und will 11.000 Mitarbeiter entlassen

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    Zudem erschwert Apple mit der Datenschutzpolitik die personenbezogene Werbung auf mobilen Geräten wie iPhone und iPad, das sogenannte Targeting. Es ist eine strukturelle Veränderung für die Werbeindustrie. Im Februar bezifferte das Meta-Management die Einbußen allein daraus auf „mehr als zehn Milliarden Dollar“. Dass auch andere werbefinanzierte Onlinedienste wie Snapchat darunter leiden, dürfte nur ein geringer Trost sein.

    Während der Umsatz sinkt, steigen die Ausgaben. Vor allem die von Zuckerberg vorangetriebene Entwicklung virtueller Welten unter dem Schlagwort Metaverse ist teuer, die kumulierten Verluste seit 2019 betragen 30 Milliarden Dollar. Viele Aktionäre kritisieren diese Investitionen als zu hoch.

    Grafik

    Ablauf des Stellenabbaus bei Meta im Kontrast zum Chaos bei Twitter

    Allein im vergangenen Quartal verbuchte die Sparte Reality Labs, in der am Metaverse gearbeitet wird, einen operativen Verlust von knapp 3,7 Milliarden Dollar. Seit Jahresbeginn sammelte sich ein Fehlbetrag von 9,4 Milliarden Dollar an – bei einem Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar in dem Bereich. Und Zuckerberg kündigte an, dass die Verluste der Sparte im kommenden Jahr noch „erheblich wachsen“ würden.

    Neben Kritik an diesem konkreten Projekt plagen Aktionäre und Analysten mit Blick auf Metas Geschäfte aber auch grundsätzliche Bedenken. Nach Jahren des rasanten Wachstums gewinnen die schon fast klassischen Social-Media-Dienste wie Facebook und Instagram in wichtigen Märkten wie den USA kaum noch Nutzer hinzu. 

    Die entlassenen Mitarbeitenden verloren bereits am Mittwoch den Zugang zu den Systemen. Ihre E-Mail-Adressen würden zum Ende des Tages abgeschaltet, damit sie sich „vorher noch verabschieden können“, sagte Zuckerberg. Sie erhielten 16 Wochen lang ihr Grundgehalt weiter sowie zwei Wochen Gehalt für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit. Zudem werde unter anderem die Krankenversicherung für rund ein halbes Jahr gezahlt.

    Der Ablauf des Stellenabbaus steht im starken Kontrast zu den Kürzungen beim Kurzmitteilungsdienst Twitter wenige Tage zuvor. Milliardär Elon Musk hatte die Plattform für 44 Milliarden Dollar gekauft und sieben Tage nach der Übernahme jeden zweiten Mitarbeiter gefeuert. Es herrschte Chaos sowohl im Unternehmen, weil entscheidende Fachkräfte fehlten, als auch unter den ehemaligen Mitarbeitenden, da Abfindungsregeln zunächst unklar waren.

    Erstpublikation: 09.11.22, 12:19 Uhr (aktualisiert am 09.11.22, 16:39 Uhr).

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