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27.10.2021

01:25

Quartalszahlen

Google trotzt Apple-Update und schreibt Rekordgewinn

Von: Kevin Knitterscheidt

PremiumDer Google-Mutterkonzern steht so stark da wie nie. Dabei kommt Alphabet mit den neuen Datenschutzregeln von Apple besser zurecht als Konkurrent Facebook.

Rund ein Fünfter der Einnahmen generiert Google aus Anzeigen. Reuters

Google

Rund ein Fünfter der Einnahmen generiert Google aus Anzeigen.

San Francisco Für den Mutterkonzern des Suchmaschinengiganten Google funktionierte die Corona-Pandemie bislang wie ein Konjunkturprogramm: Milliarden Menschen auf der ganzen Welt mussten ihr Leben von einem Tag auf den nächsten nahezu komplett digitalisieren. Ob bei Arbeit, Freizeit oder Shopping: Kaum jemand ist in den vergangenen zwei Jahren an Angeboten wie der Suche, dem Videodienst Youtube oder den verschiedenen Office-Apps vorbeigekommen.

Und selbst nach dem Abflauen der Pandemie hält der Boom an. So konnte Alphabet-Chef Sundar Pichai bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal erneut starke Ergebnisse vorlegen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz des Konzerns aus Mountain View um 41 Prozent auf gut 65,1 Milliarden US-Dollar. Auch der Gewinn legte um mehr als 68 Prozent auf 18,9 Milliarden Dollar zu. Dabei steuerte das Anzeigengeschäft mit 53,1 Milliarden Dollar den Großteil des Umsatzes bei.

Damit hat Alphabet die Erwartungen der Analysten, die durchschnittlich mit einem Anzeigenumsatz von 52,6 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten, leicht übertroffen. „Die Ergebnisse des abgelaufenen Quartals zeigen, wie unsere Investitionen uns dabei helfen, bessere Produkte für unsere Kunden und Partner zu entwickeln“, sagte Alphabet-CEO Sundar Pichai. Als Beispiele nannte er neben dem neuen Google-Smartphone Pixel 6 auch das Cloud-Angebot für Unternehmen.

Cloud-Geschäft bleibt eine Wette

Dabei lässt sich Alphabet sein Cloud-Geschäft nach wie vor einiges kosten. Zwar haben sich die Verluste, die in der Sparte anlaufen, im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Doch mit minus 644 Millionen US-Dollar landete der Bereich immer noch im roten Bereich. Gegenüber Konkurrenten wie Microsoft oder dem Branchenprimus Amazon Web Services (AWS) hat Google also Nachholbedarf – wobei Pichai erneut betonte, es handle sich bei Google Cloud um eine langfristige Wette.

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    Die Hoffnung des Managers liegt hier vor allem auf der Idee, dass viele Unternehmen in Zukunft mehrere Cloud-Anbieter nutzen werden, um die mit einer Single-Cloud-Strategie einhergehenden Risiken zu mindern. „Wir haben von Anfang an einen offenen Multi-Cloud-Ansatz verfolgt, der sich an den Bedürfnissen der Kunden orientiert“, sagte Pichai. Zumindest beim Umsatz legte der Bereich kräftig zu – nämlich um 45 Prozent auf knapp fünf Milliarden US-Dollar.

    Neben dem Cloudgeschäft gehören auch kleinere Töchter wie der Fahrdienstleister Waymo, der autonom fahrende Fahrzeuge entwickelt, oder der Lieferdrohnen-Service Wing zu den Verlustbringern im Unternehmen. Diese und weitere kleinere Firmen, die häufig große technologische Ambitionen verfolgen, bündelt der Konzern im Segment „Other Bets“ – also „andere Wetten“, abseits des Kerngeschäfts. Hier lief ein Verlust von knapp 1,3 Milliarden US-Dollar an.

    Es sind Wetten, die Alphabet dank seines hervorragend laufenden Kerngeschäfts ruhigen Gewissens abschließen kann. „Sie profitieren immer noch davon, dass einige Händler wegen der Pandemie mit ihrem Angebot ins Internet umziehen“, sagte Mark Ballard, Analyst bei der Marketing-Beratung Tinuiti, der Agentur Bloomberg im Vorfeld der Präsentation. Dabei reißt der Trend nicht ab, obwohl die Corona-Beschränkungen in vielen Ländern mittlerweile gelockert oder aufgehoben wurden.

    Ausblick weiterhin robust

    Zwar merke Google, dass viele Nutzer nun wieder verstärkt den stationären Handel besuchen, erklärte etwa Googles Chief Business Officer Philipp Schindler. „Doch bevor sie los gehen, recherchieren sie das Angebot häufig online“, so der Manager. Das habe den Effekt, dass die Händler trotzdem Anzeigen buchen. Für das vierte Quartal zeigt sich Alphabet daher optimistisch, sofern sich globale Probleme wie Lieferengpässe nicht im Jahresverlauf verschlimmern.

    Glimpflich kam Google auch bei den Folgen des Apple-Updates davon, das zuletzt den zweitgrößten Anzeigenverkäufer Facebook vor große Herausforderungen stellte. So erlaubt der iPhone-Herstellern das Erheben von Nutzerdaten über verschiedene Apps hinweg nur noch, wenn der Nutzer zuvor zugestimmt hat. Das passiert nur in den seltensten Fällen – und erschwert so das Ausspielen von zielgruppengenauer Werbung, deren Auswahl auf den Nutzerdaten basiert.

    Anders als bei Facebook trafen die Änderungen aber Google nur marginal – und hier auch nur die Videoplattform Youtube, die ihren Umsatz dennoch deutlich von gut fünf auf mehr als 7,2 Milliarden US-Dollar steigern konnte. Anders als Facebook sieht Google in dem Update kein grundsätzliches Problem. Es handle sich um eine breite Bewegung, die das Ziel habe, den Datenschutz zu verbessern sagte CBO Schindler. Das sei bei Google schon seit vielen Jahren ein wichtiges Forschungsgebiet.

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