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11.11.2022

13:48

Softbank

„Er ist besser in der Defensive“ – Masayoshi Son übergibt Investmentgeschäft nach hohen Verlusten an Finanzchef

Von: Martin Kölling

Jahrelang wollte Son mit riesigen Investitionen die Tech-Welt dominieren. Nun will er wieder Unternehmer sein. Sein Finanzchef sei „besser in der Defensive“.

Der Softbank-Gründer zieht sich aus dem Investmentgeschäft zurück. Reuters

Masayoshi Son

Der Softbank-Gründer zieht sich aus dem Investmentgeschäft zurück.

Tokio Masayoshi Son begann die Quartalspräsentation seines Softbank-Konzerns am Freitag mit einem Paukenschlag: Der japanische Milliardär übergibt die operative Leitung des Investmentgeschäfts, das in den vergangenen fünf Jahren weit über 100 Milliarden Euro in über 400 Mega-Start-ups investiert hat, an seinen Finanzchef Yoshimitsu Goto.

Wegen der globalen Kurseinbrüche der Technologieaktien verzeichnet Softbank hohe Buchverluste auf sein Portfolio. Softbank habe daher von Investieren auf Defensive umgeschaltet, sagte Son. Angesichts der Inflation und steigender Zinsen erwartet er auch keine rasche Wende. Nun lässt er Goto ans Ruder. „Er ist besser in der Defensive als ich“, begründete der 64-jährige Gründer seine Entscheidung.

Er selbst will sich stattdessen auf seinen britischen Chipdesigner ARM, den Chippartner von Apple, konzentrieren, den Son an die Börse bringen will. „Das wird die Quelle meines Glücks, meiner Energie und meiner Begeisterung sein“, sagte Son. „Und ich glaube, dass dies auch das Beste für Softbank ist.“

Neue Kehrtwende für Softbank

Der Teilrückzug von Son deutet auf den nächsten großen Umbruch für Softbank hin. Schon kurz nach der Gründung und Beginn seiner Tätigkeit als Softwarehändler entwickelte Son sein Unternehmen zu einem Zwitter aus Technologiefirma und Investor. 2016 setzte er dann mit der Gründung des ersten Vision Fund voll auf seine Investorenseite. Fast 100 Milliarden Dollar warb er zusätzlich zu eigenen Geldern von arabischen Staatsfonds und globalen Konzernen wie Apple ein.

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    Das Kapital investierte er rasant in Einhörner, wie Start-ups mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar genannt werden. Dazu zählten Fahrdienstvermittler wie Uber oder der Büroanbieter Wework. Bald folgten ein zweiter Vision-Fonds und ein dritter Fonds für Lateinamerika.

    Doch nach starken Jahren begann das Geschäft 2019 zu schwächeln und stürzte mit dem Corona-Kurscrash in eine erste Krise. Softbank befreite sich mit dem Verkauf von Aktien. Den jetzigen Kursrutsch machte er nun mit dem gleichen Rezept wett.

    Im ersten Quartal schrieb Softbank wegen riesiger Buchverluste auf das Portfolio umgerechnet rund 22 Milliarden Euro Nettoverlust. Die Buchverluste im September des abgelaufenen zweiten Quartals schlugen immerhin noch mit fast zehn Milliarden Euro zu Buche. Aber durch Aktienverkäufe machte Softbank unter dem Strich einen Gewinn von 21,2 Milliarden Euro. Im Halbjahr verbuchte Softbank daher nur einen Verlust von 900 Millionen Euro.

    Son baut China-Aktien ab

    Den Großteil der Erlöse brachte mit umgerechnet 32,8 Milliarden Euro der Verkauf von Aktien der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba ein, die seit über zehn Jahren der Pfeiler von Softbanks Vermögen waren. Damit schrumpfte der Alibaba-Anteil an Softbanks Wert in den vergangenen sechs Monaten von 23 auf 15 Prozent.

    Darüber hinaus reduziert Softbank sein bislang starkes Engagement in China. Denn die Regulierung der Tech-Unternehmen, die neue Betonung der Staatsunternehmen, eine Immobilienkrise sowie Corona-Lockdowns bremsen die Wirtschaft und drücken die Kurse.

    Softbank hat durch Aktienverkäufe Milliarden eingenommen. Reuters

    Alibaba

    Softbank hat durch Aktienverkäufe Milliarden eingenommen.

    Mit den Einnahmen kaufte Softbank nicht nur Anleihen im Wert von 16,6 Milliarden Euro zurück, sondern in den vergangenen zwölf Monaten auch Aktien in Höhe von 9,8 Milliarden Euro. Damit hat der Konzern zuletzt erfolgreich den eigenen Kurs in die Höhe getrieben.

    ARM-Börsengang rückt in den Fokus

    Gleichzeitig hat Softbank die Investitionen in neue Start-ups von etwa 14 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 300 Millionen Euro im abgelaufenen Quartal gesenkt. Dahinter stehe kein Investitionsverbot, machte Finanzchef Goto deutlich. Man sei zu Investitionen bereit, wenn das Management die Bewertung der Unternehmen für angemessen halte. Grundsätzlich richtet sich der Konzern allerdings auf eine längere Schwächephase an den Finanzmärkten ein.

    Die Verwaltung des Portfolios wird derweil auf ein neues Führungsteam verteilt. Gründer Son bleibt als Vorstandschef erhalten, will aber wieder mehr Unternehmer sein. ARM ist ihm dabei besonders wichtig. Denn er sieht in dem britischen Chipdesigner das Potenzial, mit seiner Architektur den Halbleitermarkt der Zukunft zu bestimmen.

    Er habe ARM nie veräußern wollen, erklärte er am Freitag. Daher war es für ihn wohl auch nur ein kleiner Rückschlag, als ein Verkauf an den Grafikkartenhersteller Nvidia am Widerstand der Kartellbehörden scheiterte.

    Nun will er das Unternehmen reif für die Zukunft und einen Börsengang machen. Angesichts der jetzigen Lage am Aktienmarkt sei der allerdings im bis März laufenden Geschäftsjahr unwahrscheinlich, sagte ein Softbank-Manager. „Wir stehen aber voll hinter einem Börsengang im Jahr 2023.“

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