Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2020

16:31

Software-Start-up

Eine App für den Kulturwandel: Staffbase kauft in Berlin zu

Von: Christoph Kapalschinski

Die Chemnitzer statten Konzerne wie MAN und DHL mit Mitarbeiter-Apps und Websites aus. Nun übernimmt das Start-up die Berliner Firma Teambay.

Staffbase übernimmt die von Bohlmeier gegründete Firma Teambay. Staffbase

Martin Böhringer und Sarah Bohlmeier

Staffbase übernimmt die von Bohlmeier gegründete Firma Teambay.

Hamburg „Kulturwandel“ ist wohl eines der meiststrapazierten Schlagwörter in Unternehmen zu Corona-Zeiten. Martin Böhringer kommt das nicht ungelegen. Seine Firma Staffbase beschäftigt sich mit der Frage, wie Unternehmen mit ihren Mitarbeitern am besten kommunizieren können. „Wir sind eines der schnellstwachsenden Tech-Start-ups Europas“, sagt der Chemnitzer.

Am Donnerstag verkündete er der eigenen 310-köpfigen Belegschaft: Staffbase kauft die Berliner Firma Teambay – und bekommt frisches Risikokapital.

Die Idee des 2014 in Sachsen gegründeten Staffbase ist simpel: Unternehmen brauchen heutzutage mehr für die interne Kommunikation als eine Mitarbeiterzeitschrift und statische Intranet-Seiten – vor allem, um auch solche Mitarbeiter schnell zu erreichen, die nicht ständig am Computer sitzen.

So habe der Lkw-Hersteller MAN nach den Erfahrungen aus dem Amoklauf im Münchener Olympia-Einkaufszentrum 2016 eine Lösung gesucht, um seine Werksmitarbeiter zuverlässig zu informieren, berichtet Böhringer. Los ging es mit einer App und großen Kunden, neben der VW-Tochter etwa auch Viessmann und DHL. Zielgruppe sind Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern – besonders solche, bei denen viele an Fabrikarbeitsplätzen oder unterwegs arbeiten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit Staffbase können ihnen Unternehmen eigene Apps bereitstellen, die sie auch auf privaten Smartphones installieren können. Inzwischen hat Staffbase seine Technik zudem auf das Internet ausgeweitet. Neben Nachrichten und Foren für die Mitarbeiter gibt es auch Kantinenpläne und die Möglichkeit, Urlaubsanträge einzureichen.

    Mit dem Teambay-Zukauf will Böhringer das Angebot erweitern. Das neunköpfige Team hat eine Lösung geschaffen, mit der Unternehmen schnelle Mitarbeiterumfragen auf Abteilungs- und Teamebene auswerten können. Die Technik will Böhringer in Staffbase integrieren. Einen Kaufpreis für das 2014 von Sarah Bohlmeier gegründete Start-up nennt er nicht.

    Starkes Wachstum, teure Expansion

    Im Rahmen des Zukaufs erhält Böhringer zudem zehn Millionen Euro frisches Risikokapital von seinen Bestandsinvestoren Insight Partners, Eventures, Capnamic Ventures und Kizoo Technology Capital. Insgesamt haben die Geldgeber rund 41 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt, sagt Böhringer.

    Damit finanziert er das Wachstum. Nach Büros etwa in London und Amsterdam hat er 2019 auch einen Standort in New York eröffnet. Solche Pläne sind kostspielig: Laut Bundesanzeiger fielen 2018 knapp 2,3 Millionen Euro Verlust an. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

    „Wir wachsen mit Substanz“, sagt Böhringer, der Staffbase als „konservatives Start-up“ sieht. Laut Deloitte ist das Unternehmen zwischen 2015 und 2018 um stolze 4000 Prozent gewachsen. Die Beratung zeichnete das Unternehmen dafür Ende 2019 mit ihrem „Fast 50 Award“ aus.

    Böhringers Hoffnung ist, die Entwicklung einer neuen Softwareklasse mitzugestalten. „Immer mehr Unternehmen entdecken, wie wichtig die Mitarbeiter sind. Dabei hilft unsere neue Software-Kategorie zwischen HR-System und Zusammenarbeits-Tool“, sagt er.

    Software wie Teams oder gar Slack sieht er nicht als Konkurrenz. Diese Systeme eigneten sich nur für Büroarbeiter, nicht für die gesamte Belegschaft. Wissen über interne Kommunikation steuerte vor allem Böhringers Mitgründer Frank Wolf bei, der sich zuvor als Berater bei T-Systems Multimedia Solutions mit dem Thema beschäftigt hatte. Böhringer selbst stammt aus der Gründerszene: Er hat zuvor ebenfalls in Chemnitz das inzwischen liquidierte Cloud-Start-up Hojoki gegründet.

    Beim Vertrieb helfen positive Kommentare von Anwendern. Max Viessmann beispielsweise lobte im Magazin „Capital“ die Technik: „Es ist tatsächlich so, dass sich Tausende Menschen von ihren Smartphones, Tablets oder Rechnern einwählen und online live Fragen stellen können. Die Fragen werden hochgevotet und je nach Stimmenanteil von oben nach unten beantwortet.“ Während der Coronakrise habe das System in seinem Heiztechnik-Unternehmen 100.000 Zugriffe pro Woche verzeichnet.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×