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15.01.2020

18:39

Sanjay Brahmawar

Warum der Chef der Software AG den gesamten Vorstand austauschte

Von: Christof Kerkmann

Mit seinem „Projekt Helix“ will Sanjay Brahmawar den Softwarehersteller aus der Stagnation führen. Besonders die Vorstandsetage bekommt das bislang zu spüren.

Der Vorstandschef der Software AG will mehr Start-up-Geist in der 50 Jahre alten Firma. Bloomberg

Sanjay Brahmawar

Der Vorstandschef der Software AG will mehr Start-up-Geist in der 50 Jahre alten Firma.

Darmstadt Sanjay Brahmawar hat die Software AG auf Veränderungen eingestimmt: Der Manager will mit der neuen Strategie „Projekt Helix“ wieder für Wachstum sorgen, und dafür will er eine neue Firmenkultur etablieren. Nach außen sichtbar ist aber vor allem das neue Personal: Binnen kurzer Zeit hat er mehrere Vorstandsposten neu besetzt.

Nun steht ein weiterer Wechsel an. Arnd Zinnhardt, 57, scheidet nach 18 Jahren als Finanzchef vor Ablauf seiner Vertragslaufzeit aus, für ihn wird Matthias Heiden, 47, übernehmen. Derzeit ist Heiden noch beim Nutzfahrzeughersteller SAF Holland für Finanzen, Controlling und Personal zuständig, nach einer Übergangszeit wechselt er von Luxemburg nach Darmstadt. Zuvor war er bei SAP in verschiedenen Funktionen tätig.

Konkrete Gründe für die Neubesetzung des Ressorts nannte die Software AG nicht. Heiden verfüge „über ein ausgezeichnetes Verständnis für die Abläufe in einem Softwareunternehmen, das er mit einer modernen Interpretation der CFO-Rolle kombiniert“, erklärte Aufsichtsratschef Andreas Bereczky in einer Mitteilung lediglich. Da die neue Strategie zu greifen beginne, gebe er jetzt den Stab weiter, ließ sich Zinnhardt zitieren.

Intern sorgt die Personalie durchaus für Verwunderung. Bei vielen Mitarbeitern ist Zinnhardt mit seiner nahbaren und jovialen Art beliebt, Finanzinvestoren schätzen seine Expertise – und Anleger überzeugt er mit strikter Kostendisziplin. Spätestens mit seinem Abschied ist die Software AG ein anderes Unternehmen – seit dem Amtsantritt von Brahmawar sind nun alle Vorstandsposten neu besetzt worden.

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    Der Manager ist bei der Software AG angetreten, um nach Jahren der Stagnation für neue Dynamik zu sorgen. Er will Geschäftsfelder wie die Vernetzung der Industrie und die Datenanalyse ausbauen, er will das Geschäft mit dem Cloud-Computing erweitern, das eine größere Planbarkeit verspricht, und er will die Präsenz in wichtigen Märkten stärken, vor allem in den USA.

    Der neue Finanzchef soll seinen Teil dazu beitragen: Bei SAP war er an der Umstellung aufs Cloud-Computing beteiligt, eine Prozedur, die die Software AG noch vor sich hat.

    Der Manager wird neuer Finanzvorstand der Software AG. SAF Holland/Dino_Eisele

    Matthias Heiden

    Der Manager wird neuer Finanzvorstand der Software AG.

    Die vielen Veränderungen sind nur mit einem Kulturwandel möglich: Das 50 Jahre alte Unternehmen soll mehr wie ein Start-up agieren. Dafür hat der belgische Manager zahlreiche Standorte bereist, Kunden besucht und die Stationen seiner Reise fleißig in den sozialen Medien dokumentiert. „Es gibt viele ungenutzte Potenziale im Unternehmen“, bilanzierte er Anfang 2019 gegenüber dem Handelsblatt. „Unsere Mitarbeiter wollen angreifen, sie wollen gewinnen!“

    Bisher jedoch ist es dem Kommunikator noch nicht gelungen, sich tatsächlich als Macher zu präsentieren. Den starken Worten sind bisher noch keine starken Resultate gefolgt, wie die Geschäftszahlen zeigen: Der Konzern enttäuschte mehrfach die Erwartungen und senkte die Prognose für 2019, wenngleich er im dritten Quartal den Abwärtstrend stoppen konnte. Der Aktienkurs notiert auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr, aber niedriger als zum Amtsantritt.

    Experten halten die Konsequenzen, die Brahmawar gezogen hat, für nachvollziehbar. „Der komplette Austausch einer Vorstandsmannschaft ist zwar ungewöhnlich, vor dem Hintergrund der auf längere Sicht angelegten Transformationsstrategie Helix aber nachvollziehbar“, urteilt Mirko Meier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Der Wandel der Unternehmenskultur sei dabei ein wichtiger Schwerpunkt.

    Zinnhardt sei „ein herausragender CFO“, sagt Stefan Ried vom Marktforscher Crisp Research. Die Software AG würde nach Einschätzung des Analysten aber gut daran tun, „den Wechsel des Finanzchefs zum Anlass zu nehmen, die Investmentstrategie zu überdenken“. In den vergangenen Jahren habe der Konzern das Geschäft vor allem durch Übernahmen weiterentwickelt. Nun gelte es, die interne Entwicklung wieder zu stärken.

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