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20.01.2022

09:24

Neuer Fonds

Nach Auto1 und Flink: Cherry Ventures will Millionen in Fintechs, NFTs und Klima-Technologie investieren

Von: Larissa Holzki

Mit dem vierten Fonds für frühphasige Start-ups will der Investor auf Klima-Technologie und Krypto setzen. Wer das Geld will, muss Frauen in die Führung holen.

(v.l.n.r.): Filip Dames, Alexander Langholz-Baikousis, Christian Meermann, Thomas Lueke und Sophia Bendz führen eine der bekanntesten deutschen Wagniskapitalfirmen.

Die Partner von Cherry Ventures

(v.l.n.r.): Filip Dames, Alexander Langholz-Baikousis, Christian Meermann, Thomas Lueke und Sophia Bendz führen eine der bekanntesten deutschen Wagniskapitalfirmen.

Berlin Cherry Ventures, einer der bekanntesten deutschen Wagniskapitalfonds, startet einen neuen Frühphasen-Fonds. Mit 300 Millionen Euro zählt der vierte Fonds der Ex-Zalando-Manager Filip Dames und Christian Meermann zu den größten sogenannten Seedphasen-Fonds in Europa. Seed bedeutet Samenkorn: Es geht also um die erste Finanzierungsrunde für ein Gründerteam.

Der Trend zu immer größeren Fonds setzt sich damit fort: Cherry reagiert wie die Wettbewerber auf die schnell steigenden Bewertungen auch bei Start-ups, die noch ganz am Anfang stehen. „Damit sind wir bestens positioniert, Seed-Finanzierungsrunden anzuführen und die Investmentfirma zu werden, die die ambitioniertesten Gründer zuerst anrufen“, sagt Filip Dames dem Handelsblatt. Der 2019 gestartete dritte Cherry-Fonds hatte noch ein Volumen von 175 Millionen Euro.

Cherry hat sich vor allem mit Investments in Onlinehandels- und Internetfirmen einen Namen gemacht. Auto1 und Flixmobility waren die ersten großen Erfolge. Zuletzt erreichten in schneller Folge das Logistik-Start-up Forto, die Vertical-Farming-Firma Infarm, der Zehn-Minuten-Lieferdienst Flink und die E-Commerce-Firma SellerX die prestigeträchtige Marke von einer Milliarde Dollar. Die beiden Letztgenannten erreichten sogar in Rekordzeit diesen sogenannten Einhorn-Status.

Das frische Geld soll vor allem in Finanztechnologie und Krypto, Lebensmittel, Handel, Software und Klimatechnologie investiert werden. Drei Investmenthypothesen verraten die Risikokapitalexperten bereits:

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    • Hypothese 1: Die „Fintechisierung“: „Wir glauben daran, dass jede Firma zum Fintech werden wird“, sagt Filip Dames. Firmen mit Konsumentenbeziehungen könnten Zahlungsmethoden, Kundenkonten und -bindungsprogramme oder auch eigene Bezahlkarten anbieten. „Wir beobachten, dass es vor allem noch an finanztechnologischen Infrastrukturlösungen für die kleinen und mittleren Unternehmen fehlt.“
    • Hypothese 2: Menschen wollen Dinge in der digitalen Welt besitzen: „Wenn man sich anschaut, wie viel Zeit Menschen heute online verbringen, dann ist klar, dass sie auch Eigentumsrechte an Dingen in der digitalen Welt halten wollen“, sagt Dames. Deshalb seien Innovationen im Bereich der Non-Fungible Tokens (NFT), also nicht ersetzbarer digital geschützter Objekte interessant.
    • Hypothese 3: Die Zeit für Klimatechnologie ist gekommen: Lange hätten für teure Klimatechnologie-Projekte die potenziellen Folgeinvestoren gefehlt, sagt Christian Meermann. Das ändere sich nun: „Wir haben mit Carbo Culture in ein Start-up investiert, das an der Reduzierung von Kohlenstoffdioxid arbeitet, da wird noch viel mehr kommen.“

    Anders als noch vor ein paar Jahren ist das Geschäft aber kein sprichwörtliches „Cherrypicking“, keine Rosinenpickerei mehr. Deutsche Wagniskapitalfirmen sind bei den Topfirmen einem harten internationalen Wettbewerb ausgesetzt und müssen Gründerteams etwas bieten.

    Ertan Can hat mit seinem Dachfonds Multiple Capital in den zweiten Cherry-Fonds investiert. Die Berliner stehen in seinem Portfolio europäischer Frühphasenfonds auf Rang vier von zehn bei der Rendite. „Was die Stärke und Bekanntheit der Marke angeht, ist Cherry meiner Meinung nach der beste deutsche Fonds“, sagt der Investor.

    Wer sich nicht um Diversität schert, kriegt kein Geld

    „Wir gewinnen unsere Deals mit der Gründer-DNA“, sagt Sophia Bendz, Cherry-Partnerin und eine der ersten Mitarbeiterinnen bei dem schwedischen Musikstreaming-Dienst Spotify. Gründer und Gründerinnen im Cherry-Portfolio sollen von der operativen Erfahrung ihrer Investoren profitieren. Dazu gehört auch, dass sie früh für das Thema Diversität sensibilisiert werden.

    „Diversität macht Firmen kreativer und innovativer“, sagt Bendz – das sei nicht nur Ergebnis von Forschungen, sondern auch ihre Erfahrung bei Spotify und Cherry, dessen Investmentteam zur Hälfte aus Frauen besteht. „Wir haben das bei Zalando gesehen: Eine Modefirma nur mit weißen Männern zu führen, das war ein bisschen absurd“, sagt auch Meermann.

    Im Fall einer reiferen Firma habe Cherry im Beirat gesagt, wenn die nächste Position in der Chefetage nicht mit einer Frau besetzt werde, würden sie der Einstellung nicht zustimmen. Andere Investoren fanden das zu hart, aber Meermann sieht seine Firma in der Verantwortung, Druck zu machen: „Wer nicht rechtzeitig Frauen einstellt, wird ein ,Boys Club‘ bleiben.“

    Je später sich männliche Gründer darum kümmerten, desto schwieriger wird es. „In unseren Vertragsangeboten steht, dass wir eine Diversitäts-Richtlinie erwarten“, sagt Bendz. Wenn es noch keine gäbe, würde Cherry bei der Umsetzung helfen.

    60 Prozent des Geldes im neuen Fonds wird Cherry zunächst zurücklegen. Dieses Geld wird für Folgefinanzierungen in die besten Firmen im Portfolio zurückgelegt.

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