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24.05.2021

15:39

Personalchefin Elke Frank

Software AG im Umbruch: „Was damals gut war, reicht nicht mehr“

Von: Christof Kerkmann

PremiumWie verbreitet man in einem 50 Jahre alten Konzern Start-up-Spirit? Bei der Neuausrichtung der Software AG spielt die Personalchefin eine entscheidende Rolle.

„Der Wettbewerb hat eine ganz andere Geschwindigkeit als vor fünf Jahren“, sagt die Personalchefin der Software AG. Sie will den Konzern wieder agiler machen. Software AG

Elke Frank

„Der Wettbewerb hat eine ganz andere Geschwindigkeit als vor fünf Jahren“, sagt die Personalchefin der Software AG. Sie will den Konzern wieder agiler machen.

Düsseldorf Die großen Veränderungen zeigen sich manchmal an kleinen Dingen. Als Elke Frank im August 2019 bei der Software AG anheuerte, mussten die Mitarbeiter jede Beschaffung von einem Vorgesetzten genehmigen lassen – selbst eine Maus für den PC. Die Personalchefin schaffte die Regel ab, heute hat jeder ein Budget von bis zu 500 Euro. „So einfach sich das anhört: Das hat viel bewegt“, sagt sie. „Das spürt jeder Mitarbeiter auf der Welt.“

Es ist ein Beispiel dafür, wie die Personalerin die Prozesse bei der Software AG einfacher macht und gleichzeitig eine neue Kultur etabliert. Das Ziel ist, den behäbigen IT-Konzern wieder agil zu machen. „People, Culture, Change“, lautet der Dreiklang von Frank. „Für Vorstand und Aufsichtsrat ist dieses Thema das Erfolgskriterium schlechthin, damit die Veränderung einer 50 Jahre alten Firma überhaupt gelingen kann“, sagt sie.

Veränderung ist tatsächlich nötig. Die Software AG, die 1969 mit Datenbankensystemen für Großrechner an den Markt ging, hat zwar ein Portfolio mit Lösungen, die gefragt sein müssten: Es gibt Programme für die Vernetzung von Maschinen, die Automatisierung von Geschäftsprozessen oder die Integration von vielfältigen IT-Systemen – allesamt hilfreiche Werkzeuge für die Digitalisierung.

Trotzdem enttäuscht das Unternehmen die Anleger immer wieder. Das Geschäft ist hochprofitabel, wächst aber kaum. 2011 erwirtschaftete der Konzern zuletzt mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, danach blieb er unter dieser Schwelle. Im vergangenen Jahr sanken Erlös und Gewinn deutlich, der Börsenwert liegt bei nur rund 2,5 Milliarden Euro. So manches Start-up, das noch nie Geld verdient hat, wird von Investoren höher bewertet.

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    „Der Wettbewerb hat eine ganz andere Geschwindigkeit als vor fünf Jahren“, warnt Elke Frank. „Was damals gut war, reicht nicht mehr.“ Einerseits gebe es große Konzerne wie Amazon Web Services und Microsoft, die viele Milliarden investieren, andererseits kleine Anbieter, die mit Nischenprodukten und viel Risikokapital Erfolg haben.

    „Wir haben es uns vielleicht zu komfortabel eingerichtet“

    „Wenn wir so weitergemacht hätten wie vorher, weiß ich nicht, ob es uns noch gäbe – das war auch der Stiftung als größter Ankeraktionär klar“, sagt Frank. Mitgründer Peter Schnell hat seine Anteile in die Stiftung eingebracht, sie hält derzeit etwas mehr als 30 Prozent der Aktien. Auch wenn die Managerin es so nicht sagen würde: Man kann das verstehen als Kritik am langjährigen Vorstandschef Karl-Heinz Streibich, der mittlerweile den Aufsichtsrat leitet.

    Seit 2018 richtet Vorstandschef Sanjay Brahmawar die Software AG mit „Projekt Helix“ neu aus. Das Unternehmen bietet nun immer mehr Produkte zur Miete über die Cloud an, wie es in der IT-Welt zum Standard geworden ist. Es strukturiert den Vertrieb um, vor allem in den USA als größtem Softwaremarkt der Welt. Und es setzt auf neue Technologien wie die Analyse von Maschinendaten.

    „Alle Hindernisse sind intern“, sagte Brahmawar dem Handelsblatt einmal. Deswegen holte er Frank zur Software AG. Die hatte zuvor bei Unternehmen wie Microsoft und der Deutschen Telekom mit fortschrittlicher Personalpolitik auf sich aufmerksam gemacht, die Erkenntnisse hielt sie 2015 als Co-Autorin des Buchs „Out of Office – Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen“ fest.

    Sie soll dabei helfen, den IT-Konzern aus der Ära der Großrechner ins Zeitalter des Cloud-Computing zu führen. „Die Software AG ist sehr produktlastig und technologisch geprägt – das halten wir weiter hoch“, sagt Frank. „Aber so, wie wir organisatorisch aufgestellt waren, konnte es nicht weiter funktionieren.“ Das gelte zum einen für die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg, zum anderen für die Geschwindigkeit. „Wir haben es uns vielleicht zu komfortabel eingerichtet.“

    Da sich das Problem nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen lässt, reicht auch eine einzelne Maßnahme nicht aus, um es zu beheben. Das Top-Management habe man schnell von der neuen Strategie überzeugen können, den Rest der rund 5000 Mitarbeiter jedoch nicht. "In den ersten Monaten ging es relativ langsam", berichtet Frank.

    „Wir haben uns gefragt: Warum verstehen die oberen Ebenen es, aber warum kommt es unten nicht an?" Frank und Brahmawar luden 80 Kollegen in aller Welt zum "Straight Talk". "Sanjay und ich waren anfangs mehr als überrascht, wie wenig unten ankam. Da war klar, dass wir dort anpacken mussten."

    Nun gibt es eine Strategie, um die Mitarbeiter einzubinden, mit Workshops beispielsweise. Den neuen Unternehmenszweck, neudeutsch Purpose, bestimmten sie beispielsweise gemeinsam. Investoren halten es für richtig, dass die Software AG der Personalpolitik eine so große Bedeutung beimisst.

    Die Produkte des Unternehmens seien gut, aber die Ingenieurskultur passe nicht mehr in das Cloud-Zeitalter, heißt es in Finanzkreisen. Die Entwicklung, so ist zu hören, gehe in die richtige Richtung, sei aber langwierig. Zumal der Umbau unter erschwerten Bedingungen abläuft. So legte ein Hackerangriff im Herbst wichtige IT-Systeme lahm. Und die Corona-Pandemie erschwert weiterhin die Zusammenarbeit und führt zu einer verbreiteten Erschöpfung, die ein "Wellness Wednesday" seit Neuem zumindest lindern soll - die Mitarbeiter werden per App daran erinnert, auf ihre körperliche und mentale Fitness zu achten.

    Im Jahr drei der Umstellung zieht Elke Frank eine positive Zwischenbilanz: „Wir haben die Firma in Bewegung gebracht." Nun geht es darum, auch das Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Ab diesem Jahr, so das Versprechen an die Aktionäre, soll nachhaltiges Wachstum gelingen.

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