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04.11.2022

04:04

Neuer Standard

„Matter“: Warum Unternehmen von Ikea bis Apple beim Smart Home zusammenarbeiten

Von: Christof Kerkmann

Es ist eine ungewöhnliche Allianz: Technologiekonzerne von Apple bis Google haben trotz ihrer Rivalität einen Standard fürs Smart Home entwickelt. Was Verbraucher über Matter wissen müssen.

Das Logo mit den drei Pfeilen signalisiert, dass Produkte mit dem Standard kompatibel sind. CSA

Lampe mit Matter-Logo

Das Logo mit den drei Pfeilen signalisiert, dass Produkte mit dem Standard kompatibel sind.

Düsseldorf In Zeiten hoher Energiepreise klingt es verlockend: Wenn sich Lampen, Steckdosen und Heizthermostate per App steuern lassen, können Verbraucher bei Strom und Wärme sparen. Die Installation der Technik fürs vernetzte Zuhause – im Fachjargon Smart Home – gilt aber als kompliziert, verwirrend und teuer. Die Verbreitung ist dadurch geringer als von vielen in der Branche erhofft.

Eine ungewöhnliche Allianz will das ändern. Mehr als 300 Unternehmen unterstützen einen neuen Standard namens Matter, der die Einrichtung von Produkten deutlich erleichtern soll und auf niedrigere Preise hoffen lässt.

Die großen Plattformbetreiber Amazon, Apple, Alphabet und Samsung zählen genauso zu den Mitgliedern wie die bekannten Marken Ikea, Miele und Sonos, zudem Spezialisten wie Assa-Abloy, Busch-Jäger und Viessmann. Sie alle eint das Ziel, das Smart Home besser zu machen und damit auch mehr Produkte zu verkaufen.

Am Donnerstag stellte die Dachorganisation Connectivity Standards Alliance (CSA) Matter vor, in den nächsten Wochen und Monaten dürften immer mehr Produkte in den Handel kommen, die den Standard unterstützen – zu erkennen an dem Logo mit den drei Pfeilen. Was Verbraucher dazu jetzt wissen müssen.

Was genau ist Matter?

Das Angebot an Smart-Home-Produkten ist unübersichtlich. Es gibt unterschiedliche Verbindungstechnologien von Bluetooth bis Zigbee, zudem bietet jeder Hersteller seine eigene App an. Die Komplexität schreckt ab.

In einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom erklären 28 Prozent der Nichtnutzer, dass ihnen die Bedienung zu kompliziert erscheint – nur Sicherheits- und Datenschutzbedenken spielen eine größere Rolle.

>> Lesen Sie hier: Warum sich Rivalen wie Apple, Amazon und Google beim Smart Home zusammenraufen

Matter soll eine Universalsprache etablieren, eine Lingua Franca fürs Smart Home. Der Verbindungsstandard ermöglicht es, dass Produkte unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren. Der Datenaustausch erfolgt über das lokale Netzwerk, also ohne dass erst eine Übertragung in die Cloud nötig ist. Technische Grundlage ist das offene Internetprotokoll (IP).

Das erleichtert die Hausautomatisierung mit Geräten unterschiedlicher Hersteller. Ein denkbares Szenario, wenn alles funktioniert wie angekündigt: Wenn die Haustür mit dem smarten Schloss abgeschlossen wird, gehen die Lampen aus und der Saugroboter nimmt den Dienst auf. So etwas ist derzeit höchstens über Programmierschnittstellen möglich und damit für die meisten Verbraucher undenkbar.

Wie verändert das den Smart-Home-Markt?

An Standards fürs Smart Home mangelt es nicht, als Universalsprache hat sich jedoch keiner durchgesetzt. Bei Matter könnte es anders sein: In der Connectivity Standards Alliance (CSA), die den Standard entwickelt, sind fast 300 Unternehmen organisiert.

Die Auswahl wird also groß sein, sobald der Standard etabliert ist – und sie wird noch wachsen. „Matter senkt die Markteintrittsbarrieren“, sagt George Yianni, Technikchef von Signify und Erfinder der Leuchtenmarke Hue. Der Standard erleichtere es, Smart-Home-Hardware und Automatisierungsszenarien zu entwickeln. „Es werden viele Innovationen entstehen“, ist er überzeugt.

Für Käuferinnen bedeutet das: Es wird mehr Produkte geben, die sich bei Funktionen und Preisen unterscheiden – womöglich auch einige billigere als bisher. Und es wird mehr Investitionssicherheit geben, weil sich Geräte nicht ausschließlich mit Homekit oder Smarthings, Alexa oder Google Assistant steuern lassen, sondern mit allen Plattformen.

Wie wird die Technik bedient?

Im Alltag wird Matter für die Nutzer weitgehend unsichtbar sein: Die Benutzeroberfläche für die Vernetzung von Geräten oder die Einrichtung von Automatisierungsszenarien bieten die Apps der verschiedenen Smart-Home-Anbieter – nur dass sich künftig Produkte anderer Unternehmen einfacher integrieren lassen.

Die großen Plattformen dürften bei der Bedienung eine zentrale Rolle spielen. Apple und Google integrieren die Technologie ihrer mobilen Betriebssysteme, womit Hunderte Millionen Smartphones und Tablets zu Steuerungszentralen für das Smart Home aufgerüstet werden. Amazon rüstet diverse Lautsprecher, Router und Lampen nach, Samsung diverse Fernseher, Monitore und Kühlschränke.

Allerdings dürfte ein Teil des Geräteparks, der sich bereits in den Wohnungen befindet, kein Update erhalten. Der neue Standard erfordert eine gewisse Rechenleistung und Speicherkapazität, die Anpassung ist zudem mit einigem Aufwand verbunden.

Wie ist der Zeitplan?

Erste Produkte mit dem Matter-Logo dürften bald im Handel sein, 190 Zertifizierungen hat die CSA nach eigenen Angaben abgeschlossen. Bis der Standard weit verbreitet ist und sich die Vorteile für Verbraucher bemerkbar machen, dürfte jedoch einige Zeit vergehen. Die Veröffentlichung der ersten Version sei „ein großer Schritt in einem langen Prozess“, sagte CSA-Chef Tobin Richardson.

So müssen Hersteller, die Produkte nachträglich per Update kompatibel machen, die Software wie auch das Zusammenspiel mit anderen Geräten anderer Hersteller testen. Und für neue Modelle benötigen sie eine Zertifizierung, die zeitaufwendig ist. „Wir fokussieren uns darauf, Qualität zu liefern“, betonte Richardson.

Die Umstellung wird daher nicht über Nacht erfolgen. Signify-Manager Yianni ist aber überzeugt: „Vor dem Weihnachtsgeschäft im nächsten Jahr wird die Mehrzahl der Smart-Home-Produkte eine Matter-Integration anbieten. Man wird das auf den Verpackungen und in den Geschäften sehen.“

Anfangs sind zudem nur Geräte aus acht Kategorien verfügbar, darunter Lampen, Fernseher sowie Kühlung und Heizung. Weitere Produktgattungen sollen folgen, darunter Kameras, Saugroboter und Haushaltsgeräte.

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